30.04.2020 - 12:31 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

So bereiten sich Friseure im Landkreis Neustadt/WN auf die Wiedereröffnung in der Coronakrise vor

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Die Friseure dürfen ab 4. Mai wieder öffnen. Die Salons im Kreis Neustadt bereiten sich auf einen Ansturm an Kunden vor. Dass dies die Verluste wettmacht, daran zweifeln viele Inhaber.

Wie viele Kollegen übt auch Friseurmeister Armin Sengenberger mit seinen Mitarbeiterinnen, wie sie die vielen Regeln einhalten können, und den Kunden trotzdem noch ein angenehmes Friseurerlebnis verschaffen.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Als Armin Sengenberger das Telefon abhebt, ist er gerade mitten drin in den Vorbereitungen. Zwei Tage lang schult er seine Mitarbeiter in den Hygieneregeln. "Wir wollen aber auch rausfinden, wie die Kunden trotzdem richtig Spaß haben", sagt der Ladeninhaber. Nach jedem Kunden müssen die Mitarbeiter ihre Maske wechseln, auch neue Arbeitskleidung hat der Friseurmeister für den häufigen Wechsel bestellt. Die erzwungene Schließzeit hat der Neustädter Friseur kreativ genutzt. Der Salon bekam einen neuen Anstrich. Und sein Freund und Nachbar, Bäckermeister Josef Arnold, hatte ihn auf eine gute Idee gebracht: Auf Bestellung hat Sengenberger die Haarfarben für seine Kunden angemischt, Arnold hat sie während der Auszeit in seiner Bäckerei dann verkauft. "Die Kunden haben auch sehr viele Gutscheine gekauft, einen Rabatt wollen sie gar nicht. Sie haben uns in der letzten Zeit sehr unterstützt." Bis Ende Mai ist er ausgebucht. Doch ein Normalbetrieb ist erst einmal nicht möglich, um die Verluste wettzumachen. Denn durch die Platzbegrenzung darf er nicht so viele Kunden auf einmal frisieren. "Ich habe trotzdem 25 Prozent weniger als normal, an Umsatz und an Kunden", sagt Sengenberger.

Verluste dieses Jahr nicht auszugleichen

Alfons Kliebhan ist Obermeister der Friseurinnung Nordoberpfalz und hat auch einen Salon in Waldsassen. Auch er schickte seine Mitarbeiter während der sechs Wochen Auszeit in Kurzarbeit. Doch er selbst hatte keine freie Zeit. "Ich habe von den sechs Wochen vielleicht eine Woche frei gehabt. Die restliche Zeit habe ich die Kurzarbeit-Anträge für meine Mitarbeiter ausgefüllt, Bürokram erledigt, Termine organisiert. Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Saloninhaber gab, der nicht die ganze Zeit am Computer saß." Er selbst habe in der Zeit nichts verdient, müsse als Selbstständiger aber Versicherung und Miete weiterbezahlen. Kliebhan ist sich sicher: "Die sechs Wochen Stillstand kann man auf das Jahr gesehen nicht mehr reinholen." Und wenn jemand keine Polster habe, werden ihn die Mieten über kurz und lang auffressen. Pro Kunde habe der Waldsassener Friseur nach der Öffnung durch die neuen Auflagen einen Mehraufwand von etwa 2,50 Euro. Dazu komme, dass man weniger Kunden bedienen könne. Dass die Friseure den Verlust durch den Ansturm reinholen, hält auch er für einen Irrglauben.

Doch jetzt freut sich der Friseurmeister erst einmal, dass er öffnen kann. Und nicht nur er. "Unsere Kunden sagen, sie freuen sich so sehr, dass sie wieder kommen können. Dafür kommen sie gerne mit Maske." Dafür habe er die ersten Wochen sogar von 7 bis 20 Uhr geöffnet.

