27.06.2019 - 10:21 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Pfarrei in Uganda so groß wie der Landkreis Neustadt/WN

Fast drei Jahre ist Pater Stanislaus nun schon in Afrika. Zum Ugandafest am Wochenende kehrt der Missionar für einige Tage auf den Felixberg zurück. Vorab berichtet er von seiner Arbeit in dem ostafrikanischen Land.

Das große Krankenhaus in Matugga, das auch mit erheblicher finanzieller Unterstützung aus dem Raum Neustadt/Weiden gebaut wurde, nimmt noch heuer den Betrieb auf.
von Martin Staffe Kontakt Profil

Im Sommer 2016 tauschte Pater Stanislaus seinen schwarzen Habit gegen die graue Missionskutte. Der beliebte Franziskaner-Minorit verließ nach 16 Jahren als Guardian von St. Felix die Oberpfalz und ging auf Wunsch des Ordensoberen nach Uganda. Das ostafrikanische Land gehört zu den ärmsten auf der Welt.

Der Ordensmann, der schon immer Missionar werden wollte, wusste von vielen Besuchen in Uganda, was auf ihn zukommen wird. Schließlich hat er von Neustadt aus wesentlich zum Aufbau von drei Missionsstationen beigetragen. In einer Mail an Oberpfalz-Medien zieht er eine Zwischenbilanz:

"Ich durfte reichlich Erfahrungen sammeln: erst in Munyonyo, dann in Matugga und nun seit gut anderthalb Jahren in Kakooge. Kakooge ist unsere erste franziskanische Niederlassung (2001) in Uganda, und mit Kakooge hat auch die Geschichte der Ugandafeste angefangen. Als Pfarrer betreue ich 14 Filialkapellen (subparishes), um die sich wiederum 3 bis 4 Dörfer scharen. Flächenmäßig entspricht die Pfarrei Kakooge etwa dem Landkreis Neustadt. Allerdings ist die Zahl der Katholiken nicht so hoch. In Kakooge selbst sind es zirka 2000, in den Filialen wesentlich weniger: von 500 in der größten bis 15 in der allerkleinsten. Einmal in Monat feiern wir (2 Patres, mittlerweile sind wir manchmal sogar 3) in jeder Filialkapelle eine Sonntagsmesse, in der fast immer einige Kinder getauft werden. Vor der Messe hören wir Beichte, je nach Zahl der Gläubigen dauert es bis zu einer Stunde. Nach dem Gottesdienst ein wenig Small Talk - Austausch von Informationen, Erinnerung an wichtige Termine in der Pfarrgemeinde, und so weiter. Dann geht es (mit ordentlicher Verspätung) zu der nächsten subparish, wo bereits eine lange Menschenschlange der Beichtwilligen freudig und sehr geduldig auf den Pater wartet.

Schon drei Schulen

Es gibt allerdings, wie überall, nicht nur Sonntage in Kakooge, sondern auch ganz normale, alltägliche Sorgen und Freuden. Dazu ist es unser Bemühen, den Menschen nicht nur die Frohe Botschaft zu verkünden, sondern ihnen konkret zur Seite zu stehen und in Schwierigkeiten zu helfen.

Bereits bei der Gründung der Mission in Kakooge haben wir uns dabei auf zwei Grundthemen konzentriert: Gesundheitsfürsorge und Schulbildung. So haben wir im Laufe der vergangenen 18 Jahre drei Schulen gebaut: eine Grundschule mit 1200 Kindern, die zu den 10 besten in Uganda gehört, ein Gymnasium für 250 Mädchen und ein Berufsbildungszentrum mit 170 Jugendlichen.

Dazu kommen unsere seit 2008 gut funktionierende Krankenstation in Kakooge und ein ganz neues, großes Krankenhaus in Matugga, das in den nächsten Monaten seinen Betrieb aufnehmen wird.

All das geschah mit großer Unterstützung aus dem Umfeld von St. Felix. Darüber hinaus gibt es Schulpatenschaften für 600 Kinder. Diese ermöglichen den jungen Einheimischen eine gute Schulbildung (in Einzelfällen sogar mit Universitätsstudium). Die Oberpfälzer sind mit 180 Patenschaften Spitzenreiter. Angefangen hat es 2002 mit 9 Kindern und 9 Paten rund um den Felixberg.

Vor Ostern haben wir eine kleine, aber effektive Solaranlage für die Kirche und Pfarrräume installiert, im Laufe des Jahres einige der Kapellen restauriert. Hinzu kommen aber auch unzählige kleine Hilfen für Familien und Einzelne, für Kinder und Ältere. Da wurde einem Jungen, den eine Schlange gebissen hatte, der Arztbesuch ermöglicht und ihm vermutlich das Bein gerettet, ein neues Haus für einen alten Mann gebaut oder einer alleinstehender Mutter Starthilfe für einen Verkaufsstand gegeben.

Jede Woche wartet etwas Neues, immer wieder neue Not, neue Herausforderungen - das Leben ist alles andere als eintönig. Denn es gibt viel Freude, viel Herzlichkeit und Dankbarkeit, auch wenn's nur ein Ei oder eine Mango ist, viel Hoffnung und Zuversicht und immer wieder neue Stärkung im Glauben. Gerade in diesen Tagen haben die Mütter der Kinder, die im Patenschaftsprogramm sind, angefangen, den Platz vor der Kirche in Kakooge zu ordnen, Wege anzulegen und Blumen zu pflanzen. Es wird ein schöner Kirchplatz werden. So zeigen die Einheimischen ihre Dankbarkeit und geben die Güte zurück, die sie und ihre Kinder empfangen durften.

