19.10.2018 - 11:38 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Wir sind keine Sterbestation"

Bevor im Dezember die Palliativstation nach Weiden umzieht, wird auf dem Felixberg noch einmal gefeiert. Die Einrichtung, die sich nach anfänglicher Skepsis fest etabliert hat, wird zehn Jahre alt.

Weiterbildung wird in der Palliativstation großgeschrieben. Fast alle der überaus engagierten Mitarbeiter haben eine Palliativ-Care-Ausbildung.
von Martin Staffe Kontakt Profil

2008 waren die Vorbehalte gegenüber einer Palliativstation in Neustadt groß. Heute, zehn Jahre später, hat sich dieses Bild gewandelt: Die Bedeutung und Wichtigkeit der Palliativstation der Kliniken Nordoberpfalz AG mit ihrem ganzheitlichen und multiprofessionellen Betreuungsansatz ist tief in der Bevölkerung verankert.

Die ersten Pläne für eine Palliativstation reichen in die 90er Jahre zurück. Nach einer langen, akribischen Vorbereitungsphase durfte das Team um die damalige Leitung Dr. Susanne Kreutzer und Beate Spickenreuther schließlich im Juli 2008 die Palliativstation eröffnen. Das Interesse der Bevölkerung war enorm: Am Tag der offenen Tür machten sich damals schon vor der Fertigstellung rund 3000 Interessierte ein Bild von einer der damals größten Stationen bayernweit.

Auch heute werden am Fuße des Klosters St. Felix Patienten betreut, die an weit fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren und lebensbegrenzenden Erkrankungen leiden. Dazu gehören Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung ebenso wie Patienten mit anderen internistischen oder neurologischen Krankheitsbildern – mehr als 3300 Kranke waren es in den vergangenen zehn Jahren. „Unser Ziel ist, die vorhandenen Beschwerden unserer Patienten mit individuell angepassten Maßnahmen zu lindern. Neben palliativärztlicher und pflegerischer Betreuung gehören dazu auch Physiotherapie, Musik- und Atemtherapie, Seelsorge und vieles mehr“, erklärt Dr. Stephanie Kuchlbauer, die die Station seit Januar 2017 leitet. Zusätzlich zur medizinischen Betreuung ergänzen verschiedene Aktionen den Alltag der Patienten, wie zum Beispiel musikalische Nachmittage mit der Musikschule Neustadt oder die Besuche von Haustieren oder Therapiehunden.

Doch nicht immer ist eine Heilung möglich. Dann geht es darum, den Patienten ein möglichst beschwerdefreies Leben ermöglichen zu können. Doch ein Aufenthalt auf der Palliativstation ist kein Weg ohne Rückkehr, betont Kuchlbauer: „Palliativ heißt nicht, dass ein Patient die Station nicht wieder verlässt. Wir sind keine Sterbestation.“

Über die Jahre hinweg wurde das ohnehin hohe Niveau des ärztlichen und pflegerischen Personals stetig ausgebaut. „Fast alle Mitarbeiter haben eine Palliativ-Care-Ausbildung, hier haben wir fast ein Alleinstellungsmerkmal weit über die Region hinaus. Und auch andere Weiterbildungen werden regelmäßig wahrgenommen“, weiß Kuchlbauer.

Fortbildungen, die – ähnlich wie die damalige Verwirklichung der Palliativstation – aufgrund begrenzter staatlicher Förderung nur mit Hilfe aus der Region umgesetzt werden konnten oder können. Viele Geld- und Sachspenden durch Privatpersonen oder Unternehmen, aber auch der große Rückhalt durch die Kliniken Nordoberpfalz AG und führende Politiker der Region haben der Palliativstation zur heutigen Bedeutung verholfen.

Eine besonders wichtige Rolle kommt hier noch immer dem Förderverein für Schwerkranke zu. „Wir haben in den vergangenen Jahren enorm viel finanzielle Unterstützung durch den Förderverein erhalten, der für unsere Arbeit und den Dienst am Patienten eine der wichtigsten Stützen ist“, betont Beate Spickenreuther, pflegerische Stationsleitung der Palliativstation. „Nur so können wir beispielsweise Aus- und Weiterbildungen zu Musik- oder Atemtherapeuten oder andere große Projekte überhaupt umsetzen.“ Basis dafür ist eine über die Jahre gewachsene Öffentlichkeitsarbeit mit Vorträgen, Schulungen, Unterricht oder Führungen. Zudem ist die Palliativstation in Neustadt eine beliebte Hospitationsstelle für alle medizinische Disziplinen und Hospizbegleiter. Über die Jahre hinweg wurden außerdem unzählige Ärzte zu Palliativmedizinern weitergebildet.

Fast pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum ist wieder einiges in Bewegung. Im Dezember erfolgt der Umzug der Palliativstation der in den Neubau neben dem Klinikum Weiden. „Wir haben dort mehr Platz und können auch unser therapeutisches Spektrum erweitern, unter anderem um Akupunktur, Aromatherapie, Klangschalenmassagen und vieles mehr“, freut sich Chefärztin Kuchlbauer auf die neuen Räumlichkeiten. Auch von dort aus soll die Zusammenarbeit mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, der SAPV Waldnaab, weiter fortgeführt und ausgebaut werden.

Dort, wo die Palliativstation derzeit untergebracht ist, wird dann ein Hospiz einziehen. Zuvor wird aber das zehnjährige Jubiläum gefeiert – im Wissen, einen Leuchtturm der Palliativmedizin geschaffen zu haben, der weit über die Region hinausstrahlt.

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