Enormer Ansturm erwartet

Auch im Salon von Günther Schönberger in Vohenstrauß wird sich nach der "Coronapause" so einiges ändern. "Ohne Termin geht jetzt erst mal bei uns gar nichts", erklärt der Friseurmeister. Bislang konnten die Kunden im "Salon Günther" nämlich auch ohne Termin einfach auftauchen, um sich frisieren zu lassen. Schönberger erwartet in der kommenden Woche einen enormen Ansturm: "Ich kann ja kaum mehr auf die Straße gehen, ohne dass mich etliche Leute ansprechen." Am Donnerstag könne man sich für die nächste Woche telefonisch anmelden. Natürlich stehe in seinem Geschäft der Gesundheitsschutz sowohl von Kunden als auch Personal im Vordergrund. "Die Kunden brauchen Masken, und auch das Personal arbeitet nur mit Masken. Nach jedem Kunden wird der Platz gründlich desinifziert. Bartschneiden oder Wimpernzupfen geht natürlich zur Zeit nicht, weil da zu viel Körperkontakt enstehen würde." Ansonsten werde sich an den Serviceleistungen grundsätzlich nicht viel ändern. Der Vohenstraußer Friseur hat jedoch eine große Bitte: "Die Leute werden Geduld mitbringen müssen. Denn auch wenn wir in einem Zwei-Schicht-System arbeiten werden, können wir den Ansturm nicht auf ein paar Tage bewältigen. Und auch der Ablauf wird nicht so zügig über die Bühne gehen wie gewohnt."

"Schnell mal Pony schneiden geht nicht mehr"

"Die Locke" ruht in Pressath auf zwei Standbeinen: Café und Friseursalon. Eins davon bricht vollkommen weg. Das Café hat wie alle natürlich bis auf weiteres geschlossen. Einer der Geschäftsinhaber, Christian Wittmann, ist trotzdem gut aufgelegt: "Wir freuen uns erst einmal, dass wir wieder öffnen können. Denn schätzungsweise 40 Millionen Frauen brauchen jetzt eine neue Frisur." Den Laden großartig umbauen musste das "Locke"-Team nicht. Denn zwischen den Frisiertischen habe man laut Wittmann eh schon über zwei Meter. Eine Plexiglasscheibe vor dem Empfang und zwischen Waschbecken sei nötig gewesen. Außerdem hat der Pressather Friseur für seine Mitarbeiter Einmalumhänge und Einmalhandschuhe besorgt, die nach jedem Kunden weggeworfen werden. Auch die Arbeitskleidung darunter dürfen die Mitarbeiter nicht zu Hause waschen, sondern im Laden.

Auch Zeitschriften und Bewirtung seien nicht mehr erlaubt. "Der Entspannungs- und Wohlfühlbesuch bei einem Friseur wird aufs Nötigste reduziert", sagt Wittmann. "Aber auch mal schnell rein und Pony schneiden geht nicht mehr". Denn laut der Meinung der Wissenschaftler setze sich der Virus auch ganz gut im Haar fest, klärt der Pressather Friseur auch. So ist Waschen vor jedem Schnitt Pflicht. Die Auszeit betrachtet er als "extrem langen unbezahlten Urlaub." Dass es jedem so ergehe, führe auch zu Solidarität. "Jeder hatte von heute auf morgen ein Einkommen von Null." Auch die "Locke" ist die nächsten Wochen ausgebucht. Doch um den Schaden auszugleichen, reichten nicht mehrere Wochen. Außerdem werde der Ansturm nach Meinung von Wittmann nachlassen, wenn jeder Kunde nach den sechs Wochen Friseurentzug erst einmal seinen Schnitt habe.

Besonder hart treffe es da Friseure, die in größeren Städten wie zum Beispiel Weiden viel Miete zahlten. "Viele müssen die ersten zwei Wochen eines Monats arbeiten, um nur die Miete bezahlen zu können", sagt Wittmann.

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