27.11.2018 - 17:19 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Tennet unter Strom

Der Ostbayernring nimmt eine weitere wichtige Etappe. In diesen Tagen geht der letzte Abschnitt der 185 Kilometer langen Stromautobahn in die Planfeststellung. Neues gibt es auch vom Süd-Ost-Link.

Hans Blecha pflanzt am Dienstag auf seinem Grundstück in Luhe ein Bäumchen. Enkelkind Lara soll den Föhrenwald, den Tennet als Ausgleichsfläche für den Ostbayernring haben möchte, einmal erben.
von Martin Staffe Kontakt Profil

Die geplanten Mega-Stromleitungen sorgen immer wieder für Diskussionen in der Bevölkerung. Am weitesten gediehen ist der Ostbayernring. Für zwei Abschnitte der Stromtrasse, die von Redwitz in Oberfranken über Etzenricht bis nach Schwandorf führt, läuft bei den Regierungen der Oberpfalz und von Oberfranken das Planfeststellungsverfahren. Jetzt folgt der dritte und letzte Abschnitt. Tennet reicht in Regensburg die Unterlagen für das 45 Kilometer lange Stück von Etzenricht bis zur Bezirksgrenze zu Oberfranken ein. "Dann werden alle Abschnitte des Ostbayernrings im Planfeststellungsverfahren sein", sagt Tennet-Bürgerreferentin Ina Haffke.

Wenn die Regierung die Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt hat, wird die Genehmigungsbehörde die ortsüblichen Bekanntmachungen und die öffentliche Auslegung der Unterlagen in den Kommunen veranlassen sowie die Beteiligungsfristen bekanntgeben. Haffke erwartet das Beteiligungsverfahren im ersten Quartal 2019.

Schon in der kommenden Woche ist das "Team Ostbayernring" in der nördlichen Oberpfalz unterwegs, um den Leitungsverlauf, den Zeitplan sowie das weitere Vorgehen zu erläutern. Das sind die Termine:

Dienstag, 4. Dezember, von 13 bis 15 Uhr in Mitterteich(Kirchplatz)

Mittwoch, 5. Dezember, von 9 bis 11 in Windischeschenbach(Stadtplatz) und 13 bis 15 Uhr in Parkstein(vor dem Museum "Vulkanerlebnis").

Schon weiter ist Tennet im südlichen, 45 Kilometer langen Abschnitt Etzenricht-Schwandorf. Hier läuft das Beteiligungsverfahren für die rund 630 Grundeigentümer schon seit 29. Oktober. Die Planfeststellungsunterlagen liegen noch bis zum 28. Dezember in allen beteiligten Kommunen zur Einsichtnahme aus.

Frist nicht versäumen

So auch in Oberwildenau. Allein in der Marktgemeinde Luhe-Wildenau sind nach Angaben von Geschäftsleiter Michael Gräf rund 120 Grundstücksbesitzer von dem Großprojekt betroffen. Viele von ihnen würden sich auch informieren. "Die Beteiligung dient den Eigentümern dazu, sämtliche Belange und Änderungsforderungen in das Verfahren einzubringen", erklärt Bürgerreferentin Haffke. Nur wer einen Einwand schriftlich formuliert, sei am Verfahren beteiligt und könne am Ende gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen.

Ein Betroffener ist der Neustädter Hans Blecha. Er besitzt in Luhe einen kleinen Wald, dort, wo voraussichtlich die neue Stromtrasse gebaut wird. Beim Eigentümerforum im Juli 2017 in Neudorf sei ihm gesagt worden, dass auf dem einen Tagwerk großen Areal alle Bäume ab einer bestimmten Höhe wegen der Stromtrasse entfernt werden müssten. Jetzt, am 23. Oktober, habe es bei einem weiteren Termin in Etzenricht geheißen, die Bäume könnten stehen bleiben, weil die Strommasten über 74 Meter hoch würden.

Blechas Freude währte nur kurz. Eine andere Tennet-Mitarbeiterin, zuständig für Natur- und Umweltschutz, klärte ihn dahingehend auf, dass er binnen vier Wochen Einspruch bei der Regierung der Oberpfalz einlegen müsse, weil Tennet sein Grundstück als Kompensationsfläche eingeplant habe.

Daraufhin kommunizierte der Bezirkskaminkehrermeister im Internet mit dem Netzanbieter. Dabei sei ihm höflich mitgeteilt worden, dass es sich um ein Missverständnis handle. Die Masten würden jetzt doch nicht 74 Meter hoch, sondern lediglich 54. Das bedeutet: Die Bäume müssen doch weg.

Da der Kreisstädter sein Grundstück aber weiter gebrauchen möchte, hat er bei der Regierung Widerspruch gegen die Verwendung des Waldes als Ausgleichsfläche eingelegt. "Geht's noch, ich muss Widerspruch einlegen, damit ich mein Grundstück weiter nutzen darf. Das ist Enteignung", schimpft Blecha. Viele wüssten gar nicht, dass Tennet ihr Grundstück als Kompensationsareal haben möchte.

Tennet zahle zwar eine finanzielle Entschädigung für das Areal. Diese müsse natürlich versteuert werden. Doch das Geld sei nebensächlich. Der Wald hat für Blecha vielmehr einen ideellen Wert. Die Anpflanzung des Geländes vor 20 Jahren sei die letzte Maßnahme gewesen, die er gemeinsam mit seinen Eltern vor deren Tod vorgenommen habe. Außerdem verweist der Beschwerdeführer darauf, dass er schon für den Bau der A 93 einen Teil dieses Grundstücks für das "sogenannte Allgemeinwohl" abgeben musste.

Baubeginn 2021

Tennet geht davon aus, dass bis in einem Jahr der Planfeststellungsbeschluss für den Ostbayernring vorliegt. Dieser wird dann noch einmal öffentlich ausgelegt. In der Regel haben die Beteiligten vier Wochen Zeit, dagegen zu klagen. Beklagt werde aber nicht Tennet, sondern die Regierung der Oberpfalz als Genehmigungsbehörde, weiß Haffke. Die Bürgerreferentin hofft, dass die Bauarbeiten 2021 starten können.

Wegen der Inanspruchnahme einzelner Grundstücke sei es das Ziel, sich auf eine Rahmenvereinbarung mit dem Bayerischen Bauernverband zu einigen, die die Entschädigungsgrundsätze regle. Auf dieser Grundlage schließe Tennet mit jedem einzelnen Eigentümer einen Vertrag über das einzutragende Nutzungsrecht in das Grundbuch ab. Solange es keine vertragliche Übereinkünfte gebe, könne Tennet aber auch nicht über die Grundstücke verfügen.

Info:

Fortschritte macht auch der Süd-Ost-Link. Die Gleichstrom-Erdkabelleitung ist 580 Kilometer lang und verläuft auf dem Weg von Magdeburg bis Landshut ebenfalls durch die nördliche Oberfpalz. Die Planung ist jetzt so weit vorangeschritten, dass Tennet den mit Spannung erwarteten Trassenverlauf von der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt bis Pfreimd (Landkreis Schwandorf) vorstellt. Dazu sind Mandatsträger, Kommunalpolitiker und Verbandsvertreter zu zwei Veranstaltungen eingeladen. Eine findet am 20. Dezember in Weiden in der Max-Reger-Halle statt, die zweite am 12. oder 13. Dezember in Schwandorf.

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