15.11.2019 - 17:43 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mensch und Maschine verschmelzen

Zukunftsforscher Roland Zehmeister blickt beim Wirtschaftsempfang der Landkreises Neustadt 30 Jahre voraus

Landrat Andreas Meier übergibt beim Wirtschaftsempfang des Landkreises Neustadt 1000 Euro an die Musikschule im Vier-Städte-Dreieck an Bürgermeister Edgar Knobloch (links) und Joachim Steppert (Mitte).
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

„Mir fallen täglich zehn Dinge ein, die man verbessern müsste“, betont Ronald Zehmeister. Der Diplom-Psychologe arbeitet in der IT-Branche – und betätigt sich hauptsächlich als Zukunftsforscher. In dieser Eigenschaft tritt er beim Wirtschaftsempfang des Landkreises Neustadt/WN auf. Und dort versucht er in einer Zeitreise, 30 Jahre voraus zu denken.

Er erzählt von den zehn großen „Megatrends“ , die seit Jahrzehnten die Gesellschaft prägen, sie aber auch ständig verändern. Sie müssten in die Zukunft gedacht werden. Die Menschen, ihr „Mindset“, also ihr Weltbild, ihre Mentalität, ihre Wertesysteme und Gepflogenheiten veränderten sich und damit die Gesellschaft. Dieser „Mindset“ sei der eigentliche Dreh- und Angelpunkt, sei zwar festgelegt durch Prägung, aber auch durchaus veränderbar. Diese Fähigkeit zur Veränderung werde eine der Schlüsselqualifikationen der Zukunft sein.

Einer dieser Megatrends (neben Frauenrechten, ökologischer Wandel) ist zum Beispiel die Individualisierung der Menschen. Im Berufsleben etwa genügten nicht mehr nur Anerkennung und Wertschätzung, sondern erfordere die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Dafür stehe auch die neue Arbeitwelt („New-Work“). Der Trend zur „Selbstinszenierung des Einzelnen“ (ausgehend von den sozialen Medien) werde sich weiter verstärken. Die Mittelschicht verfalle in eine alte und neue gesellschaftliche Mittelklasse, aber auch in eine Unterklasse. „Die alten gemeinsamen Bezugspunkte gehen verloren.“

Der Psychologe Zehmeister forderte von den Unternehmern vertiefte psychologische Kenntnisse im Umgang mit dem Personal. Die Arbeitgeber-Attraktivität werde von der Unternehmenskultur geprägt. „Stimmt die nicht, helfen auch keine Hochglanz-Broschüren.“

Eine der Schlüsselrollen spiele die künstliche Intelligenz, die auch den Menschen selbst besser mache. In wenigen Jahrzehnten könne sich jeder mit Maschinen unterhalten – „auch sehr emotional“. Gedankengesteuerte Maschinen („nicht nur in der Prothetik“) seien wohl ebenso normal wie ein Hirnschrittmacher. Zehmeister spricht sogar von der Verschmelzung von Mensch und Maschine. „Das Hirn verändert sich, wenn sich die Gedanken ändern.“ Die „Generation 60plus“, die noch eine lange aktive Lebensphase vor sich habe, werde eine völlig neue Rolle spielen: „Sie werden mit vielen erfolgreichen Start-Ups überraschen."

Zukunftsforscher Ronald Zehmeister in der Stadthalle Neustadt beim Wirtschaftsempfang des Landkreises.

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