08.02.2019 - 10:38 Uhr
NittenauOberpfalz

Vom OP-Saal auf den Bauernhof

Ina Doll hat vor Jahren ihren Traumjob gefunden – bei einem Augenarzt. Als sie dann ihren Mann kennen lernt, zieht sie auf den Bauernhof. Sie erzählt, was sie vermisst und warum das Dasein als Jungbäuerin sie glücklich macht.

Ina Doll hat Reh Rosi mit dem Fläschchen aufgezogen. Heute macht es sich das Tier bei schlechtem Wetter gerne im Wintergarten bequem.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Jungbäuerin zu sein – das hat etwas. Wer kann schon behaupten, ein Haus-Reh namens Rosi zu haben? Ina Doll aus Harthöfl (Nittenau, Landkreis Schwandorf) hat das Rehlein mit der Flasche aufgezogen. Ihr Mann Florian Doll (36) hat es beim Mähen gefunden. Das Bein von Rosi war verletzt. Es musste amputiert und die Wunde versorgt werden. Die 33-Jährige hat das Tierchen aufgepeppelt. Und weil just zu der Zeit, als Rosi zu den Dolls stieß, sich Hund Kira ein Bein gebrochen hatte, verbrachten Rehkitz und der Mischling (Australian Shepherd/Border Collie) die Genesungszeit zusammen.

Inas Leben hätte aber auch ganz anders verlaufen können. Sie ist in Wackersdorf geboren und aufgewachsen. Nach der Schule arbeitet sie bei einem Augenarzt in Schwandorf. Es folgten einige Jahre in Regensburg. Wieder in einer Praxis. Irgendwann sagt sie sich: „Das kann es nicht sein. Immer nur an der Anmeldung zu sitzen.“ Als sie die Gelegenheit bekommt, im Operationssaal beim Schwandorfer Augenarzt zu arbeiten, überlegt sie nicht lange und fängt dort an. Ihr Traumberuf, der sie erfüllt und glücklich macht.

Erstes Jahr "die Hölle"

Aber die Liebe funkt dazwischen. Im Internet lernt sie ihren Mann Florian kennen. „Ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass das etwas wird“, sagt Ina. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis sie nach Harthöfl zieht. Erst wohnen beide im Kinderzimmer des Elternhauses von Florian. Nebenan steht aber bereits der Rohbau. Florian macht das Haus in Eigenregie flott. Das Liebespaar zieht bald darauf ein. Im Mai 2016 heiraten beide, im Oktober beendet sie ihren Traumjob im OP.

„Das erste Jahr auf dem Hof war die Hölle“, verrät Ina. Nicht etwa, weil es ihr in Harthöfl, das etwa sechs Kilometer von der Nittenauer Ortsmitte entfernt liegt, nicht gefällt. Die 33-Jährige plagen alle möglichen Allergien. Pollen und Tierhaare machen ihr das Leben schwer. Eine Hypersensibilisierung beim Arzt schlägt nicht an. Nach ein paar Monaten gewöhnt sich Inas Körper aber an die neue Umgebung. Anfangs kümmert sich Ina vor allem um das Haus und die Feriengäste. Mittlerweile ist sie eine Vollblut-Jungbäuerin. Sie steht morgens auf und arbeitet im Stall. Nach dem Frühstück arbeitet sie im Hofladen. Auch sonst gibt es immer etwas zu tun. „Ich bin gut beschäftigt. Seit ich auf dem Hof wohne, kenne ich das Wort Langeweile nicht mehr“, sagt sie. Nur mit einer Sache kann sie sich nicht anfreunden: „Schlachten ist mir noch immer ungeheuer.“ Das Geflügel und die Schweine zerlegen – damit hat sie hingegen kein Problem.

Schwiegereltern helfen mit

So ein Jungbäuerinnen-Dasein hat es in sich. Die Tiere haben immer Hunger, auch am Sonntag. Die Ferkel kommen meistens am Wochenende zur Welt. „Es ist aber nicht so, dass wir nichts machen können“, sagt Ina. Wenn sie und ihr Mann ausschlafen wollen, weil es auf einer Geburtstagsfeier länger geworden ist, kümmern sich die Schwiegereltern um die Tiere. Die Hochzeitsreise führte Ina und Florian Doll sogar vier Wochen nach Australien. Das geht. „Wenn auch nur im Januar, wenn es auf dem Hof ruhiger ist“, erklärt die 33-Jährige. Der Hofladen macht zu der Zeit Winterpause, es kommen keine Feriengäste.

Das Leben am Hof gefällt Ina. Sie klagt aber auch: „Ich vermisse, dass ich nicht mehr so schnell irgendwo bin. Ich brauche immer ein Auto.“ Und über ihren Traumjob, den sie aufgegeben hat, sagt Ina: „Was mir fehlt: Beim Augenarzt hatte ich ein gutes Fachwissen. Das kann ich jetzt nicht mehr anwenden.“ Dafür kann sich die 33-Jährige heute die Arbeit frei einteilen. Anders könne sie es sich gar nicht mehr vorstellen. Und die Tierliebhaberin hat Gänse, Enten, Lämmer und Pferde um sich. Zum Streichelzoo zählen Hasen, Esel und Ziegen. „Wie haben quasi alle Viecher – außer Kühe.“ Im Wintergarten hat es sich gerade Reh Rosi gemütlich gemacht. Mit Bambi-Augen blickt es liegend in den verschneiten Garten.

Zu Besuch bei Jungbäuerin Ina Doll

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.