09.04.2020 - 12:35 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Liebe in Zeiten der Coronakrise: Ein Hochzeitsküsschen mit Mundschutz

Vom Corona-Virus lassen sich Matthias Bösl und Lena Prem nicht aufhalten und sagen im Neustädter Rathaus "Ja" zu ihrer gemeinsamen Zukunft.

Sie haben sich trotz Corona-Krise und Ausgangsbeschränkung getraut und vor dem Standesbeamten Bürgermeister Rupert Troppmann das Ja-Wort gegeben: Matthias und Lena Bösl.
von Hans PremProfil

Nicht nur für das Brautpaar war es ein Ereignis, an das sie sich ihr Leben lang erinnern werden, sondern auch für den Standesbeamten, Bürgermeister Rupert Troppmann. Wegen der Coronapandemie und weil es die letzte Trauung in seiner Amtszeit war.

Frei nach Wilhelm Busch zitierte er im historischen Trauzimmer des Rathauses : "Wenn zwei Leute, die sich mögen, wenn nun diese, sag ich, ihre nötigen Papiere sowie auch die Haushaltssachen endlich mal in Ordnung machen und in Ehren und beizeiten hin zum Standesamte schreiten, wie es denen, welche lieben, vom Gesetze vorgeschrieben. Dann ruft jeder freudiglich: Gott sei Dank, sie haben sich." Den Entschluss von Matthias und Lena bezeichnete er als "positives Zeichen der Zuversicht gegen die allseits herrschende Angst vor den kommenden Wochen". "Wir bräuchten in dieser Zeit mehr solche Beispiele, dass wir auch morgen weiterleben, dass man Pläne für die Zukunft schmieden muss, dass man Träume haben muss und dass man sich freut auf die kommenden Jahre."

Für das Brautpaar war klar, dass es sich trotz Krise und Ausgangsbeschränkung trauen lassen wollte. "Wir wissen ja auch nicht, wie lange die gegenwärtige Situation noch dauert", sagte Lena. Zur Trauung haben sich die Neustädterin und der Mitteldorfer schon vor Monaten angemeldet. Troppmann war auf Wunsch des Paares bereit, die Trauung trotz der derzeitigen Einschränkungen durchzuführen.

Für das Brautpaar war etwas ganz Besonderes und gerade wegen der derzeitigen Situation für immer Unvergessliches. Dass außer den Trauzeugen, ihre beiden Väter, die Verwandten und Freunde nicht dabei sein konnten, schmerzte sie. "Aber wir haben den offiziellen Teil im Standesamt ganz intensiv erlebt", erzählen Matthias und Lena übereinstimmend etwas gedämpft durch den Mundschutz.

Die Freunde und Verwandten hätten ihnen schon etwas gefehlt. Aber die hätten sich trotzdem einige Überraschungen in Form von Videobotschaften oder in Form von in und vor ihrer Wohnung in Wurz abgestellten Überraschungen einfallen lassen. "Gefeiert wird mit Polterabend und kirchlicher Trauung erst im September", erzählte die Braut, die in Weiden Leiterin eines Reisebüro ist. Auch dort herrsche derzeit Krise. Seit drei Jahren ist die Neustädterin mit ihrem Matthias zusammen, seit eineinhalb Jahren wohnt sie mit dem Kaminkehrermeister in einer gemeinsamen Wohnung in Wurz. Dort verbrachte das Brautpaar auch den Rest des Tages ganz alleine für sich, mit Sekt und gutem Essen.

Für den scheidenden Bürgermeister war es einer der letzten offiziellen Akte im Amt. Seine abschließenden Gedanken zum Begriff "Daham" (Daheim) fand er sehr passend, da jeder momentan mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen müsse, als ihm lieb sei. Mit einer Videoeinspielung des Liedes "Ein Festival der Liebe", einem Schlager, der für das Paar eine besondere Bedeutung hat, gesungen vom Neustädter Musiker Christian "Pflaume" Weiß, endete der letzte Trauungsakt des Bürgermeisters, der für die wenigen Beteiligten trotz Sicherheitsabstand und Mundschutz ein ganz besonderes Erlebnis war.

Die Liebe macht auch nicht vor Mund- und Nasenschutz halt. Matthias und Lena Bösl geben sich nach der standesamtlichen Trauung im Neustädter Rathaus einen Kuss.
Zum letzten Mal in Amt und Würden bei einer standesamtlichen Trauung: Bürgermeister Rupert Troppmann.
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