04.09.2018 - 18:17 Uhr
NittenauOberpfalz

Mächtige Klänge Beethovens im Rathaus

Professor Stephan Möller spielt die letzten drei Klaviersonaten beim letzten "Sommerlichen Rathauskonzert" in Nittenau. Die Stücke sind eine Herausforderung für den Pianisten.

Pianist Stephan Möller bei seinem Auftritt in Nittenau.
von Reinhold TietzProfil

Der Wiener Pianist Stephan Möller widmet sich im letzten Konzert der Sommerlichen Rathauskonzerte Nittenau 2018 den letzten Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven. Das Foyer im Rathaus benötigt mehr Stühle als anfangs aufgestellt, um alle Besucher des letzten Rathauskonzerts unterzubringen. Der Pianist des Abends, Stephan Möller, Professor an der Universität für Musik in Wien, verweist in seiner Einleitung auf die besondere Stellung der Sonate im Schaffen von Beethoven. Immerhin hat Beethoven 32 Klaviersonaten, 10 Violinsonaten und 5 Cellosonaten geschrieben. Die Fuge war ein Kennzeichen ab dem Barock, die Sonate und ihre Kompositionsform wird zum wichtigsten Merkmal der Musik ab der klassischen Periode.

Festzustellen ist zum Programm des Abends jedoch, dass Beethoven gerade in seinen drei letzten Klaviersonaten die klassische Sonatenform erweitert hat. So enthält der Kopfsatz der "Sonate E - Dur" op 109 zwei sehr unterschiedliche Zeitmaße, ein "Vivace, ma non troppo" und ein "Adagio espressivo", benennt also verschiedene Stimmungen. Möller gleicht beide etwas aus, wobei jedoch die Unruhe, die diesen Satz prägt, intensiv zum Ausdruck kommt. Jedes "accelerando" wird von ihm betont, jedes "ritardando" dient einem eingeschobenen Ruhepunkt.

Das "Prestissimo" zieht in schnellstem Tempo vorbei und bildet damit schärfsten Kontrast zum abschließenden Finale, einem "Andante molto cantabile ed espressivo", das in sechs Variationen unterschiedliche Höreindrücke in Bezug auf die Schnelligkeit des Thema vorstellt, bis das Thema untermalt von einem andauernden Triller angedeutet wird und schließlich nochmals leise ertönt. In Möllers rasanter Darstellung wird das alles intensiv verdeutlicht. Die folgende "Sonate As - Dur" op 110 enthält ebenfalls verschiedene Stimmungen. Der Kopfsatz "Moderato cantabile molto espressivo" beginnt mit einem melodischen Thema, das immer mehr umspielt wird. Das folgende "Allegro molto" erklingt kurz und heftig bewegt in der Interpretation von Möller. Der Satz mündet in das Finale, ein "Adagio ma non troppo", in dem zuerst eine erwartungsvolle Haltung angedeutet wird, aber schon bald beginnt eine strenge "Fuga. Allegro ma non troppo", die zuerst heroische Klänge fabriziert, bis sie in eine Klage mündet, dann in der Umkehrung der Fuge wieder auflebt und schließlich in berückender Klangpracht schließt.

Nach der Pause erklingt die letzte Klaviersonate von Beethoven, die "Sonate c - moll" op 111. Sie beginnt mit einer machtvollen, rhythmisch straff punktierten Einleitung, deren Aussage zu dem sofort daran anschließenden "Allegro con brio ed appassionato" hinführt. Dessen Thema ist ebenso kämpferisch angelegt und gibt der musikalischen Gestaltung in allen Veränderungen eine optimistische Haltung, die sich auch im C-Dur-Schlussakkord äußert. Die nachfolgende "Arietta" dagegen startet mit einem einfachen gesanglichen Thema, das zwar selbstverständlich in manchen Veränderungen durchaus verkompliziert wird, aber doch in seiner Gefühlstiefe den absoluten Gegensatz zum heftigen Kopfsatz darstellt.

Die drei letzten Sonaten Beethovens sind eine Herausforderung für jeden Pianisten. Stephan Möller hat sie mit vollem Einsatz bewältigt.

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