16.07.2019 - 12:40 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Begeisterung für das neue Niedermuracher Pfarrheim

Das seit Jahren angepeilte Ziel ist erreicht: Die kirchliche Segnung des neuen Pfarrheims Sankt Martin ist ein Festtag für Niedermurach. Der Anlass stellt einen markanten Wendepunkt für das Gebäude dar.

von Josef BöhmProfil

Zahlreiche Gäste begleiteten das Pfarrfest, in dessen Verlauf das Pfarrheim durch Domdekan und Prälat Johann Neumüller gesegnet wurde. Für das sanierte Gebäude war die Wende von der Baustelle zum Treffpunkt gekommen: Anstelle von Handwerkern und Architekten, sollen nun Begegnungen von Menschen aller Generationen aus Pfarrei und Gemeinde das Haus prägen. Vereine aus der ganzen Gemeinde beteiligten sich am Festgottesdienst, den Prälat Neumüller in Konzelebration mit Pfarrer Herbert Rösl und Ruhestandspfarrer Max Stigler feierte. Den musikalischen Rahmen lieferte die Chorgemeinschaft „Venite“ unter Leitung von Martin Martzak.

In seiner Predigt sprach der Domdekan die zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Glauben und Kirche an. Er stellte die Frage, ob Kirche vor Ort auch in Zukunft mit Leben erfüllt sein wird. Dem müsse sich auch die Pfarrgemeinde bewusst sein, wenn sie voll Stolz auf das eigene Pfarrheim blickt. Denn um Kirche in einer Pfarrei erlebbar zu machen, brauche es nicht nur ein fertiggestelltes Pfarrheim, sondern auch einen lebendigen Bau christlicher Gemeinschaft und Nächstenliebe.

"Haus mit Leben erfüllen"

Nach dem Zug zum Pfarrheim, begleitet von Salutschüssen der Niedermuracher Böllerschützen, hieß Pfarrgemeinderatssprecherin Irmgard Glaser die Ehrengäste willkommen und brachte ihre Freude über das Pfarrheim zum Ausdruck. „Ein Haus der Begegnung, des Austausches, der Förderung des christlichen Glaubens und der Gemeinschaft soll es werden“, betonte sie und wusste auch um die Herausforderung: „Ab jetzt liegt es an uns, dieses Haus mit Leben zu erfüllen.“

Pfarrer Herbert Rösl unterstrich, wie wichtig ein Pfarrheim für ein lebendiges Pfarrleben sei. „So machten wir uns mit dieser Erkenntnis, viel Willenskraft und Motivation auf den Weg, diesem Ziel näher zu kommen." Rösl verwies damit auf die vielen Beratungen und Verhandlungen, die schließlich im Dezember 2015 zum Erfolg führten. Entscheidend für die Bischöfliche Baukommission sei das Finanzierungsmodell gewesen, das die Mehrkosten des Finanzrahmens abdeckte. Der Dank des Geistlichen galt vor allem Kirchenpfleger Jakob Kiener, Bürgermeister Martin Prey, Architekt Josef Schönberger und VG-Geschäftsstellenleiter Anton Brand für ihre Unterstützung. Im Pfarrheim sollten allen Gruppierungen und Gläubigen eine christliche Heimat finden.

Bürgermeister Martin Prey freute es besonders, dass in der Dorfmitte ein solches Schmuckstück entstanden ist und auch ein Trauzimmer verwirklicht werden konnte: „Die Gemeinde hat endlich eine repräsentative Räumlichkeit für standesamtliche Trauungen.“ Er wünschte sich, dass aus dem Gebäude ein aktives Pfarr- und Gemeindeleben erwächst.

Die Aufgaben der Städtebauförderung im Allgemeinen und die Unterstützung für das Projekt in Niedermurach im Besonderen beleuchtete Hubert Schmid, Leitender Baudirektor an der Regierung der Oberpfalz. Es gehe nicht nur darum, alte Häuser oder Denkmäler zu sanieren, sondern sie mit Leben zu füllen und so die Ortskerne mit allen Nutzungen zu stärken. „Ich freue mich, dass die Städtebauförderung hier in Niedermurach so erfolgreich wirken konnte“, so sein Blick auf das schöne Pfarrheim.

Landrat Thomas Ebeling sah es als großen Erfolg, dass der lange Weg ein gutes Ende gefunden hat und das Pfarrhaus einer guten Nutzung zugeführt werden konnte. Sein mitgebrachtes Geschenk versenkte er sogleich in einer Spendenbox. MdB Karl Holmeier (CSU) lobte die vielen Bemühungen zur Wiederbelebung des Leerstands. Der Bund stelle der Städtebauförderung immer genügend Finanzmittel zur Verfügung, um damit auch den ländlichen Raum zu stärken.

