Sanierungsstau in Schulen, fehlender Wohnraum, marode Infrastruktur und die Energiewende: Die Bürgermeister im Landkreis Neustadt/WN stehen vor großen Herausforderungen, und das bei vielerorts knappen Kassen. Dass die Wahlbeteiligung im Landkreis erneut hoch ausfällt, ist als Zeichen des Vertrauens in die hiesige Lokalpolitik zu werten. In Püchersreuth etwa wählten fast 84 Prozent der Wahlberechtigten eine der beiden Bürgermeisterkandidatinnen. Angesichts immer aggressiverer Anfeindungen gegenüber Lokalpolitikern – wie sie jüngst der linke Landratskandidat Simon Escher-Herzog über sich ergehen lassen musste – kann man es nicht genug wertschätzen, dass sich Menschen für ein politisches, oft ehrenamtlich ausgeführtes Amt bewerben.
In vier Orten im Landkreis endet eine Ära: In Waldthurn, Eslarn, Vohenstrauß und Pleystein traten langjährige Bürgermeister nicht mehr an. Während in Waldthurn und Vohenstrauß allerdings weiterhin CSU-Bürgermeister an der Spitze stehen, ist Eslarn künftig nicht mehr in SPD-, sondern in CSU-Hand. In Pleystein ist das Endergebnis noch offen: Hier werden sich der CSU- und der SPD-Kandidat in zwei Wochen eine Stichwahl liefern.
Die meisten Wähler im Landkreis trauen am ehesten CSU-Bürgermeistern zu, die Herausforderungen vor Ort zu meistern. Ob die CSU allerdings bei der Bürgermeisterwahl zu den großen Gewinnern des Abends zählt, muss sich erst noch zeigen. Zwar eroberte beispielsweise Thomas Kleber (CSU) in Eslarn trotz drei Gegenkandidaten bereits im ersten Wahlgang den Bürgermeisterposten, insgesamt stellt die CSU Stand Sonntagabend aber künftig mit 25 Bürgermeistern (1 davon von der CSU-ÜW) nur 2 mehr als bisher. Allerdings gehen drei CSU-Kandidaten noch in die Stichwahl.
Zu den Gewinnern kann man die Frauen zählen, auch wenn dafür einiges an Wohlwollen nötig ist, denn es gab insgesamt elf Kandidatinnen: Mindestens drei erste Bürgermeisterinnen wird es künftig im Landkreis geben (bisher war es eine). Vielleicht werden es sogar vier Frauen sein, je nachdem, wie die Stichwahl in Neustadt ausgeht. Denn hier lieferten sich der amtierende Bürgermeister Sebastian Giering (SPD; 43,6 Prozent) und Tanja Kippes (CSU; 42,3 Prozent) ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das noch nicht entschieden ist.
Zu den Verlierern des Abends gehört die SPD. Sie wird künftig selbst dann weniger Bürgermeister stellen, wenn ihre Kandidaten die Stichwahl in Neustadt/WN und Pleystein gewinnen sollten. Mindestens einen, möglicherweise sogar drei Bürgermeistersessel werden von ihr künftig weniger besetzt sein als zuvor.















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