12.10.2021 - 15:42 Uhr
Oberbernrieth bei WaldthurnOberpfalz

"Namenloser" heißt nun Schönwerth-Brunnen

Trotz kaltem böhmischen Wind aber bei herrlichem Sonnenschein waren viele Gäste nach Waldthurn gekommen. Es galt, einem Brunnen einen großen Namen zu verleihen.

Pfarrer Norbert Götz segnet den Schönwerth-Brunnen. Zuvor hielt Georg Schmidbauer (rechts) aus Oberbernrieth die Festansprache.
von Franz VölklProfil

„Einem großen Landsmann, dem Oberpfälzer Volkskundler Franz-Xaver Schönwerth wollen wir heute diesen bisher namenlosen und fälschlicherweise als Schnabelbrunnen bezeichneten, wunderschönen Brunnen widmen“, sagte der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) und Heimatforscher Georg Schmidbauer aus Oberbernrieth. Die Marktgemeinde hatte zum Festakt der offiziellen Einweihung mit Anbringen von Schönwerth-Tafeln an die Straße von Waldthurn nach Oberbernrieth eingeladen.

Unter den Gästen war auch der Ersteller der neu gestalteten Brunnentafeln Josef Forster, weitere Mitglieder des HAK und Johann Maurer aus Neuenhammer, Beisitzer der Schönwerth-Gesellschaft ist. „Ich gratuliere zu diesem schönen Brunnen, der auch Werbung für unseren Schönwerth-Sagenweg in Neuenhammer ist“, schwärmte Maurer. Schmidbauer hielt vor der Enthüllung des Brunnens und der Schönwerth-Tafeln durch Bürgermeister Beimler und Maurer die Laudatio. Schmidbauer habe sich schon oft beim Vorbeifahren gewundert, warum dieser hübsche Brunnen, der auch ideal zum Verweilen einlädt, keinen Namen hat. „Und so kam mir in einer stillen Stunde die Erleuchtung, ihn nach Schönwerth, einen herausragenden, leider aber fast vergessenen Oberpfälzer zu benennen“.

Oberpfälzer Sitten und Sagen

Der Redner stellte kurz den 1810 in Amberg geborenen Schönwerth, der Rechtswissenschaften studierte, Privatsekretär und später Hofsekretär des Kronprinzen Maximilian wurde und so ein bayerischer Spitzenbeamter war, vor. Schönwerth hatte den Wunsch, Sitten und Sagen seiner Oberpfälzischen Heimat zu erforschen und zu sammeln – von der Wiege bis zur Bahre. Kinderspiele, Reime, Sprichwörter, Redensarten und vor allem Sagen und Märchen von denen er 500 aufzeichnete.

Schwerpunkte waren Sagengestalten wie die Wilde Jagd, feurige Männer, Holz- und Wasserweiblein, Zwerge und vieles mehr. Der Fokus lag dabei im Gebiet der heutigen Gemeinden Georgenberg, Waldthurn und Pleystein, die man auch Schönwerth-Land bezeichnet. Öfters und längere Zeit weilte Schönwerth beim befreundeten Hammergutbesitzer Michael Rath, dessen Tochter Maria er später in Neuenhammer heiratete und mit der er acht Kinder hatte. 1857 erschien der erste Sammelband „Aus der Oberpfalz – Sitten und Sagen“ – zwei Bände folgten. 1886 starb Schönwerth. Sein Grab ist in München, das Grabdenkmal ist heute noch erhalten.

Brunnen gesegnet

Schmidbauer gab die Antwort auf die Frage, worin nun der große Verdienst von Schönwerth liegt. „Er hat mit seinen Sammlungen und Forschungen geradezu Unglaubliches geleistet und bietet uns dadurch auch heute noch einen umfassenden Einblick in das Denken und Arbeiten der bäuerlichen Bevölkerung im 19. Jahrhundert“.

Wir wollen heute um die Verdienste von Schönwerth ein Zeichen setzen und ich danke Georg Schmidbauer, der die oft kompliziert geschriebenen Märchen dieser Zeit umschrieb und den heutigen Schulkindern präsentiert“, ergänzte Bürgermeister Beimler.

Pfarrer Norbert Götz segnete nach der Enthüllung den Brunnen und erklärte, dass der Schwiegervater von Schönwerth, Michael Rath auch in Freudenberg, der früheren Wirkungsstätte des Geistlichen, gewirkt habe.

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Waldthurn

 

 

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