17.03.2019 - 15:12 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Traumurlaub beim Tyrannen?

So beliebt wie noch vor einigen Jahren sind die Türkei und Ägypten als Urlaubsziele nicht mehr. Politische Gefangene, mangelnde Meinungs- und Pressefreiheit: Wirkt sich das auf Urlauber aus? Eine Nachfrage bei den Reisebüros in der Region.

Kemer in der Türkei lockt mit Strandpromenade, kleinen Hotels und Yachthafen. Türkei-Urlaube sind nach mageren Jahren wieder gefragt – trotz politisch motivierter Verhaftungen.

So beliebt wie noch vor einigen Jahren sind die Türkei und Ägypten als Urlaubsziele nicht mehr. Politische Gefangene, mangelnde Meinungs- und Pressefreiheit: Wirkt sich das auf Urlauber aus? Eine Nachfrage bei den Reisebüros in der Region.

Der 18. März ist der "Tag der Freiheit für politische Gefangene". Auch Deutsche sitzen in anderen Ländern aus politischen Gründen im Gefängnis - ein prominentes Beispiel ist die Türkei. Auch nach der Freilassung von "Welt"-Journalist Deniz Yücel und anderen deutschen politischen Häftlingen im vergangenen Jahr werden noch einige Bundesbürger dort festgehalten.

Beeinflusst so etwas das Buchungsverhalten. "Ja", bestätigt Sabine Lindner vom Reisebüro Thomas Cook mit Filialen in Weiden und Eschenbach. Es gebe durchaus Kunden, die sagten: "Die Türkei unterstütze ich nicht, da investiere ich kein Geld." Insgesamt seien muslimische Länder nicht mehr so beliebt - das gelte auch für Tunesien, Marokko und Ägypten. Da gehe es aber eher um die eigene Sicherheit, Kunden fürchteten in diesen Ländern eher Anschläge.

Ähnliche Erfahrungen hat Katja Helgert vom Reisebüro "Five Point Services" in Weiherhammer gemacht. "Typisch arabische Länder" seien nicht mehr so begehrt. Manche Kunden boykottierten sie aus Prinzip, andere hätten keine Lust, im Urlaub in ihrer Hotel-Anlage eingeschlossen zu sein, weil es außerhalb zu gefährlich sei. Allerdings steigen die Zahlen der Buchungen in diese Länder inzwischen wieder, weiß Helgert. Vor ein paar Jahren seien arabische Länder und vor allem die Türkei stark eingebrochen, "aber inzwischen ist das eigentlich kein Problem mehr". Bald werden die Buchungen wohl wieder ähnlich wie vor dem Einbruch sein. Der Grund: Durch die Unbeliebtheit muslimischer Länder schossen europäische Reiseziele wie Spanien und Griechenland in die Höhe - auch preislich. Inzwischen sei das Preis-Leistungsverhältnis in arabischen Ländern dadurch besser.

Auch Marina Zielbauer von "Nix-wie-weg.de" in Parkstein sieht Türkei, Ägypten, Tunesien und Co. wieder auf dem aufsteigenden Ast. "Dieses Jahr ist die Türkei wieder im Kommen. Vor ein bis zwei Jahren war's schlimmer." Dieses Umdenken der Kunden bemerkt auch Nico Koller vom gleichnamigen Reisebüro in Vohenstrauß. Trotzdem gebe es Urlauber, die die Türkei mieden, weil sie mit Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht einverstanden seien. Bei arabischen Reisezielen spiele eher die Sicherheitslage eine Rolle.

Eine Erfahrung haben alle Reisebüros gemacht: Vom Rückgang in den ehemaligen Trend-Reisezielen profitiert vor allem Europa: Griechenland, Italien, Spanien und die Balearen stünden weiter Hoch im Kurs.

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