06.07.2018 - 16:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Das verlorene Schaf

Über Wiesen an der Naab springt eine Ziege. Mutterseelenallein. Keiner kümmert sich, merkt Anke Richthammer und forscht nach. Derweil entpuppt sich die streunende Goaß als verlorenes Schaf, das vielleicht schon über den Jordan gegangen ist.

Immer auf dem Sprung: Das Kamerunschaf springt seit Wochen über eine gemähte Wiese am Waldrand Neustadts nahe der Naab. Oder handelt es sich doch um eine Ziege?
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

(mte) Jedenfalls lässt das ein Einsatz der Polizei Neustadt am Freitagnachmittag vor einer Woche vermuten. Dabei sind die Beamten der Meldung "Verletztes Reh im Wald" nachgegangen und auf ein Kamerunschaf gestoßen. "Es lag verletzt auf dem Mühlbergweg, einem Wanderweg des OWV", weiß Stefan Moller, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Neustadt. Ein Jagdpächter aber musste das Tier wegen seiner schweren Verletzung erschießen. War es das Tier, das Anke Richthammer nahezu täglich am Ortsausgang Neustadts auf Höhe des Wasserhäusels begegnete?

"Erstmals entdeckt habe ich die Ziege vom Wasser aus." Die Neustädterin unternahm vor Wochen eine Kanufahrt auf der Waldnaab in Neustadt/WN. "Aber da dachte ich, der Besitzer des Tiers ist irgendwo in der Nähe." Dass dem wohl nicht so ist, dämmerte Richthammer in den folgenden Tagen. Immer wieder erspähte sie beim Gassigehen die Ziege - bis deren Lieblingswiese abgemäht wurde. "Seitdem steht sie zwei Wiesen weiter." Richthammer macht sich seither Sorgen: "Hunde könnten das Tier ja auch irgendwann entdecken und auf die Straße jagen." Also machte sie sich auf die Suche nach dem Ziegenhalter und rief die Polizei an.

Keine Platz für Schafe

"Eine Vermisstenanzeige könnten sie nicht aufnehmen, hat der Polizist gesagt", erinnert sich Richthammer an das Telefonat. Gefahr in Verzug mit einer Ziege auf einer Wiese vermuteten die Beamten auch eher nicht. "Und ich soll das Tier bitte nicht zur Inspektion bringen, hieß es. Es gebe dort keine Unterbringungsmöglichkeit." Also klingelte die Neustädterin beim Tierheim in Weiden durch. Doch auch dessen Chefin, Jutta Böhm, konnte keine Unterbringungsmöglichkeit für eine Ziege anbieten. Blieb das Veterinäramt Neustadt. "Dort sagte man, für den Fang von Ziegen sei das Amt nicht zuständig", erinnert sich Richthammer, wendet sich an Oberpfalz-Medien und schickt Fotos von der Bunten Deutschen Edelziege. Fotos, die stutzig machen.

"Das ist keine Ziege, das ist ein Kamerunschaf", sagt einer, der selbst solche Exemplare im Stall stehen hat. Und er ergänzt: "Das Fangen eines solchen Schafes ist fast unmöglich. Dieses Tier ist wahnsinnig schnell." So schnell, dass es womöglich knapp 1000 Meter Luftlinie entfernt vom Wasserhäusel am Mühlbergweg am vergangenen Freitag zu Tode gekommen ist? Wohl kaum. Konnte doch der Schafhalter ermittelt werden, sagt Polizeihauptkommissar Stefan Moller. Dass ihm das Tier bereits vor Wochen ausgebüxt ist, davon sagte der Schafhalter, der insgesamt drei Kamerunschafe beherbergt, nämlich nichts. Außerdem scheint es auch sehr unwahrscheinlich, dass ein Schaf mit seinen Klauen munter und unbeobachtet über Bahngleise mitten durch Neustadt vom Wasserhäusl bis zum Mühlbergweg klappert. Aber andererseits ...

Ja, andererseits hat Anke Richthammer das Tier, das ganz sicher eine Ziege sei, schon seit einigen Tagen nicht mehr am Wasserhäusl gesehen: "Jogger haben es erschreckt, da ist es über die Straße in Richtung Felix oder Hammerharlesberg fort gelaufen", sagt sie. Und nun?

Schnell ist es, das Kamerunschaf, das einer Ziege zum Verwechseln ähnlich sieht.

Kein jagdbares Tier

Das Landratsamt klärt auf: Kann der Besitzer nicht gefunden werden, hieße das, die vermeintliche Ziege, die sich als Kamerunschaf entpuppt haben könnte, grast vermutlich noch immer irgendwo in Neustadt munter vor sich hin. So lange sie hier keine Gefahr darstellt, kann sie das nach dem Willen von Polizei und Jäger auch weiter tun. "Ein Kamerunschaf ist kein jagdbares Tier. Es darf bleiben", heißt es seitens des Landratsamtes. Trotzdem bliebe ein Restrisiko - und das Tier ein verlorenes Schaf.

Deshalb wünscht sich Anke Richthammer weiter, dass der Halter sich meldet, kommt und es einfängt. Wo? Nahe des Wasserhäusels am Ortsausgang Neustadts wird das Kamerunschaf seit Wochen des öfteren gesehen. Abstecher in Richtung Felix oder Hammerharlesberg nahe der Naab unternimmt es aber auch.

Info:

Bitte Schäfchen zählen

Wer vermisst in seiner Herde ein Kamerunschaf – oder doch eine Ziege? Der möge sich bitte in der Redaktion von Oberpfalz-Medien unter redws@oberpfalzmedien melden. Mit Hilfe von Anke Richthammer könnten Halter und ein hoffentlich wohlbehaltenes Tier wieder zusammenfinden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp