Bodensteiner stellte der Kinderschar, die sich in Ingrid Schmidts Klassenzimmer versammelt hatte, Hans Karl vor. Vor der großen Tafel hatte dieser den Platz eines Lehrers eingenommen. Doch bevor mit dem "Unterricht" begonnen werden konnte, erinnerte Ingrid Schmidt an das Sommerfest 2018 mit einer besonderen Aktion mit Punktevergabe. "Ihr habt viele Punkte gesammelt und damit viele Spenden bewirkt", bescheinigte sie den Schülern. Ein Teil davon sei für eine Südamerika-Aktion bestimmt gewesen. Über den "guten Zweck" des verbliebenen Teils habe die Schule entscheiden können. Dabei nannte die Lehrerin Karls Balkanhilfe, der nun auch der Erlös des weihnachtlichen Schokoladenverkaufs zufließen soll.
Dann erteilte Karl - der Balkanreisende aus Kirchenthumbach - einen besonderen Sozialkundeunterricht. Seit 37 Jahren ist er als "Helfer der Menschheit" unterwegs. Er berichtete von ersten Hilfslieferungen nach Polen und von seiner 1990 erfolgten Neuorientierung infolge des Balkankrieges. Er schilderte die Situation von geflüchteten und vertriebenen Volksgruppen im ehemaligen Jugoslawien und fand zustimmendes Nicken zu seiner Bemerkung "Ich hoffe, dass euch nie so etwas geschieht." Karl erzählte außerdem von seinen aktuellen Schwerpunkten, die ihn jährlich sechsmal in den Balkan führen und ihn auf die ärmliche Dorfschule von Tukje in den Bergen im Kosovo aufmerksam machten.
Er beschrieb die primitiven Verhältnisse und wirtschaftliche Situation der Familien. Darin sah er den Grund, dass Kinder ohne Frühstück zur Schule gehen müssen. Unter Hinweis auf die Sommerfestaktion und die damit verbundene Spende von 370 Euro bescheinigte Karl den Oberbibracher Schülern: "Ihr habt einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Kinder in Tukje seit September 2018 vor Unterrichtsbeginn ein Frühstück erhalten." Als Ingrid Schmidt anschließend die Tafel aufklappte, wurde ein Aquarell sichtbar, das die Oberbibracher Schule zeigte, "eingerahmt" von den Fingerabdrücken der Schüler. Karl war von deren Engagement begeistert und versicherte, das Bild sowie die auf der Rückseite angehefteten 150 Euro persönlich in Tukje zu übergeben. Die Schilderung über die Schulverhältnisse in Tukje führte unter den Schülern zu dieser Reaktion: "Bei der nächsten Aktion bringe ich mein Taschengeld mit und sag's auch meiner Mama" oder "Ich mache jetzt Handarbeiten und spende den Verkaufserlös." Schmidt kündigte weitere Aktionen zugunsten Karls Balkanhilfe an.













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