22.05.2019 - 15:14 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Kein leichter Weg zum Klimaschutz

Das Kind braucht einen Namen: Der Umweltausschuss beschließt den Einstieg des Landkreises Neustadt/WN in einen Energienutzungsplan. Das ist etwas Ähnliches wie ein Klimaschutzkonzept. Das Ziel ist dasselbe: weniger CO2 in der Atmosphäre.

Ein Weg zu mehr sauberer Energie ist Photovoltaik. Der Umweltausschuss des Kreistags hörte sich dazu Beispiele aus dem Kreis Kulmbach an.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wie ein Klimaschutzkonzept in einem vergleichbaren Gebiet aussehen könnte, stellte den Kreisräten über eine Stunde lang Ingrid Flieger vor. Sie ist Klimaschutzmanagerin des Landkreises Kulmbach. Ihr Konzept ist seit 2008 beschlossen, bereits zehn Jahre vorher begannen jedoch schon die Planungen.

Das Maßnahmenpaket hat es in sich. Der Entwurf ist 197 Seiten stark, dazu kommen 78 Seiten Masterplan. Die Kulmbacher kamen dazu seit 1998 in den Genuss von 80 Prozent Bundesförderung. Das sind 675000 Euro. "Die Antragstellung ist aber nicht ganz einfach", räumt Flieger ein.

Auch die Erfassung der Daten vor Ort stößt an Grenzen, erklärte sie. So könne man den Energieverbrauch von lankreiseigenen Gebäuden erfassen, bei anderen Werten, etwa dem Ausstoß des Autoverkehrs, sei man allerdings auf bundesdeutsche Mittelwerte angewiesen. Ähnliches hatte die Verwaltung des Landkreises Neustadt auch den Grünen-Kreisräten mitgeteilt, die gerne eine CO2-Bilanz des Kreises hätten.

Dennoch: Kulmbach ist durchaus auf einem erfolgversprechenden Weg, erklärte Flieger. So schätzten die Oberfranken den Anteil erneuerbarer Energien 2010 auf 15 Prozent im Jahr 2020, 2019 liegt er bereits bei rund 40 Prozent. Daran haben auch 32 Windräder ihren Anteil. "Windkraft ist seit der Einführung der 10-H-Regelung aber auch bei uns tot", sagte die Expertin. Dafür wächst der Anteil der Photovoltaik am Gesamtstromverbrauch enorm. Kalkuliert waren 9 Prozent bis 2020, im Jahr 2017 waren bereits 27 Prozent erreicht.

Die Einzelmaßnahmen des Konzepts sind vielfältig: Klimaschutz-Newsletter für die Gemeinden, Kulmbacher Energiegespräche, Energiesparkalender für alle Haushalte, Walderlebnistage, eine Mitfahrzentrale, Klimaschutz-Aktionen an Schulen inklusve Qualifizierung von Hausmeistern, Fuhrpark-Analysen, E-Mobilitäts-Aktionstage, Tourenoptimierungen bei der Biotonnen-Abholung und mehr.

Edgar Knobloch (CSU) reißt das alles nicht vom Sitz: "Brauchen wir dazu wirklich ein Klimaschutzkonzept? Wir machen doch das fast alles schon." Klaus Bergmann (Grüne) fragte, ob die Einzelmaßnahmen besser bei den Gemeinden oder beim Landkreis aufgehängt sein sollten. Flieger berichtete, dass die Bürger mit ihren Vorschlägen und Aktionen sich schon zuerst bei den Gemeinden melden, zwecks besserer Koordination sollten die Fäden aber im Landratsamt zusammenlaufen.

Dort hält sich die Begeisterung noch in Grenzen. Kreisbaumeister Werner Kraus berichtete von einer Tagung, wo es um den sogenannten Energienutzungsplan ging. Der enthalte ähnliche Inhalte wie der Klimaschutzplan, sei aber etwas konkreter. Ein weiterer Unterschied: Statt Bundes- gibt es Landesförderung bis zu 70 Prozent, die Online-Antragstellung sei allerdings praktischer. Zu diesem Energienutzungsplan tendiert auch Landrat Andreas Meier. "Ohne anderes auszuschließen, ist der Einstieg über die Landesschiene vielleicht am geeignetsten. Auch Professor Markus Brautsch von der OTH sieht im Energienutzungsplan geeignete Anknüpfungspunkte." Damit konnten sich alle Fraktionen anfreunden. Einstimmig votierten sie für den Energienutzungsplan.

Was noch fehlt, ist ein Kümmerer wie Ingrid Flieger in Kulmbach. Kreisbaumeister Kraus brachte dazu das Energietechnologische Zentrum Nordoberpfalz (ETZ) ins Spiel.

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