02.03.2020 - 13:40 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

"Hervorragendes Programm"

Was 2002 mit der Mittagsbetreuung von acht Kindern begonnen hatte, ist zu einer viel beachteten Institution und Erfolgsgeschichte geworden: Der Verein „Hängematte“ ist ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Bildungswesens in der Gemeinde.

Gabi Fraunholz (hinten, rechts), Gründerin und Vorsitzende des Vereins "Hängematte", informiert Vertreter der FWG Vorbach/Oberbibrach/Höflas über die täglichen Herausforderungen in der Offenen Ganztagsschule.
von Externer BeitragProfil

Die "Hängematte" bietet in der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Grundschule Oberbibrach ein Programm, das weit über die Anforderungen hinausgeht und wohl beispiellos ist, wie mehrere Lehrer übereinstimmend bestätigen. Dadurch wird berufstätigen Eltern die Gewissheit geboten, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Deshalb war es für Vertreter der Freien Wählergemeinschaft Vorbach/Oberbibrach/Höflas (FWG) um Ortsvorsitzenden und Bürgermeisterkandidat Manfred Plößner laut Pressemitteilung selbstverständlich, sich einmal ein Bild vor Ort zu machen.

Gabi Fraunholz, die Vorsitzende des Vereins "Hängematte", sowie Erzieherin Nadine Prösl und Studentin Laura Rodler informierten Plößner sowie Manfred Hörl, Martin Kräml, Susanne Hösl und Karin Steuber über das Programm und die Herausforderungen bei der täglichen Arbeit. Anfänglich sei man von Teilen der Bevölkerung schon kritisch beäugt worden, erinnerte sich Fraunholz. Sie hatte vor 19 Jahren mit anderen interessierten Müttern aus dem Elternbeirat heraus einen gemeinnützigen Verein gegründet und so die Mittagsbetreuung ins Leben gerufen: „So etwas gab es damals noch nicht, und viele vertraten noch die Ansicht, dass Mütter doch bei den Kindern bleiben sollten."

Die von Schuljahr zu Schuljahr steigenden Anmeldungen gaben ihr aber Recht, so dass bald eine verlängerte und dann die qualifizierte Mittagsbetreuung bis 15.30 Uhr entstand. Die Arbeit des Vereins fand zum Schuljahr 2015/2016 dann sogar Anerkennung seitens der Regierung der Oberpfalz: Als eine von zwei Schulen im Landkreis startete an der Grundschule Oberbibrach ein Pilotprojekt zur Offenen Ganztagsschule. Die Wahl fiel vor allem deshalb auf den kleinen Schulstandort, weil hier bereits seit Jahren durch Fraunholz und ihre Mitstreiterinnen beste Voraussetzungen geschaffen worden waren. Die OGS besteht bis heute.

Im aktuellen Schuljahr nehmen 33 Kinder - und damit etwa jeder zweite Grundschüler - das Angebot der "Hängematte" wahr, teilte Fraunholz mit. Insgesamt seien 15 qualifizierte Fachkräfte, Lehrer und Hauswirtschafterinnen beschäftigt. „Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir nicht nur Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Zeit zum Spielen bieten. Wir haben unser Programm zudem durch eine Vielzahl an Kursen ausgebaut, in denen die Kinder ihre Interessen entdecken und weiterentwickeln können. Das kommt bei den Eltern an“, sagte die Vorsitzende.

Das Zusatzangebot umfasse unter anderem Musik, Tanzen, Englisch-Förderung von Klasse 1 bis 4, Leseförderung und eine an den Stundenplan angepasste Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik, erläuterte sie. Auch einen „Kreativclub“, in dem zu jahreszeitlichen Themen gebastelt, gemalt oder gebacken wird, und einen „Forscherclub“, der die Kinder spielerisch an naturwissenschaftliche Themen heranführt, gibt es in der "Hängematte".

Besonders wichtig sind Fraunholz Sport und Bewegung: „Es ist ja klar, dass viele Kinder sich nach sechs Stunden Unterricht und der Erledigung der Hausaufgaben erst einmal richtig auspowern wollen.“ Dazu werde neben dem freien Spielen - etwa am nahegelegenen Fußballplatz - auch ein Kurs mit Breitensport angeboten, merkte sie an. Weniger bewegungsintensiv, aber dafür umso wichtiger für die Schulung von Koordination, Körperspannung und Konzentration sei das Bogenschießen: „Nachdem wir einen Schnupperkurs angeboten hatten, waren viele Kinder so begeistert davon, dass wir es fest im Programm aufgenommen haben“, berichtete die Vorsitzende.

Seit Einführung der Offenen Ganztagsschule sei das Angebot kostenlos, nur zu Musikunterricht und Bogenschießen müssen die Eltern etwas beisteuern, fügte sie hinzu. Allerdings spare man sich durch das Programm vor Ort zusätzliche Fahrten in Musikschulen, und somit auch Geld und Zeit. Finanziert werden die Extrakurse vor allem durch Spenden. Aber auch die Bürgermeister der Gemeinden Vorbach und Schlammersdorf, Werner Roder und Gerhard Löckler, zeigten sich stets bereit, den Verein zu fördern, würdigte Fraunholz.

Sehr gerne sie auch Fußball- und Tenniskurse anbieten, allerdings sei es nicht einfach, dafür geeignete Übungsleiter zu finden. Davon entmutigen lässt sich die Vorsitzende aber nicht. Sie kündigte auch fürs nächste Schuljahr wieder neue Angebote an. Es dürfe aber keineswegs als gesichert angesehen werden, dass es im nächsten Jahr eine offene Ganztagsbetreuung geben werde, betonte sie zugleich: „Wir haben in diesem Schuljahr gerade so die benötigte Mindestzahl an Kindern erreicht; das wird aber an einer kleinen Schule wie Oberbibrach immer so sein.“

Von den 33 Kindern, die die "Hängematte" besuchen, dürfe man sich nicht blenden lassen, denn es gehe vielmehr um den statistischen Terminus „Zählkind“, erläuterte Fraunholz: Ein „Zählkind“ sei dann erreicht, wenn ein Kind von Montag bis Donnerstag jeweils bis 16 Uhr in der Offenen Ganztagsschule ist. Besuche ein Kind diese nur an zwei Tagen, dann zähle es als „halbes Zählkind“. Somit sei es jedes Jahr zum Schuljahresbeginn wieder spannend, ob die benötigte Mindestanzahl von 14 "Zählkindern" erreicht werde.

Die FWG-Vertreter zeigten sich beeindruckt und hatten noch viele Fragen an Gabi Fraunholz. „Es ist absolut klar, dass die Gemeinde der 'Hängematte', die solch ein hervorragendes Programm anbietet, finanziell unter die Arme greift“, betonte Manfred Plößner. Martin Kräml zeigte sich erstaunt darüber, mit welch geringen Mitteln hier Großartiges geschaffen werde. Ihn beeindruckte zudem das familiäre Ambiente.

Besonderes hatte abschließend Manfred Hörl zu berichten: Seine Tochter Sabrina, die einst selbst die "Hängematte" besuchte, absolviert nun gerade ein Praktikum dort. Eine gute Gelegenheit, sich ein umfangreiches Bild vom Angebot der "Hängematte" zu machen, gibt es am Donnerstag, 19. März, ab 13.15 Uhr beim Tag der Offenen Tür.

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