28.03.2019 - 18:40 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mehr Artenschutz, mehr Kritik

Trotz vieler Fördermittel: Mitgliederversammlung des Naturparkvereins verläuft nicht nur harmonisch.

Naturpark-Geschäftsführer Martin Koppmann (Zweiter von rechts) und Vorsitzender Andreas Meier (Zweiter von links) freuen sich, dass Gründungsmitglieder des Vereins weiterhin mitmachen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Mit 268 Mitgliedern ist der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald der größte Naturparkverein in Bayern. Er bekommt mehr Förderung denn je und neue Stellen. Alles in Butter also bei der Mitgliederversammlung im Gasthaus "Weißes Rößl" in Neustadt/WN? Nicht in jedem Bereich.

Ein großes Thema ist das Projekt zum Ausbau der Artenvielfalt in den Naturparkgemeinden. Sie erstrecken sich über den gesamten Landkreis Neustadt und vier im Kreis Tirschenreuth. Was alles möglich ist, skizzierte Biologin Mathilde Müllner. Sie und ihre Mitstreiter hadern mit dem Wort "sauber", wenn es um Garten- und Landschaftspflege geht. Denn "sauber" heiße allzu oft gekappt, gemäht, gemulcht. Das mögen Bienen und anderen Insekten gar nicht. Das Volksbegehren lässt grüßen.

Müllner appellierte vor allem an die zahlreichen anwesenden Bürgermeister, Straßenränder nicht schon im Juli zu mulchen, sondern an Böschungen und Gräben auch mal Blühstreifen stehen zu lassen. Positive Beispiele für solche Blühflächen seien manche Fahrbahnteiler in Weiden oder wuchernde Gräser am Parkplatz vor der Stadthalle in Neustadt.

Trotz dieses Lobs konnte sich Neustadts Rathauschef Rupert Troppmann, der zugleich Chef des bayerischen Gemeindetags auf Kreisebene ist, Kritik nicht verkneifen. "Wir Bürgermeister sind verpflichtet, Straßengräben freizuhalten, damit Wasser abfließen kann und die Straße nicht kaputt geht. Wir sind verantwortlich für die Verkehrssicherung und müssen einfach mal mulchen. Jetzt kommt es so raus, als ob wir schuld sind, dass es keine Schmetterlinge mehr gibt."

Dafür spendeten ihm Kollegen Beifall. Der Konsens war schnell gefunden. Es brauche ein Miteinander von Politik, Naturschutz, Bauern und Privatleuten. Überhaupt tue auch die Landwirtschaft viel für die Natur, unterstrich BBV-Geschäftsführer Hans Winter. Er erinnerte an eine Landfrauen-Aktion für Blühgärten und Blühbalkone. Johann Schneider aus Tännesberg warb für den Weg der Biobauern: "Seit ich das mache, habe ich wieder mehr Gefühl für die Landwirtschaft. Irgendwie macht man das jetzt lieber."

Etliche Komplimente der Versammlung durfte Naturpark-Geschäftsführer Martin Koppmann einstreichen. Alles ehrenamtlich zu stemmen, sei eine enorme Leistung, betonte Kassenprüfer Josef Zilbauer aus Vohenstrauß. Koppmann sei seit 20 Jahren Naturpark-Manager und damit Rekordhalter in der 44-jährigen Geschichte des Vereins. Der Gelobte hat weiterhin viel vor, blickte er voraus. Im Tierpark Gleitsbachtal bei Irchenrieth soll eine Naturparkinfostelle errichtet werden. Man bewerbe sich um ein eigenes Naturparkzentrum, werde ein bis zwei Ranger für Exkursionen und Führungen einstellen sowie ab April eine neue Kraft für Landschaftspflege. Das ist Philipp Glaab aus Weiden. Mehr Förderung bedeute nämlich auch mehr Aufwand, etwa für Verwendungsnachweise von Landesmitteln.

Doch auch Koppmann malte nicht alles in rosigen Farben: "Ich würde mir generell mehr Eigenengagement von manchen Direktvermarktern bei gemeinsamen Naturpark-Veranstaltungen wünschen."

In punkto Engagement grüßten alle den Flosser Fred Lehner, der 32 Jahre mit Joschi Zilbauer die Kasse des Vereins geprüft hatte, in Neustadt aber erkrankt fehlte. Er stellte sein Amt zur Verfügung. Für ihn springt Altbürgermeister Hans Walbrunn aus Pleystein ein. Ein Wermutstropfen in der harmonischen Versammlung war, dass von 25 Gründungsmitgliedern nur 6 vor Ort waren, um sich eine Ehrung abzuholen. Gleichwohl galt allen Dank.

Die Geehrten:

Hermann Bieber, Bartl Bodensteiner, Karl Dobmeier, Josef Federl, Max Fichtl, Josef Fütterer, Josef Gleißner, Thomas Gmelch, Alfons Hösl, Hans Klünner, Alois Lukas, Georg Mages, Leonhard Orttung, Johann Prem, Hans Roßmann, Anton Rupprecht, Johann Schecklmann, Erich Schieder, Norbert Stock, Ludwig Striegl, Otto Strobel, Gerhard Walberer, Heinrich Weig, Hans Winter, Georg Wittmann und Adolf Pöllmann. (phs)

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