30.12.2018 - 15:09 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Jubiläumsjahr endet mit großem Feuerwerk

Silvester endet in Neustadt das Jubiläumsjahr. Zum Abschluss soll noch einmal richtig gefeiert werden – mit professionellem Feuerwerk und großer Party am Parkdeck bei der Stadthalle.

Anschlusseinheit und Steuereinheit für die Feuerwerkssteuerung.
von PMLProfil

Silvester endet in Neustadt das Jubiläumsjahr. Zum Abschluss soll noch einmal richtig gefeiert werden – mit professionellem Feuerwerk und großer Party am Parkdeck bei der Stadthalle. Wie ein professionelles Feuerwerk geplant und aufgebaut wird, verrät Christian Rübl. Der ausgebildete Großfeuerwerker arbeitet nebenberuflich für die Firma "Pyro Pro Feuerwerke", die mit der Durchführung beauftragt wurde. Seit über zehn Jahren plant und gestaltet der Schönkircher zusammen mit seinem Chef, dem Firmengründer Florian Fiegl, Feuerwerke. Meist sind es Musikfeuerwerke für private oder öffentliche Kunden, aber auch einfache Feuerwerke ohne Musiksteuerung werden von ihnen durchgeführt. Und kaum eines ist wie das andere. „Es ist immer etwas Neues dabei. Man kann da nicht einfach eines nehmen und wiederverwenden.“

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres ist natürlich etwas Besonderes geplant. Etwa neun Minuten wird das Feuerwerk dauern, das auf dem ASV-Sportplatz auf dem Felixberg abgebrannt wird. Dabei werden aber keine Raketen verschossen, sondern Bomben. So nennt der Pyrotechniker die Kugeln aus Papier, die mit einer Treibladung ausgestattet sind und aus Kunststoffrohren verschossen werden. Ähnlich, wie man es aus Filmen bei alten Kanonen kennt.

Diese Kugeln sind aber nicht aus massivem Eisen oder Stein, sondern aus Papier geformt. Auch der Aufbau im Inneren ist deutlich komplizierter und besteht aus vielen Schichten. Da sind etwa Zerlegeladungen enthalten, mit denen die großen Kugeln in kleinere Elemente aufgeteilt werden. Verzögerungssätze sorgen dafür, dass die Kugeln in der richtigen Höhe auseinanderbrechen. Die eigentlichen Effekte entstehen durch Schwarzpulver und Metalle, die für unterschiedliche Farben und Brenndauer sorgen. Für die Shows nutzt die Firma vorkonfektionierte Feuerwerkskörper, die von ausgesuchten Herstellern aus China und Italien bezogen werden. So etwas selbst herzustellen wäre zu teuer und aufwendig, „Das kann sich heute keiner mehr leisten.“

Bevor jedoch das Feuerwerk gezündet werden kann, steht erst einmal viel Planung an. Mithilfe eines Computerprogramms wird die Zündreihenfolge der einzelnen Effekte aufeinander abgestimmt. „Wir geben die Effekte ein, und das Programm rechnet dann aus, wann es gezündet werden muss.“ Wichtig ist es, den Zeitpunkt der Explosion in der Luft und die Aufstiegszeit, die sich aus der Treibladung ergibt, genau einzutragen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Bombe zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Höhe ist und so ihre volle Pracht entwickeln kann. Dank seiner jahrelangen Erfahrung weiß Rübl, welcher Effekt wie aussieht und wie dieser am besten kombiniert werden kann.

Für Neustadt hat Rübl 70 Zündzeitpunkte berechnet, wobei mit einer Zündung nicht nur ein, sondern mehrere Effekte, nacheinander oder gleichzeitig in den Himmel geschossen werden können. Auf die Frage, wie viele Bomben abgeschossen werden, meint Rübl: „Ein Feuerwerk macht aus, wie gut die Qualität der Kugeln ist. Es gibt Anbieter, die werben mit hunderttausenden Effekten, aber da hat dann schon ein Effektknaller 30 000 davon, der nur einmal kurz entzündet wird.“ Anschließend verrät er dann doch, dass das Silvesterfeuerwerk aus etwa 170 großen Effektbomben zwischen 75 und 150 Millimetern Durchmesser und einer Reihe kleinerer Feuerwerkskörper bestehen wird. Aufgebaut wird es erst am Silvestertag.

