Neustadt an der Waldnaab
10.01.2022 - 11:13 Uhr
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Konzertkalender im Landkreis Neustadt/WN wieder gut bestückt

Ob Neuhaus, Tännesberg oder Floß, die Musik für ein Ende der Pandemie-Einschränkungen ist bestellt. Doch ob das Coronavirus den Veranstaltern den Gefallen tut, steht auf einem anderen Blatt. Auch das Publikum zögert noch.

Zehn Jahre zuvor: Bei den Hits der Austro-Popper EAV und Peter Cornelius hielt das Publikum des Oberpfalz-Festivals in Tännesberg Corona noch für einen Fahrradverein. Bild: Hans Prem
Zehn Jahre zuvor: Bei den Hits der Austro-Popper EAV und Peter Cornelius hielt das Publikum des Oberpfalz-Festivals in Tännesberg Corona noch für einen Fahrradverein.

Ganz vorsichtig wagen sich Virologen bereits aus der Deckung: Omikron könnte die letzte Schreckenswelle der Corona-Pandemie gewesen sein, bevor es in die endemische Lage geht, die den Abschied von überlaufenden Intensivstationen und monatelangen Lockdowns bedeutet. Nun ist Optimismus keine wissenschaftliche Basis, von anderer Stelle quillt aber allmählich ein bisschen Vor-Covid-Normalität an die Oberfläche. Konzertveranstalter verspüren mehr Rückenwind als in den Kulturflauten 2020/21. Einige Großereignisse werden bereits fleißig geplant. Wir haben uns umgehört:

Oberpfalz-Festival

Das 15. Oberpfalz-Festival in Tännesberg ist zuletzt zweimal ausgefallen. Nun wollen die Veranstalter vom Förderverein "Volltreffer" es am 2. Juli wissen. Angesagt sind Kim Wilde, DJ Ötzi, Barbari Bavarii, Angiz und die Komödiantin Angela Ascher. "Wir werden es machen. Es ist ein Open Air, und wir haben genügend Platz", ist Alfred Eckl, bei dem die Fäden der Veranstaltung zusammenlaufen, zuversichtlich. Blauäugig ist er nicht. "Wenn es so weitergeht, müssen uns die Künstler bei der Gage entgegenkommen."

Eckls Problem ist, dass die Verträge mit Stars wie Kim Wilde und DJ Ötzi bereits zu einer Zeit abgeschlossen wurden, als Corona nur als Biersorte bekannt war. Doch der Vorverkauf ist in virenverseuchten Zeiten eine Fata Morgana. "Reden Sie mal mit dem Manager von Willy Astor und Hannes Ringlstetter, da geht nix", sagt Eckl. Er wäre froh, wenn das Festival "null auf null" ausgehen würde. Hoffnung macht ihm, dass die Künstler und ihre Agenturen sich bisher sehr kulant gezeigt haben.

Für Eckl selbst ist es wahrscheinlich ohnehin das letzte Oberpfalz-Festival. Ursprünglich hatten es einige Fußballer des TSV Tännesberg ins Leben gerufen, um mit den Einnahmen den Bau eines neuen Sportplatzes mit zu finanzieren. Dieser Platz ist seit zwei Jahren abbezahlt. Eckl hätte nichts dagegen, wenn jetzt Jüngere das Zepter in die Hand nehmen. Trotzdem bleibt sein Traum, dass noch einmal 4000 bis 5000 Menschen bei Sommerwetter miteinander feiern, wie einst zur Begleitmusik der Spider Murphy Gang, von Wolfgang Ambros oder Pur.

Lederer-Scheune

In der Nachbarschaft des TSV Tännesberg liegt die Lederer-Scheune. Vor allem in den ersten Jahreshälften war sie bis 2019 Kulisse für Auftritte von Claudia Koreck bis zu den Dolci Signori. 2022 geht die Pause weiter. "Ich trau mich noch nicht, aber ich könnte buchen, buchen, buchen", sagt Chefin Angela Völkl über das Aussetzen ihrer kleinen Konzertreihe.

Ihre Hallensaison geht von April bis Oktober. In dieser Zeit hat sie jede Menge Hochzeiten angenommen. Die sind so etwas wie das Kerngeschäft der Lederer-Scheune. "Da hab ich Anfragen für drei Jahre im Voraus." Doch 2021 konnten Paare gerade sieben Mal ihre Feier durchziehen. Das ist nicht die einzige Unsicherheit, die über Völkl schwebt, wenn sie ihren Kalender bestückt. Sie nimmt Gesellschaften von 80 bis 140 Personen an. "Und dann haben wir es schon erlebt, dass von 120 Leuten nur 75 zur Hochzeit kommen, weil einige in Quarantäne waren oder so." Gleichwohl muss Völkl das gleiche Personal vorhalten. "Da musstest du oft extrem flexibel sein."

