12.09.2019 - 10:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neustadt/WN und Bad Füssing trauern um Angelika Zwick

Dr. med. Angelika Zwick starb am Montag mit 94 Jahren in Bad Füssing, wo sie eine hochgeschätzte Persönlichkeit war. Kaum bekannt ist, dass die Ex-Ehefrau des umstrittenen "Bäderkönigs" Eduard Zwick eine gebürtige Neustädterin ist.

Angelika Zwick hat gewaltigen Anteil daran, dass die niederbayerische Gemeinde Füssing sich heute Bad Füssing nennen darf. Dort trauern viele um die gebürtige Neustädterin.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Ihren 90. Geburtstag feierte noch FDP-Chef Christian Lindner mit, ihren Tod betrauert unter anderem der Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Georg Gänswein. Sie stammt aus dem Hause Eisen-Grader, das ihr Vater und ihr Bruder, beide heißen Josef, aufgebaut haben.

Ihrer Heimatstadt kehrte sie allerdings schon in der Jugend den Rücken. Nach Internat und Abitur in Amberg studierte Angelika Grader in Würzburg Medizin. Dort lernte sie ihren Mann kennen, einen deutsch-rumänischen Mediziner. Beide haben maßgeblichen Anteil daran, dass der Kurort Bad Füssing zu dem wurde, was er heute ist.

Im Gegensatz zu Angelika geriet Eduard Zwick aber in den 1990er Jahren in negative Schlagzeilen. Der Freund von Franz-Josef Strauß hat mit Thermen und Rehazentren prächtig verdient. Spiegel-Online spricht von einem " heute weitgehend verschollenen Familienvermögen von 300 Millionen Mark". Allerdings weigerte sich Zwick beharrlich, Steuern zu zahlen. Als der Fiskus von ihm 41 Millionen Mark fordert, setzt sich das Ehepaar 1982 in die Schweiz ab.

Später kam es zu einer Niederschlagung der Steuerschuld durch das bayerische Finanzministerium mit Gerold Tandler an der Spitze. Diese Anordnung kostete ihm die Karriere. Ausbaden durfte die Affäre vor allem Sohn Johannes Zwick, nachdem die Behörden nicht an Zwick senior, der 1998 starb, herankamen. Johannes wurde vor Gericht allerdings freigesprochen.

Angelika Zwick hat unter all dem offenbar gelitten. Sie ließ sich scheiden. Der Neustädter Teil der Familie erfuhr davon eher zufällig. Bei der Beerdigung ihres Bruders 2003 in der Kreisstadt erzählte sie ihren Nichten Margot Grader-Sura und Manuela Grader-Kuhlemann von der Trennung.

Seitdem verbrachte sie auch wieder mehr Zeit in ihrem geliebten Bad Füssing. "In Neustadt war sie nur ab und an Weihnachten und bei Beerdigungen", erinnert sich Margot Grader-Sura an die reiche Tante, die sie als "immer volksnah und nie abgehoben" in Erinnerung behält.

Dass die Verbindung in die Kreisstadt allmählich nachließ, lag auch daran, dass Angelikas Mutter bereits 1952 und ihr Vater 1981 starben. "Aber wenn jemand zu ihr kam, war er immer willkommen", sagt Grader-Sura, die von einer Ranch in den USA und einem Haus an der Côte d'Azur weiß.

An den 90. Geburtstag der Tante hat sie noch gute Erinnerungen. Gefeiert wurde mit rund 200 Gästen im "Franziskaner" in München. "Da waren bekannte Politiker aus allen Parteien dabei. Und die Ehepaare mussten getrennt sitzen. Die Tante wollte, dass sich im Gespräch die Leute kennenlernen."

Lust auf Neues lag Angelika Zwick wohl im Blut. Mit 30 Jahren ging sie 1955 mit ihrem Mann und der anderthalbjährigen Tochter Luitgard nach Sumatra. Sie arbeitete dort fünf Jahre als Tropenärztin für die Weltgesundheitsorganisation. In dieser Zeit kam auch Sohn Johannes zur Welt, der seit 1982 das Unternehmen als Aufsichtsratsvorsitzender führt.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hat das Ärztepaar 1959 in Bad Füssing das erste Sanatorium der Kommune erbaut, 1964 die Johannesquelle gebohrt und 1969 das erste Rehabilitations- und Therapiezentrum Bad Füssings eröffnet - der Grundstein für den Aufschwung des Kurorts. Die daraus hervorgegangene Johannesbad-Gruppe beschäftigt heute rund 2000 Menschen in Thermen, Hotels und Fachkliniken.

"Angelika Zwick war ihrer Zeit voraus - sie war eine Pionierin im Gesundheitswesen", sagt York Dhein, der Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens. Die Gründerin lebte zuletzt in der Nähe ihres Sohnes in der Schweiz. Sie galt als eingefleischter Familienmensch. "Ich habe sie immer als die Uhren schenkende Großtante in Erinnerung", sagt Adrian Kuhlemann aus Neustadt.

Angelikas Tochter Luitgard Kim war laut Passauer Neuer Presse zuletzt wochenlang an ihrem Krankenbett und umsorgte die Mutter, die immer noch gerne ärztliche Ratschläge in eigener Sache gegeben habe. Am Montagmorgen sei die Seniorin friedlich eingeschlafen.

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