28.09.2018 - 15:44 Uhr
NittenauOberpfalz

"Starke Frauen" und ihre Wege

Drei Generationen Frauen auf einem Hof: Wie klappt das, wie gestalten die Landfrauen Leben und Unternehmen? Kreisbäuerin Sabine Schindler lässt sie in ihrem Buch 15 "Starke Frauen" ihre ganz persönlichen Geschichte erzählen.

Kreisbäuerin Sabine Schindler stellt das neue Buch "Starke Frauen" vor, das zum 70-jährigen Bestehen den Fokus auf die Landfrauen im Landkreis lenkt.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Landfrauen im Landkreis haben sich vor 70 Jahren unter dem Dach des Bauernverbands zusammengetan, die ersten Ortsbäuerinnen gewählt. "Damals war die Rolle der Frau noch sehr festgelegt", sagt Sabine Schindler, auf den Höfen waren die Bäuerinnen aber schon immer als Managerinnen gefragt. Da war natürlich die Arbeit auf dem Hof, dazu der Haushalt, und der Garten vor dem Haus, der auch dazu beitrug, dass etwas auf den Tisch kam. "Ich glaube, dass die Bäuerinnen damals auch schon tougher sein mussten", meint Schindler mit Blick auf die Geschichten, die sie mit ihrer Schwester Cornelia Hagmeier und der freien Autorin Karin Bischoff aus Nittenau zusammentrug.

Fünf Höfe im Blick

Das 70-jährige Bestehen der Landfrauen war für Schindler der Ansporn für das Buchprojekt. Und: Es sollte kein Koch- oder Backbuch sein. "Das verbindet jeder mit uns", sagt Schindler, "das war mir zu platt". Die Idee mit Geschichten über Höfe, auf denen drei Generationen Frauen ganz unterschiedliche Rollen übernehmen, wurde Ende 2017 geboren. "Da spielt sicher meine Ausbildung als Sozialpädagogin eine Rolle", fügt Schindler im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien hinzu. Es habe einige Zeit gedauert, bis dann fünf Höfe gefunden waren, mit 15 starken Frauen, die ihre Geschichten erzählen wollten. Am Almenhof der Familien Gröninger, Zimmermann und Graf, (Maxhütte-Haidhof), am Blaisslhof der Familien Feuerer und Stangl in Pottenstetten (Burglengenfeld), auf dem Anwesen der Familie Dirnberger in Muckenbach (Nittenau), auf dem Haflingerhof der Familie Doll/Faltermeier in Harthöfl (Nittenau) und auf dem Simmernhof der Familien Schwanzl, Marquart und Weiherer in Mossendorf (Burglengenfeld) wurde das Autorentrio schließlich fündig.

Den Kapiteln sind kurze Porträts der Höfe vorangestellt. Schon diese zeigen, wie die Familien aus meist kleinen Anfängen nach dem Krieg neue Wege suchten, um ihren Betrieb in die Zukunft zu führen. Ob als Milchvieh- und Ackerbaubetrieb, ob als Bio-Hof mit Direktvermarktung, ob mit Mutterkuhhaltung oder als Gastgeber für Feriengäste. So verschieden die Wege, eines wird beim Blick in die 15 Geschichten schnell klar: Immer spielen die Frauen wichtige Rollen. Offen erzählen sie von Problemen, aber natürlich auch von glücklichen Momenten. "Die Frauen haben extrem tief blicken lassen", erzählt Schindler. Das nötigt Respekt ab, ebenso wie die Geschichten, die die Frauen erzählen - egal ob die 94-jährige Theresia Schwanzl vom Simmernhof auf Kriegserlebnisse blickt oder die 33-jährige Ina Doll eindrucksvoll ihrer Weg von der Arzthelferin zur Jungbäuerin schildert.

Zu den Gesprächen gehörte auch ein Blick ins Familienalbum, viele Bilder fanden den Weg ins Buch. Die Menge an Material zu sichten und in Form zu bringen, nahm viel Zeit in Anspruch. "Das war ein Wahnsinn", erzählt Schindler. Schließlich bekam jede der Frauen zehn Seiten Platz. Beim Layout und der Druckvorbereitung stand der DLV-Verlag den Autoren zur Seite. Das Buch ist das erste Projekt des "Landfrauenvereins Schwandorf e.V.", den Schindler mit aus der Taufe gehoben hat, und in dem ähnliche Projekte künftig gebündelt werden sollen.

Zwei Ministerinnen

Ohne Sponsoren wäre das Projekt nicht zu verwirklichen gewesen, erzählt Sabine Schindler. Besonders stolz ist die Kreisbäuerin auf die Widmung, die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber geschrieben hat. Staatsministerin a.D. Emilia Müller hat die Einleitung verfasst. Dr. Birgit Angerer, die Leiterin des Oberpfälzer Freilandmuseums, erinnert im Schlusswort daran, dass Frauen erst seit 1977 ohne Erlaubnis ihres Mannes erwerbstätig sein dürfen. "Aber was Verantwortung und Arbeit angeht, waren die Frauen den Männern schon immer gleichberechtigt", schreibt Angerer. Die Porträts im Buch belegen das Zeile für Zeile.

Auf dem Titelbild des neuen Buchs sind drei Generationen der Familie Schindler zu sehen. Von links Kreisbäuerin Sabine Schindler (35), ihre Tochter Johanna (6) und Josefa Schindler (70).
Das Buch:

Neues Buch der Landfrauen

Herausgeber des Buchs "Starke Frauen - Gemeinsame Wege in die Zukunft" ist der Landfrauenverein Schwandorf e.V. Das Buch kostet 19,50 Euro, 2 Euro gehen direkt an die Aktion "Sternstunden". Auch der weitere Erlös wird einem sozialen Zweck zukommen. Das Buch (167 Seiten, Auflage 2000 Stück) wird unter anderem in der BBV-Geschäftsstelle, bei den Bauernmärkten und im Buchhandel (ISBN: 978-3-00-060684-7) erhältlich sein. (ch)

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