14.05.2019 - 09:53 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Kaum Chancen im Kampf gegen den Buchsbaumzünsler

In Schwandorf frisst sich der Buchsbaumzünsler durch alle Gärten, in Neustadt/WN noch nicht. Der Tipp der Gartenfachberaterin Dagmar Thimm-Böhringer: Sich rechtzeitig mit dem Schädling befassen, denn "der kommt schlagartig".

Dagmar Thimm-Böhringer, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Neustadt/WN, zeigt eine Alternative zum Buchs: Ilex. Rechts dahinter und links im Bild ist Buchs zu sehen.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Bisher frisst sich die nimmersatte Raupe in der Oberpfalz vor allem durch die Gärten im Kreis Schwandorf und Regensburg. Die Kreise Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach blieben nach Angaben der Landratsämter bis auf Einzelfälle noch verschont. Das muss aber nicht so bleiben. In einem Radius von fünf Kilometern pro Jahr breitet sich der Schädling aus, in Flusstälern gelangt er noch weiter, weiß Dagmar Thimm-Böhringer.

"Fachleute erwarten eine Welle dieses Jahr. Wo das sein wird, wissen wir nicht", sagt die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Neustadt/WN. Schon angekommen ist der Buchsbaumzünsler im Landkreis Schwandorf. "Es gibt ihn überall, aber in unterschiedlicher Intensität", berichtet Franz Pfeffer, Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf. In Naabtal komme er häufiger vor als in höheren Lagen wie rund um Neunburg vorm Wald oder Oberviechtach.

Viele Leute haben Buchs in ihrem Garten oder auf ein Grab gepflanzt. Gerne wird er in Form geschnitten. "Der Buchsbaum ist ein wichtiger Busch", sagt Thimm-Böhringer. Bedroht wird er von einer Pilzinfektion: rot-braune Flecken sind auf den Blättern zu sehen, der Pilz breitet sich von außen nach innen aus.

Raupen des Buchsbaumzünslers bewegen sich in einem Buchsbaum.

Kein Ende des Befalls

Genau andersherum geht der Buchsbaumzünsler vor. 2006 wurde er das erste Mal in Deutschland gemeldet, eingeschleppt durch internationale Baumschulware. Seitdem breitet er sich von Baden-Württemberg über Südbayern Richtung Norden aus. Es hat bisher keine natürlichen Feinde und "kann sich ungestört ausbreiten", erläutert Thimm-Böhringer. "Somit ist kein Ende des Befalls zu erwarten." Inzwischen hat der Zünsler, der ausschließlich Buchsblätter frisst, schon den Kreis Regensburg und Schwandorf befallen.

Die Raupe überwintert in einem Gespinnst zwischen den Blättern. Zwischen März und Mai beginnt sie mit dem Fraß. Das Tier ist etwa fünf Zentimeter lang, gelb-grün bis dunkelgrün und hat eine schwarze Kopfkappe. Wenn es sich verpuppt hat, schlüpft nach einer Woche ein weißer Falter mit schwarzen Rändern an den Flügeln. Dieser lebt neun Tage, fliegt herum und paart sich. "Zur Eiablage geht er ausschließlich auf einen Buchsbaum", weiß die Diplomingenieurin. Nach drei Tagen schlüpfen die Raupen. Die Raupen fressen zehn Wochen. Passt die Temperatur, beschleunigt sich die Verbreitung: Ist es mehr als 20 Grad warm, brauchen die Raupen nur drei Wochen bis zur Verpuppung. So können in einem Jahr bis zu vier Populationen entstehen. "Dadurch vermehrt sich der Buchsbaumzünsler rasen." Die Tiere arbeiten sich vom Inneren des Buschs nach außen vor. Das Schadbild lasse sich deshalb nicht sofort erkennen, so die Gartenfachberaterin. Jüngere Raupen schaben die Blätter ab, ältere fressen sie und die Triebe. "Man sieht nur die Kotkrümel."

Eine Raupe des Buchsbaumzünslers sitzt in einem Buchsbusch und frisst Blätter. Auch die Gespinste zwischen den Ästen sind zu sehen.

Alternativen zum Gift

Wer den Buchsbaumzünsler bekämpfen will, "soll gelassen bleiben". Aus Rücksicht auf Vögel und andere Insekten bittet Thimm-Böhringer darum, kein Gift einzusetzen. "Abzuraten ist von chemischen Insektiziden", sagt sie. Dem stimmt auch Pfefer zu. Denn ihr Einsatz ist nur zwei Mal im Jahr erlaubt, doch damit könnten nicht alle Populationen ausgerottet werden.

Alternativ rät Thimm-Böhringer dazu, im Garten Lebensraum für Nützlinge zu schaffen - Maisen und Spatzen fressen inzwischen die Raupen. Außerdem sollen Gartenbesitzer ihren Buchs regelmäßig kontrollieren, um die erste Population des Zünslers zu entdecken. Wer die Schmetterlinge im Garten sieht, könne Pheromonfallen aufstellen. Zwei Wochen, nachdem die Falter durch den Garten flogen, fressen schon die Raupen. Manche Leute lesen diese dann auf oder packen den Strauch in Plastikfolie ein und warten, bis die Raupen auf den Boden fallen. Für Pfeffer ist das Auflesen der Gespinnste und Raupen jedoch "mühsam und bei größeren Büschen nicht erfolgversprechend". Die "umweltfreundlichste Methode" für Thimm-Böhringer: Buchs mit dem Hochdruckreiniger abspritzen.

Außerdem gibt es biologische Insektizide, die "nicht bienengefährlich und für den Ökolandbau geeignet sind": Teebaumöl, Neemöl oder Mittel mit dem Bakterium Bacillus Thuringiensis. Die letzte Möglichkeit: Rückschnitt oder Entfernung der Pflanzen. Die Gartenfachberaterin rät, die abgeschnittenen Zweige nicht zu kompostieren. Kleine Mengen können in einer Plastiktüte gepackt in den Restmüll. Wer mehr Schnittgut hat, bringt das zur Sammelstelle und weist dort die Mitarbeiter auf den Befall hin. "Der Tipp ist: Sich rechtzeitig mit dem Buchsbaumzünsler zu beschäftigen. Der kommt schlagartig und dann weiß ich nicht, was ich tun soll."

Ilex und Eiben statt Buchs

Wer sich ganz vom Buchs trennt, kann Alternativen pflanzen, zum Beispiel Ilex crenata. Der sieht dem Buchs recht ähnlich, ist aber frostempfindlich. Eine weiter Möglichkeit sind die Eiben Taxus baccata oder Taxus media. Außerdem nennt Thimm-Böhringer Liguster, Lonicera, Berberis oder Ölweide. Pfeffer rät zum Ersatz des Buchs. Was stattdessen im Garten wächst sei Geschmacksfrage. "Jede Pflanze hat auch wieder ihre eigenen Tücken."

Thimm-Böhringers Kollegin Claudia Saller hat im Barockgarten hinter dem Landratsamt Neustadt/WN bereits Ilex an die Ecken der Buchshecken gepflanzt. Wer will, kann ihn sich dort ansehen. Pfeffer: "Der Buchsbaumzünsler ist eine Entwicklung, mit der man sich abfinden muss."

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