07.11.2018 - 16:52 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Landrat kontra Bürgermeister

Zur Sitzung des Wirtschaftsausschusses war Landrat Andreas Meier verhindert. Er war auf einer Tagung in Sachen Stromtrassen in Bonn. Der Ausschuss hat ihn trotzdem elektrisiert, genauer: Die Kritik seines Parteifreunds Rupert Troppmann.

Andreas Meier ist sauer auf Bürgermeister Rupert Troppmann.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

(phs) Troppmann warf den Wirtschaftsförderern um Leiterin Barbara Mädl vor, es kümmere sich um Sachen, die nicht Kreisangelegenheit oder nicht zu ändern seien, etwa Bildungsmonitoring, digitales Gesundheitsmanagement oder IT-Großveranstaltungen wie einen "Hackathon".

Meier kontert auf seiner Facebook-Seite und hat dabei ebenso wenig wie der Neustädter Bürgermeister Samthandschuhe an: "Um junge, gut ausgebildete Menschen in der Nordoberpfalz und in unserem Landkreis zu halten oder sie nach Ausbildung oder Studium auswärts wieder in die Heimat zurückzuholen, braucht es mehr als adrett (?) gepflasterte Stadt- und Marktplätze und gläserne Brunnen vor den Rathäusern."

Auch andere Sätze strotzen nicht vor Zurückhaltung: "Eine neue, junge, andersdenkende und anders agierende Generation von Kommunalpolitikern (...) übernimmt mehr und mehr die politische Verantwortung. Mit neuen Ideen, geprägt von ganz anderen Einflüssen und aufgewachsen mit völlig anderen gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen. Es ist deshalb nur logische Konsequenz, dass sich damit auch der Stil und die Arbeitsmethodik in den Rathäusern und Behörden ändert - und das ist gut so."

Unausgesprochen platziert Meier Troppmann in eine Reihe mit Horst Seehofer: "Es ist dabei leider - wie man auch an aktuellen Bundes- und Landespolitikern sieht - oftmals die Tragik am Ende eines verdienten und durchaus erfolgreichen Politikerlebens, dass man die Zeichen der Zeit entweder nicht sehen kann, oder sie nicht sehen will. Veränderung macht vielen Angst, ebenso wie die Befürchtung des eigenen vermeintlichen Bedeutungsverlusts. Und so glaubt so mancher Silberrücken, sich nochmals mit allen Mitteln gegen den neuen Revierinhaber beweisen zu müssen, obwohl er (...) in Würde die Arena verlassen könnte." Diese "Platzhirschen" sollten innovative Konzepte und Ideen nicht einfach ablehnen, "nur weil sie nicht auf dem eigenen Mist gewachsen sind oder sie vielleicht auch nicht genau von den speziellen Personen entwickelt und präsentiert werden, bei denen man sie selbst gerne platziert gesehen hätte".

Meier zitiert in seinem vielleicht längsten Facebook-Post seiner Laufbahn in diesem Zusammenhang Bertelsmann-Studie und Prognos-Bericht, "die unserer Region vor nicht einmal fünf Jahren den Niedergang inklusive rapidem Bevölkerungsschwund und wirtschaftlichem Ausbluten vorausgesagt haben. Sie alle hätten ganz bestimmt Recht behalten, wenn wir diese Voraussagen eben tatsächlich als ,nicht zu ändern' hingenommen hätten".

Der Landrat sieht das so: Wenn sich die Oberpfalz mit Dingen beschäftigt hätte, die sie nicht ändern könne, wäre sie "und auch unsere Region heute ganz bestimmt nicht Spitzenreiter in ganz Bayern und die Lokomotive der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung".

Um junge, gut ausgebildete Menschen (...) in unserem Landkreis zu halten oder (...) wieder in die Heimat zurückzuholen, braucht es mehr als adrett (?) gepflasterte Stadt- und Marktplätze und gläserne Brunnen vor den Rathäusern.