Schafferhof

Schafferhof-Wirt Reinhard Fütterer ist Ähnliches gewohnt. Über 20 Musik-, Theater- oder Kabarettereignisse kündigt er dieses Jahr für Neuhaus an. Doch die ersten Rückzieher bleiben ihm nicht erspart. "Die Sachen im Januar und Februar müssen wir definitiv verschieben." Darunter sind bereits einmal zurückgestellte Konzerte und ein Höhepunkt mit der 80er-Jahre-Ikone Ulla Meinecke. Denn noch ist Omikron nicht entmachtet. Von April bis Oktober soll das Programm aber wie auf der Homepage angekündigt über die Bühne gehen.

Wie Alfred Eckl leidet auch Fütterer unter dem Vorverkaufs-Lockdown. "Das ist zum Teil unterirdisch. Früher haben wir an Weihnachten Hunderte von Tickets verkauft, dieses Jahr höchstens mal zehn." Dafür, warum das so ist, hat Fütterer mehrere Erklärungsversuche. Erstens: "Viele Leute haben noch Karten von Konzerten zu Hause, die x-mal verschoben wurden. Die wollen das erstmal abarbeiten." Zweitens: Die unsichere Lage. "Kann ich denn hingehen, wenn ich jetzt kaufe?" Drittens: "Unser Live-Publikum ist im Schnitt um die 60 Jahre alt. Da haben etliche in der Pandemie Netflix oder Amazon-Prime entdeckt und bleiben daheim." Viertens: "Einige haben Vorerkrankungen und schlicht Angst, sich anzustecken."

O'schnitt-Halle

Etwas leichter tut sich Tom Kreuzer, der die Belegung der Wurzer O'schnitt-Halle managt. "Unser Jahresprogramm ist draußen. Wir haben nur drei Sachen im Vorverkauf." Dazu zählen ein Auftritt der Golden Glitter Band, ein Böhmischer Abend und ein Preisschafkopf. Alles andere laufe über die Abendkasse. Sollte Covid Veranstaltungen unmöglich machen, seien Absagen kein Problem. "Agenturen und Künstler sehen das mittlerweile fast entspannt." Kreuzer und seine Mitstreiter freuen sich aber auch über Alternativen. "Zum Glück haben wir einige Hochzeiten annehmen können."

Flosser Kirwa

Weniger romantisch, sondern eher in der Spielart Oktoberfest oder Mallorca geht es auf der Flosser Kirwa im August zu. Zwei Jahre lag die mehrtägige Kultparty auf Eis. Organisiert wird sie abwechselnd vom Cylinder-Club und vom Burschenverein Floß. Letzterer ist diesmal wieder dran. Vorsitzender Christian Kunz ist bereits mitten in der Planung. "Es ist schon eine komische Stimmung, aber da kann man nichts machen", bleibt er Optimist. Ob die Brauerei oder Bands wie Highline und die Oberpfälzer Spitzboum – vieles spiele sich zwischen alten Bekannten ab. Zum Glück, denn die seien unkompliziert, sagt Kunz. "Wir haben im Vertrag stehen, dass man bis zu sechs Wochen vor Beginn zurückziehen kann." Vielleicht ist das heuer wirklich nicht nötig. Doch eine Kirwa mit 10.000 Besuchern an drei Tagen ist derzeit kaum vorstellbar. Obwohl so etwas in Floß erst vor drei Jahren der Normalfall war.

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Weiden in der Oberpfalz09.12.2021
Hintergrund:

Hier gilt in Bayern die 2G-plus-Regelung

  • Kulturveranstaltungen
  • Laut Vorschlag der Ministerpräsidentenkonferenz ab 15. Januar in der Gastronomie; der bayerische Ministerrat ist skeptisch und will darüber noch einmal am 11. Januar beraten
  • In Sportstätten für Zuschauer und bei ausgeübtem Sport in geschlossenen Räumen
  • Bei Sportveranstaltungen unter freiem Himmel
  • Bei Messen, Tagungen und Ausstellungen
  • In Bädern, Saunen, Fitnessstudios
  • Bei Führungen in geschlossenen Räumen in Schlössern, Schauhöhlen und Besucherbergwerken, Indoorspielplätzen, Spielhallen und -banken und Wettannahmestellen
  • Bei privaten Feiern von Geimpften und Genesenen mit bis zu 10 Personen in Innenräumen oder geschlossenen Gesellschaften in der Gastronomie reicht 2G
  • Quelle: Bayerisches Innenministerium
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