21.09.2018 - 11:08 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Stadtrat diskutiert Hochwasserschutz

Der Stadt steht eine Ausgabe für rund sechs Millionen Euro ins Haus. Braucht es das überhaupt? Die allermeisten Stadträte meinen ja. Denn eine Flutkatastrophe wie 2016 in Simbach am Inn kann auch Neustadt treffen.

Dieses Bild zeigt den Bach Isenach bei Bad Dürkheim. Die Björnsen-Ingenieure, die zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden Vorschläge für den Hochwasserschutz in Neustadt ausarbeiten, können sich vorstellen, den in ein gemauertes Korsett gepferchten Floßbach in ähnlicher Weise umzugestalten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Deswegen ließen sich die Fraktionen im Stadtrat anderthalb Stunden von Experten in Sachen Hochwasserschutz beraten. Vier Vertreter vom Wasserwirtschaftsamt Weiden und dem Ingenieurbüro Björnsen aus Augsburg stellten drei Varianten vor, wie Waldnaab und Floß gebändigt werden können, wenn es mal ganz dick kommt. Im Oktober soll einen Entscheidung fallen, welcher Vorschlag zum Zug kommt. Wenn alles klappt, ist der Hochwasserschutz 2023 in trockenen Tüchern.

Dem Planungsentwurf liegt ein 100-jähriges Hochwasser samt 15 Prozent Klimafaktor zugrunde. Dagegen könnten folgende Varianten schützen:

Hohe Mauern an allen Fließgewässern im Stadtgebiet sowie an zwei Schöpfwerken. Das hieße auch, dass die Mauern an der Floß noch einmal um ein 1,5 Meter nach oben wachsen würden. Vorteil: relativ leicht umzusetzen. Nachteil: hässlich und teuer (6,6 Millionen Euro)

Hochwasserschutzmauern an einigen Stellen, Deiche an der Waldnaab, Gewässeraufweitungen an der Floß mit ufernahen Sitzsteinen und ähnlichem, um den Bach erlebbar zu machen und ihm eine Sozialfunktion zu geben. Kosten: 5,8 Millionen Euro.

Hochwasserschutz wie in Variante 2, zusätzlich eine Gewässeraufweitung im Bereich des Nachtmann-Geländes und ökologischer Gewässerausbau. Kosten: 5,1 Millionen Euro.

Bei der Diskussion zeichnete sich ab, dass es wohl auf Variante zwei oder drei hinauslaufen wird. Zudem soll ein Fahrrad- und Fußgängerrundweg von der alten Mühle am Stadtmühlweg entlang der Hochwasserschutzlinie an Waldnaab und Floß auch höheren Freizeitwert bringen. Hermann Schmid (Freie Wähler) hat sich intensiv in die Thematik eingearbeitet. Er kommt zu dem Schluss, dass es zweifelhaft sei, so viel Geld in die Hand zu nehmen. "Überall, wo es in den letzten Jahren schlimmes Hochwasser gegeben hat, war das hausgemacht." Er nannte auch die neuralgischen Stellen in Neustadt und warnte vor den Folgen einer großen Investition. "Wenn wir da einsteigen müssen wir 100 Jahre die Nachfolgekosten stemmen wie Mähen, Schöpfen usw ... und was ist danach? Leute überlegt euch das!" Josef Arnold (CSU) sieht es anders. "Auch Orte wie Simbach haben gemeint, sie seien sicher. Der Hochwasserschutz wird heute so gefördert wie noch nie. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen." Achim Neupert (SPD) sieht es auch so: "Wir gehen doch nicht shoppen, wir müssen an die Sache ran."

Von den Planungs- und Baukosten bleiben 35 Prozent an der Stadt hängen, den Rest übernimmt der Freistaat. Bisher hat die Stadt 43 000 Euro für die Planungen ausgegeben. Bis zum fertigen Entwurf sind 330 000 Euro fällig. Die Baukosten für Variante 2 oder 3 betragen laut aktueller Schätzung 6,2 Millionen Euro inklusive Ausführungsplanung.

          Pläne schlagen hohe Wellen:

          So fundiert die vier Ingenieure Andreas Ettl, Christoph Hartmann, Markus Löne und Daniel Brumme ihre Vorschläge für den Hochwasserschutz vorstellten, das schwierige Thema warf bei den Stadträten viele Fragen auf. Einige davon werden erst bei den Detailplanungen endgültig geklärt werden können, doch für die meisten hatten die Experten schon eine Antwort parat. Besonders viel wissen wollte

          Hermann Schmid: "Wie hoch soll die Mauer in der Naabstraße und am Stadtmühlweg werden? Die gefällt uns Anliegern nicht. Was ist mit den Folgekosten? Muss ich auf einen hohen Erdwall schauen, wenn ich beim Brucksaler sitze? Warum machen wir vor der Abstimmung keine Anliegerversammlung?" Die Antworten: Mit einigen Anliegern wurde bereits gesprochen, bei anderen ist es erst sinnvoll, wenn man nach den Entwurfsplanungen etwas herzeigen kann. Zudem kann man auch Deiche statt Mauern bauen, wenn jemand dies wünscht. Der Deich beim Brucksaler soll nur als kleiner Erdhügel wahrnehmbar und von oben kaum sichtbar sein. Zum Thema Folgekosten: Die Stadt erklärt sich bereit, Deiche zu mähen und zu pflegen. Das wird kapitalisiert auf 50 Jahre und ihr von der Beteiligung an den Baukosten abgezogen.

          Josef Arnold: Werden die Kleingartensiedlungen an der Waldnaab beeinträchtigt? Kann man die große Überschwemmungswiese im Bereich des Hofgartenwegs mit einplanen und das alte überflüssige Wehr dort abreißen? Antwort: Das Wasserwirtschaftsamt will versuchen bei den Planungen diese weiter Fläche "herauszukitzeln".

          Peter Reiser: Sind die Versicherungsbeiträge für Anlieger mit Hochwasserschautz später niedriger? Antwort: Ja.

          Martin Filchner: Sollte man Altlasten entdecken, steigen dann auch die Entsporgungskosten für die Stadt? Antwort von Bürgermeister Heiner Maier: Wir sind dazu in Gesprächen mit der Firma Nachtmann.

          Rainer Hetz: Wie hoch soll der Damm an der Waldnaab werden? Antwort: Vom bestehenden Niveau aus etwa zwei Meter. An der Tankstelle am Ortseingang entspricht die Höhe etwa dem bestehenden Niveau, an einigen Stellen, etwa an der Engstelle der Naabstraße, kann es etwas höher werden. Flexibel ist man dort, wo das Gelände ohnehin ansteigt. Keiner soll von seinem Fenster aus auf eine zwei Meter hohe Mauer schauen.

          Alois Zehrer: Kann man bei Einsprüchen das Projekt auseinanderziehen oder wird es dann als Ganzes blockiert? Antwort: Das Aufteilen in einzelne Schritte müsste in Absprache mit dem Landratsamt möglich sein. (phs)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.