04.03.2019 - 15:19 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Kinder suchen ein Zuhause

Die gute Nachricht zuerst: Die Jugendhilfekosten galoppieren dem Landkreis nicht mehr davon. Die schlechte: Im Landkreis-Westen fehlt bald ein Domizil für Kinder mit verstärktem Betreuungsbedarf, doch eine Lösung ist nicht in Sicht.

Von außen sieht die Heilpädagogische Tagesstätte der Katholischen Jugendfürsorge in Grafenwöhr gar nicht so wüst aus. Die darin wohnenden neun Jugendlichen müssen aber in spätestens drei Jahren raus aus dem Gebäude.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Das Heim St. Elisabeth aus Windischeschenbach betreibt eine Außenstelle in Grafenwöhr im ehemaligen Pfarrheim. Diese heilpädagogische Tagesstätte ist jedoch so marode, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre saniert werden muss. Bis dahin spätestens müssen die derzeit neun dort untergebrachten Mädchen und Buben eine neue Bleibe finden.

"Wir suchen händeringend", sagt Leiterin Hannelore Haberzett. Benötigt wird ein Gebäude mit 180 bis 200 Quadratmetern im Raum Grafenwöhr, Eschenbach, Pressath. "Die Entscheidung muss heuer noch fallen." Das unausgesprochene Problem dabei: In dieser Gegend wird gerne an US-Amerikaner vermietet, die als potente Zahler gelten, öffentliche Institutionen können dagegen nicht unbegrenzt in die Tasche langen. "Aber wir können Kinder aus einer heilpädagogischen Tagesstätte nicht eine Stunde durch den Landkreis fahren lassen", schildert Jugendamtsleiter Klaus Egelseer das Dilemma. Wer eine passende Immobilie zu vermieten hat, kann sich gerne an ihn (Telefon 09602/792525) oder Hannelore Haberzett (09681/920712) wenden.

Jugendhilfe ist und bleibt eben unkalkulierbar. Im vergangenen Jahr blieben die Ausgaben mit 10,45 Millionen Euro rund 5,3 Prozent unter dem Haushaltsansatz. Ein Grund ist der Rückgang der Zahl unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMAs), der sich 2019 wohl fortsetzen wird. Dafür sanken allerdings die Einnahmen leicht um 8 Prozent. Ursache ist die verzögerte Rückerstattung der UMA-Kosten von anderen Behörden, Städten und Landkreisen.

Für das neue Haushaltsjahr kalkuliert das Kreisjugendamt mit 7,7 Millionen Euro. Das sind 3,3 Prozent mehr als 2018. Dickster Posten ist die stationäre Heimunterbringung mit 3,9 Millionen Euro. Dahinter verbergen sich Tagessätze von durchschnittlich 173 Euro. Der Höchstsatz lag 2018 bei 314 Euro. Ende 2018 lebten 60 Kinder und junge Erwachsene in Einrichtungen auf Kosten des Landkreises. Das sind weniger als in den Vorjahren. So etwas kann sich jedoch schnell ändern, wenn eine Familie oder Alleinerziehende mit betreuungsintensiven Kindern in eine Gemeinde zwischen Eschenbach und Eslarn zieht.

An den Personalkosten ist vor diesem Hintergrund keinesfalls zu drehen, warnte Egelseer die Kreisräte: "Wir haben ohnehin schon Schwierigkeiten, geeignete Leute zu finden. Das liegt an der bekannten Problematik der Bezahlung im sozialen Bereich." Der Jugendamtsleiter hadert dabei mit dem Image seiner Einrichtung als "Kind-Wegnehm-Behörde". Das komme nur in extremen Fällen vor. In der Regel hielten die Mitarbeiter intensiven Kontakt zu Eltern und versuchten Probleme gemeinsam zu lösen. Pro Jahr gelten dem Kreisjugendamt rund 130 Kinder als "gefährdet". Hinter diesem Wort verbirgt sich vor allem Vernachlässigung oder körperliche Gewalt in Familien. Stellvertretender Landrat Albert Nickl appellierte an alle, im Fall von Überforderung oder Beobachtungen, das Jugendamt einzuschalten. "Das ist in Wahrheit eines Kindeswohlbehörde."

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