Neustadt an der Waldnaab
26.06.2018 - 16:30 Uhr

Kita-Plätze immer begehrter

Weniger Fälle, aber mehr Kosten: Der Geschäftsbericht 2017 des Kreisjugendjugendamts beschert interessante Zahlen. Aber nicht alle sind erfreulich.

Kita-Betreuung der unter Dreijährigen NT/AZ
Kita-Betreuung der unter Dreijährigen

(ms) Im Anteil der Heranwachsenden unter 21 Jahren sieht Jugendamtschef Klaus Egelseer die wichtigste Zahl für die Jugendhilfe. Sie sei im vergangenen Jahr auf nur noch 19,8 Prozent gefallen und damit exakt im Bayernschnitt, informierte der Experte den Jugendhilfeausschuss. 2010 betrug sie noch 22,3 Prozent (bayernweit 21,8 Prozent). "Wir bräuchten mehr Jugendliche", klagte Egelseer, der den Werten aber auch etwas Positives abgewinnen konnte: Der Rückgang falle nicht so drastisch aus wie prognostiziert.

Seit 2015 kommen wieder weniger Kinder auf die Welt. Die Geburtenzahlen sanken von 798 auf 760. Im vergangenen Jahr betrug der Rückgang 2,1 Prozent. Hoffnung schöpft der Sozialpädagoge aus der Geburtenziffer. Sie stieg von 1,30 (2015) und 1,35 (2016) auf 1,37. Auch wenn Neustadt damit unter dem Bayernwert von 1,47 liege, ist das für Egelseer ein "guter Trend". Positiv auch, dass mehr Kinder unter sechs Jahren in den Landkreis ziehen als ihn verlassen. Der Saldo beträgt 55. Deutlich geringer ist im Landkreis der Anteil der Mitbürger (4,2 Prozent) mit ausländischer Staatsbürgerschaft als auf Bayernebene (12,1 Prozent).

26,3 Prozent der unter Dreijährigen besuchen eine Kita. Damit liegt Neustadt über dem Bayernwert von 25,3 Prozent. Der Bundeswert beträgt 33,1 Prozent. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sind es sogar 97,3 Prozent (92,3 Prozent in Bayern und 93,6 Prozent in Deutschland). Die Kitas hält Egelseer für eine gute Einrichtung, "wenn die Kinder zu kindgerechten Zeiten untergebracht sind". Die Zahl der Schulanfänger mit Migrationshintergrund stieg seit 2001 um fast 4 auf 9,3 Prozent. In ganz Bayern sind es 24,7 Prozent.

Bei der Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen (3,5 Prozent) liegt Neustadt 0,3 Prozent schlechter als der Freistaat. Über die Armut gibt ein anderer Wert Aufschluss: Sozialgeldbezieher je 1000 der unter 15-Jährigen. Mit 4,9 liegt Neustadt ganz gut. Bayern-Durchschnitt: 6,5.

Das große Sorgenkind sind nach wie vor die vielen Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Mit 7,9 Prozent (Bayern: 10,1 Prozent) ist der Landkreis Schlusslicht in der Oberpfalz. "Dafür gibt es keine schlüssige Erklärung", ist Egelseer ratlos. 2014 lag man noch bei 2,5 Prozent. Landrat Andreas Meier kündigte an, der Landkreis werde das Programm "Bildung integriert" entgegensetzen. Das kommunale Bildungsmanagement soll mehr und bessere Bildung vor Ort schaffen.

Die Zahl der Bearbeitungsfälle für das Jugendamt sank 2017 von 688 auf nur noch 638. Die Kosten liegen bei 6,2 Millionen Euro und damit trotzdem deutlich über dem Vorjahresniveau. Das Verhältnis von stationären Hilfen (Heimaufenthalt) zu ambulanten (die Fachkräfte gehen in die Familie) und teilstationären Hilfen (Aufenthalt in einer heilpädagogischen Tagesstätte) beträgt 50:40:10. 2010 waren noch 68 Prozent der Jugendlichen stationär untergebracht, 18 Prozent brauchten ambulante Hilfen. Je früher die Mitarbeiter helfen, umso mehr können sie bewegen.

In 63 Fällen war eine akute Gefährdung für Kinder und Jugendliche gegeben (2016: 75). Meldeten früher vor allem Nachbarn (60 Prozent) Missstände, gehen inzwischen 16 Prozent der Hinweise anonym ein. Eine wichtige Hilfe seien hier auch die Sozialarbeiter an den Schulen und die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi - Netzwerk frühe Kindheit).

Egelseer bedauerte in dem Zusammenhang, dass das Elternrecht immer noch "sehr hoch angesiedelt ist". Oft bleibe das Recht der Kinder auf der Strecke. "Wenn wir vor Gericht ziehen, wollen wir auch gewinnen, zum Wohle der Kinder."

Für Landrat Andreas Meier ist es erfreulich, dass die Zahl der bearbeiteten Fälle rückläufig ist. Der Erfolg sei nicht zu messen, der Mitteleinsatz gerechtfertigt.

Einmütig segnete das Gremium die von der stellvertretenden Leiterin Christina Gebhard vorgetragenen Änderungen der Vollzeitpflegerichtlinie ab. Dabei geht es vor allem um Beihilfen und Zuschüsse. Hier wird auf Pauschalen umgestellt, die für die Pflegeeltern eine Vereinfachung bei der Abrechnung bringe. Der Jugendhilfeausschuss hofft, dass dadurch die eine oder andere Pflegefamilie gewonnen werden kann.








 
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