25.09.2019 - 10:18 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neustädter betreibt Fußballakademie in Äthiopien

Tobias Seitz aus Neustadt/WN hat es sich in den Kopf gesetzt, Kinder in Äthiopien von der Straße zu holen und mit Fußball zu erreichen. Dazu gründete er eine Fußballakademie, in der er 100 Kinder und Jugendliche betreut.

Franz Witt (rechts) und Tobias Seitz kennen sich seit vielen Jahren, als Seitz noch Zivi bei der AWO in Neustadt war. Beim Siedlerfest sprachen sie über die Fußballakademie in Äthiopien.
von Hans PremProfil

Wie kommt ein Neustädter dazu, in Äthiopien eine Fußballakademie zu gründen, wird Tobias Seitz häufig gefragt. „Ich habe vor sieben Jahren mit meinem Bruder Florian Urlaub in Äthiopien verbracht und bin dort wegen der Liebe hängen geblieben“, erzählt Seitz am Rande des „1-Euro-Fests“ der Neustädter Siedler. Die Glückliche heißt Ruth Atleio. Sie arbeitete damals in einer Massagepraxis in der Nähe der heißen Quellen von Wondo Genet. Seitz blieb.

Das Paar nahm sich dann eine Wohnung in der 120 000-Einwohner-Stadt Shashemene. Der 38-Jährige sah das Leben der Kinder und Jugendlichen in seinem Viertel und kam auf die Idee, zumindest einige davon von der Straße zu holen und mit Fußball zu begeistern. „Mit Fußball erreichst du Herz und Kopf und kannst den Charakter und den Teamgeist formen“, ist sich der Neustädter sicher. Er gründete eine Fußballakademie und lud die Kinder zum Training ein. Trainiert und gespielt wird auf Sportplätzen, die zu Schulen gehören. „Es sind Sandplätze ohne jeden Luxus“. Luxus sind die äthiopischen Kinder sowieso nicht gewöhnt.

Auf Sponsorensuche

An das Leben in dem afrikanischen Land musste Seitz sich schon gewöhnen. Aber: „Man erfährt dort Gastfreundschaft ohne Ende“. Da der Oberpfälzer immer nur eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis erhält und kein Arbeitsvisum hat, kehrt er immer wieder nach Deutschland zurück, um Geld zu verdienen und auch Sponsoren für sein Sozialprojekt zu gewinnen. Vor drei Jahren hat ihm die deutsche Botschaft in Addis Abeba die Erteilung eines solchen Visums verweigert, weil sie ihm die Geschichte mit seiner Lebenspartnerin nicht abgenommen haben.

2. Äthiopien-Cup in Windischeschenbach

„Die Akademie ist mein Lebensinhalt“, schwärmt er. Seitz investiert einen Großteil seines Einkommens in die Fußballschule. Mittlerweile trainieren 100 Kinder an fünf Tagen in der Woche in den Altersklassen unter 10, 12, 15 und 17 Jahren. Sein Ziel sei es, Talente, die zweifelsohne vorhanden sind, zu fördern und sie charakterlich zu formen. Sein Traum: Eine richtige Schule oder Universität mit Campus zu errichten, auf dem die Kinder leben können und dort „ready for international“ gemacht werden.

Um seinen Traum zu verwirklichen, begibt sich der Neustädter in Deutschland auf Sponsorensuche. Unterstützt wird sein Projekt von der SpVgg Windischeschenbach als Patenverein. In Windischeschenbach findet am 7. Dezember auch der 2. Äthiopien-Cup zugunsten seines Projekts statt.

Anerkennung hat Tobias Seitz bereits vom äthiopischen Staat erhalten. Auch im kürzlich vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder eröffneten Haus in Äthiopiens Hauptstadt hat er sich bereits vorgestellt. Seitz hofft auch, von der UEFA Unterstützung zu bekommen. Bis über Weihnachten bleibt er erst einmal in der Kreisstadt bei seiner Familie.

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