Der Wachtelkönig steht in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als „stark gefährdet“ und gilt als vom Aussterben bedroht. Dass die Art in den Waldnaab-Auen noch vorkommt, galt zwar als einigermaßen sicher, die Naturschutzbehörden hatten sie zumindest auf dem Schirm. Die dortigen Wiesenflächen werden von den Landwirten wegen dieser und anderer Arten schon länger nach dem Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) mit entsprechend später Mahd bewirtschaftet.
Nachweis dank Hobbyornithologin
Zuverlässig auf einer konkreten Fläche ausgemacht hat den Wachtelkönig aber jetzt erst die Hobbyornithologin Susanne Götte aus Weiden. Sie hatte immer wieder einmal gehört, es könne einen Wachtelkönig dort geben, sicher war sich aber niemand. Götte wollte es als ehrenamtliche Kartiererin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) genau wissen, setzte sich aufs Fahrrad und hörte sich um in den Waldnaab-Auen. Und sie landete einen Volltreffer, kaum dass sie dort angekommen war. Sie wollte es selbst kaum glauben, sagt sie, aber der Ruf des Männchens sei unverwechselbar. Zweimal hintereinander ein knarrendes Geräusch, das der Vogel in der Paarungszeit stundenlang wiederholen kann. Ein Ruf, der ihm im Volksmund Namen wie „Wiesenknarre“ oder „Grasrätsche“ eingetragen hat. Kein anmutiger Gesang, aber unverwechselbar.
Inzwischen haben auch der Biodiversitätsberater des Landkreises, Philipp Thor, und der stellvertretende Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Martin Kraus, den Wachtelkönig dort gehört und zusammen mit Götte die Fläche abgegrenzt, in der sie ihn vermuten. Um den Wiesenbrüter in den Waldnaab-Auen zu halten, wurde in aller Eile ein nicht ganz zwei Hektar großes Teilstück einer Wiese festgelegt, das bis September nicht gemäht werden soll.
Landwirt sagt kurzfristig Ja
Die Wiese gehört dem Püchersreuther Landwirt Gerhard Adam; er hätte im Juli mähen dürfen, hat sich aber auf Bitte des Landratsamtes kurzfristig bereiterklärt, damit bis September zu warten, um ein mögliches Nest des Wachtelkönigs nicht zu gefährden. Für Adam wird das trotz eines gewissen finanziellen Ausgleichs für solche besonderen Kleinstmaßnahmen eigenen Worten zufolge ein Draufzahlgeschäft, denn er kann den Wiesenschnitt im September nicht mehr als Heu verwerten, muss sich aber trotzdem darum kümmern, muss es kompostieren und wieder auf Flächen ausbringen.
Nickl: "Muss sich entwickeln"
Thor spricht bei einem Vor-Ort-Termin von einem „enormen Entgegenkommen“ des Landwirts, vor allem auch deshalb, weil man mit solchen Bitten immer nur sehr kurzfristig auf die Landwirte zukommen könne, derlei also für die Bauern nicht planbar sei. Der stellvertretende Landrat Albert Nickl bescheinigt Adam eine „besondere Liebe zur Heimat und zur Natur“. Nickl lobt das dahingehende Engagement einer zunehmend größeren Zahl von Landwirten; das sei ein Prozess, der sich entwickeln müsse, es gehe immer auch um die wirtschaftliche Existenz der Bauern.
Götte bezeichnet den Nachweis des Vogels als „riesengroßes Glück“, der Wachtelkönig sei inzwischen wirklich extrem selten.
Der Wachtelkönig (Crex crex)
- Seine Beine sind relativ lang, seine Figur ist schlank mit langem Hals. Das Gefieder ist an der Oberseite braun und schwarz gemustert, die Flanken sind braun mit weißer Querbänderung
- Der Wachtelkönig gehört nicht zu den Hühnervögeln wie die Wachtel, sondern zu den Rallen. Er lebt bevorzugt auf feuchten, extensiv bewirtschafteten Wiesen, häufig in Flussniederungen. Im Winter wandert er in den Osten Afrikas
- Er gilt in Deutschland mittlerweile als vom Aussterben bedroht, seine Population leidet unter dem Verlust intakter Feuchtwiesen
- Der Wachtelkönig ist sehr scheu, somit bekommt man ihn nur ausgesprochen selten zu Gesicht. Er hält sich überwiegend am Boden in der dichten Vegetation auf und schleicht fast geräuschlos umher. )
Quelle: Naturschutzbund Deutschland/NABU
















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