20.05.2019 - 10:08 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mehr Mülltonnen, weniger Einwohner

Abfallstatistik des Landkreises Neustadt/WN verrät Interessantes über gesellschaftliche Tendenzen und Konsumgewohnheiten.

Ein auffälliger Trend: Die Wirtschaft boomt, die Löhne steigen, Elektroschrott nimmt zu, weil sich viele mal ein neues Gerät leisten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wie beantrage ich sie? Wann bekomme ich sie? Was darf rein? Was tue ich gegen den Gestank? Die Einführung der Biotonne im Landkreis lief im Herbst 2017 nicht ganz unaufgeregt ab.

Inzwischen ist es um die braune Tonne viel ruhiger geworden, dennoch gibt es Beratungsbedarf, erklärte Karl Ach, der Abfall-Sachgebietsleiter des Landratsamts im Umweltausschuss des Kreistags. War vor der Biotonnen-Einführung zwischen Eslarn und Kirchenthumbach ein Trend zu mehr Eigenkompostierung zu erkennen, um Gebühren zu sparen, schwächt sich dies inzwischen wieder ab.

Das Landratsamt hat 2018 genau 310 zusätzliche Biotonnen (120 und 240 Liter) ausgeliefert. Der Überschuss aus dem Verkauf soll den Bürgern bei den Gebühren im nächsten Kalkulationszeitraum 2021 bis 2023 wieder zugute kommen.

Die Abfallstatistik liefert noch weitere interessante Zahlen: So hat sich die Zahl aller angemeldeten Müllbehälter im Kreis von 1997 bis 2018 um 24,5 Prozent erhöht, von 27 306 Stück auf 33 986. Darin sind die inzwischen 12 559 Biotonnen gar nicht enthalten. Wie passt das mit sinkenden Einwohnerzahlen zusammen? Der Grund liegt vermutlich in mehr Singlehaushalten und kleineren Familien. Damit verbunden ist auch die stärkere Nachfrage nach kleineren Restmülltonnen (60 statt 120 Liter). Das dürfte laut Ach aber auch mit der Einführung der Biotonne und der Erhöhung der Entsorgungsgebühren zu tun haben.

Der Rückgang des gesamten Behältervolumens ist eine gute Nachricht, sagt der Abfallspezialist: "Die höhere Gefäßzahl bedeutet eine höhere Zahl an Gebührenzahlern." Damit würde eine breitere Basis geschaffen und die Gebühren gerechter verteilt.

Der Müll sagt auch einiges über gesellschaftliche Entwicklungen und Konsumgewohnheiten aus. Beispiel Altpapier: Zwar landet in den Containern im Landkreis annähernd die gleiche Menge wie im Jahr 2014, das Gewicht des Papiermülls in den blauen Tonnen sank aber zwischen 2017 und 2018 um 294 Tonnen. Nach Einschätzung von Experten hängt dies damit zusammen, dass weniger schweres Zeitschriftenpapier entsorgt wird und dafür mehr leichte Kartonagen anfallen. Für Letztere sind zum Gutteil Onlineversender wie Amazon und Co. verantwortlich.

Interessant ist der kräftige Anstieg von Elektroschrott. Das zuständige Register erfasst die Daten aus den Containern erst seit 2016. Doch schon jetzt zeigt sich, dass sich die Verbraucher in Zeiten boomender Wirtschaft öfter mal ein neues Handy oder einen Flachbild-Fernseher leisten. In den Containern landeten 2016 noch 508 Tonnen Elektroschrott, 2017 waren es 628 Tonnen und 2018 schon 694 Tonnen.

Weniger gut verwertbar ist der nichtbrennbare Gewerbemüll, sprich Bauschutt. In Zeiten von Bau-Hochkonjunktur legt er unerfreulich stark zu. Von 2017 bis 2018 stieg das Volumen um 41 Prozent auf 3528 Tonnen. Ein Großteil davon landet auf der Deponie Steinmühle.

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