11.02.2019 - 17:23 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Notzeiten im Revier überbrücken

Das Reh ist das "Tier des Jahres 2019". Im Winter benötigt es vor allem Ruhe und intakte Lebensräume. Doch bei viel Schnee und Frost ist der Jagdpächter laut Bayerischen Jagdgesetz zur Fütterung verpflichtet.

Schnee und Frost haben sich wieder verabschiedet, und Jagdpächter Josef Salomon kontrolliert die Fütterungsstelle. Neben einer Getreide-Körnermais-Mischung im Trog deckte er den „Tisch“ für die Rehe mit Apfeltrester und einem Salzleckstein. Die Büsche in der Nähe geben dem Wild ein Sicherheitsgefühl und Deckung.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Wer das Jagdrecht ausübt, muss die Hege gewährleisten. „Dazu gehört ein angemessenes Erhaltungsfutter in Notzeiten“, betont MdL Alexander Flierl, Kreis- und Bezirksvorsitzender im Bayerischen Jagdverband (BJV) auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Er verweist auf eine artgerechte Zusammensetzung, was bei Rehen einen höheren Anteil an Raufasern bedeutet. „Es gibt Zeiten, in denen die Tiere aus eigener Kraft nicht an ausreichend Nahrung gelangen“, gibt Flierl zu bedenken. Bei hohem Schnee verbrauchen die Wildtiere bei jeder Bewegung viel Energie. Der Stoffwechsel-Spar-Modus funktioniere aber nur, wenn sie ungestört bleiben (siehe Kasten).

Jäger Josef Salomon (65) hat das Jagdrevier Niedermurach seit dem Jahr 1997 gepachtet. Vor allem Rehe und Füchse, wenig Hasen und Niederwild und keine Wildschweine seien hier anzutreffen. „Wir haben mit zehn Prozent nur einen sehr geringen Waldanteil in der Fläche“, erklärt der Hegegemeinschaftsleiter Niedermurach im Vorstand der BJV-Kreisgruppe Oberviechtach. Zur Wildfütterung fährt er meistens mit dem Traktor hinaus. Das war vor allem vor einer Woche notwendig. Mittlerweile sind Schnee und Frost dem Tauwetter gewichen. Im Trog der Fütterungsstelle ist noch ein wenig von der Getreide-Körnermais-Mischung vorhanden. Der Apfeltrester am Boden ist durchwühlt. Wenige Meter weiter ist ein Salzleckstein auf einem etwa 1,60 Meter hohen Holzpflock angebracht. „Das ist wichtig für die Mineralienaufnahme“, sagt der Jäger und erklärt: „Der Regen wäscht das Salz in kleinen Mengen den Stamm hinunter. So bekommen die Tiere keine Überdosis.“ Proteine findet das Rehwild in Eicheln. Salomon bückt sich unter einer mächtige Eiche und hebt eine Handvoll davon auf.

Lobend erwähnt er das Greening-Programm der Landwirtschaft, was für die Winter-Äsung sehr positiv sei. Und er zeigt auf Spuren in einer Wiese, wo die Rehe auf der Suche nach pflanzlicher Nahrung Löcher in den Schnee gegraben haben. „In den letzten Tagen kamen die Rehe auf der Futtersuche sehr nah ans Dorf heran“, berichtet Josef Salomon. In der Schonzeit (15. Januar bis 30. April) seien diese nicht scheu und wandern in Rudeln durch die Fluren. „50 Prozent des Rehwildes fällt dem Straßenverkehr zum Opfer“, bedauert der Jagdpächter. Angebrachte Wildwarnreflektoren würden nicht immer helfen. Erst vorige Woche seien zwei Rehe tot aufgefunden worden.

Bitte nicht stören:

Rücksicht auf Wildtiere nehmen

„Wildtiere leiden jetzt besonders stark unter jeder Beunruhigung“, heißt es in einer Pressemeldung des Bayerischen Jagdverbandes. Denn Energieverluste würden das Überleben gefährden. Ein Appell geht an Wintersportler und Spaziergänger: „Bitte nehmen sie Rücksicht auf unser Wild. Bleiben Sie auf den Wegen und auf den ausgewiesenen Skipisten. Leinen Sie im Wald die Hunde an, damit sie nicht das Wild aufscheuchen.“

Es gibt Zeiten, in denen die Tiere aus eigener Kraft nicht an ausreichend Nahrung gelangen.

Alexander Flierl

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