Uganda live

Ich möchte all die Herzlichkeit und Dankbarkeit weitergeben: an alle, die unserer Uganda-Mission nahestehen und sie unterstützen. Jeder Euro zählt. Herzliches Vergelt's Gott dafür.

Sehr gerne nutze ich auch die Gelegenheit, mich für die mehr als nur freundliche Unterstützung unserer Zeitung "Der neue Tag" zu bedanken. Seit ich die Aktion Ugandahilfe an St. Felix gestartet habe, ist "Der neue Tag" dabei - immer offen für die Neuigkeiten aus Uganda und bereit, die Informationen und neue Ideen in die Oberpfalz weiter zu tragen. Weebale nnyo!!! - herzlichsten Dank dafür!

"Nsanyuse nnyo okubalaba! - Lange nicht gesehen!" So heißt es in Luganda. So Gott will sehen wir uns beim Ugandafest in wenigen Tagen wieder. Und ein Gast, eine nette Dame aus Uganda, wird voraussichtlich dabei sein. Freut euch also alle auf ,Uganda live' am Felixberg!"

Christin Marble mit der Matugga-Schärpe begleitet Pater Stanislaus zum Ugandafest nach Neustadt. Die Familie des Franziskaner-Minoriten hat die junge Frau nach Polen eingeladen.
Essen, trinken und spenden für die schwerkranke Esther:

Der Erlös des Ugandafests ist heuer für Esther Nandyose bestimmt. Die 21-Jährige ist seit Januar an Hepatitis (B+) erkrankt, und seitdem kämpfen die Ärzte um ihr Leben.

Pater Stanislaus kennt Esther schon seit 13 Jahren. Damals starben kurz hintereinander ihre Eltern im Alter von 23 beziehungsweise 26 Jahren. So wurde die besonders Begabte 2006 in das Schulpatenschaft-Projekt der Missionsstation aufgenommen. Das Abitur schaffte sie als Beste im Distrikt Nakasongola (flächenmäßig vergleichbar mit der Oberpfalz). Dank einer großherzigen Spende aus Neustadt durfte sie in der Hauptstadt Kampala das Jurastudium beginnen. Bei der Vergabe der Studienplätze erreichte sie unter den mehr als 2000 Kandidaten aus dem ganzen Land den 19. Platz.

Seit zwei Jahren studiert sie mit großen Erfolg auch noch Betriebswirtschaft. Zudem ist sie sozial und politisch aktiv. Sie kümmert sich um die Straßenkinder in ihrer Umgebung, adoptierte ein Waisenkind, will sich von Studenten ins Parlament wählen lassen, um gegen die Armut und Korruption im Land zu kämpfen. „Sie will einfach die Beste sein“, berichtet Pater Stanislaus. „Esther will in ihrem Land etwas bewegen.“

Und nun ist seit einem halben Jahr schwer krank. Bei einer Blitz-Spenden-Aktion und mit Unterstützung vom Kloster St. Felix sowie einem großherzigen Spender aus der Region kamen 10 000 Euro für die sehr teure, aber lebensrettende Therapie zusammen. Auch in Uganda helfen Freunde, Nachbarn und Mitstudenten nach Kräften. Sie kümmern sich um die Adoptivtochter Precious und sammeln Geld.

Allerdings dauert die Hepatitis-Behandlung viele Monate. Wenn Esther kein Geld hat, wird die Therapie eingestellt. So ist das Gesundheitssystem in Uganda. Es gibt keine Krankenkassen oder Versicherungen. Wer nicht zahlen kann, wird nicht behandelt. Für die meisten Menschen kommt die Hepatitis-Diagnose einem Todesurteil gleich.

Die Franziskaner-Minoriten unterhalten zwar eine eigene Krankenstation in Kakooge, erbaut mit Hilfe aus der Oberpfalz, vor allem von der Familie Winkler in Parkstein. Allerdings ist diese Einrichtung nicht vergleichbar mit dem Klinikum in Weiden und nicht eingerichtet für die Behandlung von Hepatitis. Auch ist es Hepatitis-Kranken nicht erlaubt, in die EU einzureisen.

Gerade in diesen Tagen, Mitte Juli, geht die erste, mit den bisherigen Spenden finanzierte Therapiephase zu Ende. Esther befindet sich zwar mittlerweile laut ihrer Ärzte außer Lebensgefahr, aber ihr Gesundheitszustand ist immer noch sehr instabil. Es muss also davon ausgegangen werden, dass sie auch in den nächsten Monaten auf Hilfe aus der Oberpfalz angewiesen bleibt.

„Um Esthers Leben zu retten und ihr die Behandlung zu ermöglichen, brauchen wir Geld, und das nicht zu knapp“, weiß Pater Stanislaus. Mit seinem Nachfolger im Kloster St. Felix und dem Uganda-Kreis kam er überein, den Erlös des Ugandafests 2019 für Esther zu verwenden, in der Hoffnung, ein Leben retten zu können. Eine Garantie, dass es Esther schafft, gibt niemand. „Nicht alles ist in unserem Leben machbar. Aber, was wir tun können, lasst uns tun: Wir können helfen, und wir können beten“, bittet der Missionar weiter um Unterstützung.

Die an Hepatitis B erkrankte Esther und ihre Adoptivtochter Precious.
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