Dementsprechend viel wird Rübl an diesem Montag zu tun haben. Eine Sicherheitszone mit einem Radius von 150 Metern um das Feuerwerk muss abgesperrt werden. Die Abschussvorrichtungen aus Holzgestellen mit Kunststoffrohren müssen aufgebaut werden. Die Anzünder, „die sind wie ein elektrisches Streichholz“, müssen mit den „gedeckten Stoppinen“ verbunden werden. Ein Stoppine ist so etwas wie eine Zündschnur, nur kunststoffummantelt und ohne Verzögerung. „Nur so können wir sicher sein, dass die einzelnen Elemente zum richtigen Zeitpunkt gezündet werden. Zündschnüre brennen unterschiedlich lang.“ Anschließend werden die Bomben in die Rohre hinabgelassen und die elektrischen Zündleitungen angeschlossen.

Die Steuerung selbst läuft vollelektronisch und sieht absolut unspektakulär aus. Man sieht nur kleine Kunststoffboxen mit Anschlussklemmen und jeweils einer Antenne. Diese Boxen verbinden über Funk die Anzünder der Feuerwerkskörper mit der Steuereinheit. Diese ist eine andere kleine Kunststoffbox. Dort sieht man nur einen Schlüsselschalter, ein paar Knöpfe, ein kleines Tastenfeld und ein Display. Der Ablauf wird vorher auf der Steuereinheit abgespeichert.

Am Tag des Feuerwerks wird diese nur noch angeschlossen und das System überprüft. Gezündet wird dann über zwei Tasten, eine Sicherheitstaste und die Zündtaste. „Zur Not kann ich es darüber auch abbrechen, aber das musste ich zum Glück noch nie“, verrät Rübl.

Wer sich das Ganze selbst einmal genau anschauen möchte, hat am 31. Dezember um 17 Uhr Gelegenheit. Die Stadt lädt dazu ein, dem Feuerwerker über die Schulter zu schauen. Zuerst gibt es im Sportheim eine theoretische Einführung mit Anschauungsobjekten. Anschließend kann man sich den Aufbau des Feuerwerks von Rübl zeigen und erläutern lassen.

Einen Tipp für alle, die trotzdem lieber selbst zu Silvester böllern möchten, hat Rübl auch: Man sollte lieber Feuerwerksbatterien kaufen, die dürfen mit mehr Schwarzpulver für Effekte gefüllt sein als Raketen. „In so einer Rakete dürfen nur noch 10 Gramm enthalten sein. Unsere 150-Millimeter-Bomben haben etwa 800 Gramm Inhalt.“

Aber eigentlich findet es der Experte besser, sich ein professionelles Feuerwerk anzuschauen. Dabei hat man weniger Stress und kann mehr davon genießen. Und für Neustadt gibt es noch ein ganz besonderes Schmankerl: Als Höhepunkt des Feuerwerks wird eine italienische Zylinderbombe abgefeuert. „So etwas hab‘ ich auch noch nicht oft gesehen. Die ist schon was ganz Besonderes“, kündigt Rübl an.

Die Pläne, nach denen das Feuerwerk eingerichtet wird. Allein drei Seiten sind für die Auflistung und Anordnung der großen Effektbomben.
Christian Rübl mit einer 150-Millimeter-Feuerwerksbombe vor einem Holzgestell für das Feuerwerk. Aus den schwarzen Kunststoffrohren werden die Bomben abgeschossen. Allein in diesem einen Gestell sind acht Rohre für 150-Millimeter-Feuerwerkskörper verbaut und vier Rohre für 100 Millimeter.
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