Landrat Andreas Meier

Kommentar:

Angemerkt

Sage noch einer, Kommunalpolitik sei langweilig und alle Kreisräte Liebhaber von Harmoniesoße. Wenn schon vieles einstimmig abläuft, machen sich eben zwei lokale CSU-Größen wie Andreas Meier und Rupert Troppmann das Leben schwer. Dahinter steckt ein Generationenkonflikt, der in der Politik und speziell bei den Christsozialen nicht unüblich ist. Man nehme Goppel und Strauß, Seehofer und Söder, Girisch und Rupprecht. Dass der frühere Kreisbeamte Troppmann meint, früher sei es im Landratsamt besser gelaufen, passt da ins Bild. Unschön sind grobe Fouls, etwa seine Bemerkung, dass das Amt Baugenehmigungen nur langsam auf die Reihe bringe. Dass Meier mit der Keule der jungen Generation namens Facebook kontert, ist legitim, speziell dass er sich vor seine Mitarbeiter stellt. Dass er dabei ebenfalls foult und die Projekte des Neustädter Bürgermeisters abwertet, ist indes unnötig.

Friedrich Peterhans

Kreisräte stellen Bildungsprojekte infrage

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Herr Troppmann kommt aus der BTX Generation, Herr Meier kommt bereits aus der IP Generation. Wenn jetzt beide Herren verstehen, dass Stand der Technik heute Real-Time Collaboration, IP Telefonie und Videokonferenzen sind und dieses Verständnis den oberen und obersten Etagen und den eigenen Mitarbeitern und der Bevölkerung gemeinsam vermitteln können, dann ist es geschafft aus NEW ein NEW-Amazon zu machen und eine Diskussion um High-Tech etc. erübrigt sich. Lob spreche ich aus, da der Grundstein der Netzwerkinfrastruktur (Internet) in NEW gut angegangen wird. Tadel ist das mobile Netz (LTE/4G). Bei Erfüllung beider Aufgaben hätte ich dann meine sechsspurige Autobahn. Das VPN dazu, die Engeräte, wie leistungsfähiges Smartphone oder Laptop habe ich. Wie ich das meine? Hier mein Ist-Beispiel mit Aufgabe an beide Herren:
Beantragen Sie mal online aus dem Ausland ein polizeiliches Führungszeugnis. Das geht nicht wegen proprietären Personalausweis und proprietären Lesegerät. Lob: Die VGN in Neustadt kann das beschleunigt beantragen. Tadel: Das Führungszeugnis wird nach VGN Antrag aber nur an die Meldeadresse in Deutschland per Post gesendet.
NEW-Amazon macht die Zukunft und der Arbeitsablauf ist dann der: irgendwann in der Nacht am vierten Sonntag mein Antrag über mein Smartphone via VPN an die VGN. Diese beschafft mir in deren regulären Arbeitszeit mein Führungszeugnis und sendet es an meine hinterlegte Email-Adresse. Die Bezahlung der Dienstleistung erfolgte bereits bei Beantragung mit meiner elektronischen Kreditkarte. Zeitverbrauch: kleiner ein halber Arbeitstag.
Meine Herren, sie haben jetzt eine Aufgabe und keine Zeit für kindlichen Geplänkel. Ihr Zeitfenster dazu ist max. 50 Monate. Danach gehe ich in meine Rente.
Haben Sie davor Ihre Aufgabe erledigt senden Sie mir bitte eine kurze Notiz per Messenger. Ich bin da immer erreichbar, 24/7/365. Danke meine Herren.
So arbeite ich mit dieser Technik jeden Tag und das seit mehr als 30 Jahren, erst in Weiden, dann in NEW und seit vielen Jahren in EMEA. Daheim bin ich in NEW(-Amazon).
Viele Grüsse aus dem Ausland über meinen FTTH Anschluss.
k.m.w

07.11.2018