15.10.2021 - 11:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Konrad Steiner ist im Landkreis Neustadt/WN der Mann am Schlagzeug

Schlagzeuger sind in Blaskapellen Mangelware. Der trommelnde Nachwuchs entscheidet sich selten für Polka, Walzer und Egerländer Blaskultur. Wie gut, dass es den "Steiner Konrad" gibt. Mit 60 Jahren macht er immer noch Tempo.

Blaskapellen im ganzen Landkreis - und darüber hinaus - können sich auf ihren Schlagzeuger Konrad Steiner verlassen.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Konrad Steiner lernte mit 14 Jahren das Schlagzeugspielen. "Weil ich dachte, da muss ich nicht viel tun und kann in einer Kapelle mitspielen", erinnert sich der 60-Jährige. Da hat er sich wohl getäuscht. Der Mann am Schlagzeug bekam nämlich außerordentlich viel zu tun. Der gebürtige Parksteiner trommelt regelmäßig in vier Musikkapellen und tingelt dafür während der Woche durch den ganzen Landkreis Neustadt/WN.

Der Terminkalender des Musikanten ist prall gefüllt. Selbst Corona macht ihm da mittlerweile keinen dicken Strich mehr durch die Pläne. Es gibt nämlich wieder vereinzelt öffentliche Auftritte von Blaskapellen wie zuletzt bei der Kirchweih in Flossenbürg. Und darüber ist Steiner sehr froh, denn: "Wenn nichts ist, ist es schlimm", gibt der 60-Jährige kurz und bündig zu. Zu sehr liebt er es, fast täglich unterwegs zu sein, um seinen musikalischen Kameraden den Takt vorzugeben. Dienstags übt er mit der Stadtkapelle Neustadt/WN. Freitags wird es eng für den Steiner Konrad, weil die Blaskapellen Flossenbürg, Parkstein und Oberwildenau alle gleichzeitig ihre aktiven Mitglieder zur Probe bitten. "Irgendwie kriegen wir das aber immer hin", erzählt der Trommler.

Genau das richtige Instrument

Nachdem sein Vater Otto und auch sein älterer Bruder Alfons in der Jugendblaskapelle Parkstein als Leiter die musikalische Ausbildung im Ort im Blick hatten, lag auf der Hand, dass auch der jüngere Bruder Konrad ein Instrument lernen musste. Tenorhorn, Bariton oder Posaune, für die sich Alfons entschieden hatte, waren aber nicht seine erste Wahl. "Mit dem Schlagzeug lag ich genau richtig", ist sich der 60-Jährige rückblickend felsenfest sicher. "Es macht einfach Spaß. Ich würde nie ein anderes Instrument lernen." Seine ersten Auftritte hatte Steiner mit der Jugendblaskapelle Parkstein und den Neuhauser Boum, für die er bis 1976 am Schlagzeug saß. Auch wenn er (nach eigenen Angaben) mit dem Tempo manchmal etwas davongaloppiert und ihn seine Mitstreiter wieder einfangen müssen, schmälert das nicht seinen Spaß am Musizieren. "Ja, das passiert schon mal, dass sie sagen 'tu mal langsamer'", schmunzelt er. Steiner kann sich ein Leben ohne sein Schlagzeug kaum vorstellen. Es gibt ihm sehr viel, zumal außer "vielleicht mal etwas Benzingeld" keine Entlohnung auf den Musikanten wartet.

Schnelle Auffassungsgabe

Allein die Musik - am liebsten die der Egerländer - würde Steiner schon reichen, um das Schlagzeugspielen in einer Blaskapelle zu seinem einzigen Hobby zu küren. Aber er nennt noch einen weiteren Grund: "Das Miteinander, die Bekanntschaften und das Gesellschaftliche gehören genauso dazu". Zeit für andere Hobby bliebe auch bei gutem Willen nicht. Steiner, der mit seiner Lebensgefährtin in Wampenhof bei Spielberg wohnt und beim Bauhof der Gemeinde Waldthurn beschäftigt ist, lässt es zu Hause dann ruhiger angehen: "Nein, da übe ich nicht auch noch. Hab' ja gar kein Schlagzeug daheim stehen." Die wöchentlichen Proben müssen also reichen. Und wie der Neustädter Blaskapellen-Chef Karl Wildenauer bestätigt, tun sie das auch: "Der Konrad ist äußerst zuverlässig und hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Er ist einer der Dienstältesten hier in der Kapelle." Tatsächlich trommelt Steiner seit 35 Jahren bei der Stadtkapelle Neustadt/WN.

Die Lobeshymne auf den eher stillen Musikanten hat etliche Strophen: „Auf den Konrad kann ich mich hundertprozentig verlassen“, sagt Kapellenleiter Bernhard Meiler aus Oberwildenau. Auch der Flossenbürger Orchesterchef Franz Völkl ist froh, dass er Steiner in seinen Musikerreihen hat. Die Jugendblaskapelle Parkstein, die sein Bruder Alfons leitet, ist Konrad Steiner besonders ans Herz gewachsen. Das hält ihn aber nicht davon ab, beizeiten in anderen Kapellen auszuhelfen. Sucht die Störnsteiner Blasmusik auf die Schnelle einen Ersatz für ihren Stamm-Schlagzeuger, genügt ein Anruf: „Der Konrad ist oft kurzfristig zur Stelle“, schwärmt Leiter Gerhard Träger. Beim Musikzug Hirschau ist der Mann am Drumset ebenfalls immer wieder vertreten. Für den Kreisverband Neustadt-Weiden des Nordbayerischen Musikbundes lobte erst kürzlich Vorsitzende Gisela Weß sein Engagement. Aufhören wird er wohl noch lange nicht - "oder überhaupt nicht", sagt Konrad Steiner und grinst dazu.

Ehrungen bei der Jugendblaskapelle Parkstein

Parkstein

"Mit dem Schlagzeug lag ich genau richtig. Es macht einfach Spaß. Ich würde nie ein anderes Instrument lernen."

Konrad Steiner

Konrad Steiner

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