Vorzeigeprojekt

Oberkonservator Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege ließ wissen, dass er hier stets das Gefühl hatte, dass eine Sanierung absolut ernsthaft gewollt sei. Er sehe im neuen Pfarrheim ein beispielhaftes Vorzeigeprojekt, von dem gelernt werden könne. Zudem habe das denkmalgeschützte Haus eine besondere Bedeutung, da es seit 1748 die Geschichte des Ortes mit prägte.

Architekt Josef Schönberger gab einen Überblick zur gesamten Baumaßnahme und zum Bauablauf. Er lobte die fachlich hochwertige Arbeit der Handwerker, die größtenteils aus der näheren Region kamen. Schönberger sprach von einem gelungen Projekt, dankte in alle Richtungen und übergab an Pfarrer Herbert Rösl symbolisch einen Schlüssel.

Domdekan Prälat Johann Neumüller erbat danach den Segen für das Haus und seine künftigen Nutzer. Er weihte auch die bereitgelegten Kreuze, die überwiegend aus dem Nachlass von Pfarrer Kraus stammten. Zwei Kreuze hatte die vierte Klasse der Grundschule im Werkunterricht angefertigt. Die Weihe erhielt auch das von Künstler Dominik Schleicher angefertigte Saalkreuz mit der Christusfigur, die den Kreis der alten und der neuen Zeit symbolisch aufteilt. Das gemeinsam gesungene Murachlied beendete den Festakt. Anschließend durften sich die Ehrengäste in das Goldene Buch der Gemeinde eintragen.

Mit dem Vortrag eines Liedes mit lustigen Texten zum Pfarrheim und zum Pfarrfest erfreuten die Buben und Mädchen des Kindergartens Pertolzhofen die Gäste. Die sehr gut besuchte Dankandacht, die vom gemischten Chor aus Hahnbach und den Schulkindern mitgestaltet wurde, beendete der offizielle Teil. Den gemütlichen Teil des Pfarrfestes begleitete musikalisch die „Open-End-Band“ aus Oberviechtach.

Bereicherung fürs Dorf

Die große Anzahl an Gästen, unter ihnen auch viele ehemalige Pfarrangehörige, nutzten natürlich die Gelegenheit, das neue Pfarrheim zu besichtigen und sich mit einer Bilddokumentation über den baulichen Werdegang zu informieren. Alle Besucher waren beeindruckt und voll des Lobes über das Geschaffene. Auch an die Kinder wurde gedacht, die das Angebot von Kinderschminken und Hüpfburg gerne annahmen. Ebenso lockte auch die Tombola der Ministranten mit attraktiven Preisen.

Es steht außer Zweifel, dass das neue Pfarrheim eine enorme Aufwertung und Bereicherung für Dorf, Pfarrei und Gemeinde sowohl in kirchlich-religiöser als auch in kultureller Hinsicht bedeutet. Es steigert die Attraktivität und das Erscheinungsbild des Pfarrdorfes an der Murach auf besonders vorteilhafte Weise.

Die neuen Räumlichkeiten:

Obergeschoss: Drei Gruppenräume für jeweils 20 bis 30 Personen, kleine Küchenzeile, Toiletten, Putzmittelraum. Das Obergeschoss ist auch von außen über eine Rampe barrierefrei erreichbar.

Erdgeschoss: Pfarrbüro, Trauungszimmer (zugleich Gruppenraum), behindertengerechte Toilette mit Wickeltisch (steht bei besonderen Gottesdiensten öffentlich zur Verfügung), Raum für Stuhllager und Elektrotechnik, Raum für Haustechnik (Heizung und Wasser), kleine Bücherei.

Neubau: Pfarrsaal mit Platz für rund 120 Personen, Bewirtschaftungsräume mit Küche, Garderobe, Toiletten. Erdgeschoss und Pfarrsaal sind barrierefrei über den Haupteingang erreichbar.

Pfarrheim und Pfarrsaal werden komplett mit Erdwärme über eine Wärmepumpe beheizt (Fußboden- und Wandheizung). Photovoltaik auf dem Neubaudach mit Batteriespeicher steht für die Eigenstromversorgung zur Verfügung. Mit Erdwärme und Solarstrom wurde hier auch ein Beitrag für den Klimaschutz geleistet. (boj)

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