28.11.2019 - 11:57 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Menschen treffen statt Profile anklicken

Die fortschreitende Digitalisierung des Alltags gibt das Thema beim Familienbildungssonntag des KLB-Kreisverbandes vor. Referent Martin Schulze schildert, wie die digitale Welt Beziehungen verändert und rät zu persönlichen Begegnungen.

Referent Martin Schulze sprach beim Familienbildungssonntag des Landvolks. In seinem Vortrag ließ er auch die Zuhörer zu Wort kommen.
von Josef BöhmProfil

„Lebe, was dich bewegt!“ Der Leitspruch der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) forder dazu auf, sich mit den vielschichtigen Inhalten des Lebens zu befassen. Beim Familienbildungssonntag des Kreisverbandes im Pfarrheim Niedermurach war die allgegenwärtige Digitalisierung ein zentrales Thema. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem KLB-Bildungswerk Niederbayern/Oberpfalz statt, Gastgeber war die örtliche Landvolk-Gruppe.

Den Großteil der Veranstaltung bestritt Martin Schulze, Ehe-, Familien- und Lebensberater der Diözese Regensburg. Der sprach zum Thema „Ist da jemand? – Wie sich Familie, Beziehungen und Partnerschaft im digitalen Zeitalter verändern". In seinem anspruchsvollen Vortrag warf er zunächst die Frage auf, die sich viele Eltern stellen, wenn sie ihren Nachwuchs mit dem Smartphone hantieren sehen: "Wo sind meine Kinder digital unterwegs?" Neben Kontrolle auf der einen Seite, gelte es aber auch, den Kinder dabei Vertrauen einzuräumen.

Schulze nannte die nicht von der Hand zu weisenden Vorteile der digitalen Welt: Schnelle Nachrichtenübermittlung, Zugang zu umfassenden Informationen, Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Gegenden, bequemes Einkaufen. Er beleuchtete aber auch die Negativseiten wie den Verlust persönlicher Begegnungen, die zunehmende kriminellen Energie, die Verankerung persönlicher Daten im Netz oder der Zwang zur Zugehörigkeit in sozialen Netzwerken. Auf der ganzen Welt rund um die Uhr vernetzt und verfügbar zu sein berge auch das Risiko, kontrollierbar zu sein. „Permanente Verfügbarkeit belastet Ehe, Familie und Partnerschaft“, mahnte der Referent und wies auf den damit einhergehenden Stress hin.

Im zweiten Teil seines Vortrags widmete sich Martin Schulze den zwischenmenschlichen Beziehungen. Mit einem Kurzfilm zeigte er, wie wichtig für die Entwicklung eines Kindes die Kommunikation mit der Mutter ist. „Die Entwicklung des Selbstwertgefühls eines Kindes verlangt nach emotionaler Zuwendung“, forderte der Referent und wies auf die Verantwortung der Eltern hin. Es sei ihm einfach unbegreiflich, wenn Eltern mit ihren Kindern unterwegs sind und anstatt ihnen ihre Aufmerksamkeit zu schenken das Handy im Blick haben.

Als unverzichtbare Bausteine im sozialen Verhalten nannte der Referent persönliche Präsenz und würdigen Umgang mit Menschen. Sich anrühren lassen, auf andere und auch auf sich selbst schauen, das wäre die richtige Antwort auf eine Zeile im eingespielten Abschlusslied, wo es hieß „Ist da jemand, der mein Herz versteht?“.

Ein tiefgreifender Vortrag, der die Zuhörer herausforderte, sich vielmehr in das soziale Netz zwischenmenschlicher Beziehungen einzubringen, anstatt sich in der Anonymität des digitalen Netzes einer virtuellen Welt zu bewegen. Spannend und mit viel hintergründigem Humor gewürzt, hatte Martin Schulze es verstanden, den Gästen schwierige Lebenssituationen nahe zu bringen, Lösungen aufzuzeigen und dafür auch entsprechenden Beifall zu erhalten.

Während des Vortrags wurden alle Kinder in einem Gruppenraum des Pfarrheims betreut. Nach dem Mittagessen feierten die Teilnehmer mit Kreislandvolkpfarrer Michael Hoch Gottesdienst in der Pfarrkirche. Dabei gab die Chorgemeinschaft „Venite“ den festlichen Rahmen gab. Den Ausklang bildete ein lockeres Zusammensein bei Kaffee und Kuchen im Pfarrsaal.

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