05.04.2019 - 09:39 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Den Kreislauf der Gewalt durchbrechen

Auch in Familien wird gedroht und misshandelt. Dann heißt es besonders für Frauen und Kinder: Was kann ich tun? Wo kann ich hin? Aufklärung bieten beim Katholischen Frauenbund zwei Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Weiden.

Mit einer Täter-Opfer-Szene demonstrieren Mitglieder des Katholischen Frauenbundes Gewalt in den eigenen vier Wänden.
von Robert DotzauerProfil

Eingeschüchtert und verstört kommen oft Mütter mit ihren Kindern ins Frauenhaus Weiden - auf der Flucht vor Männergewalt. Diese hat viele Gesichter. Sie äußert sich in Misshandlungen, Demütigungen, Vergewaltigung, Entzug von Haushaltsgeld, Drohungen und vielem mehr. Schutz, Zuflucht und Unterstützung finden die Betroffenen im Frauenhaus.

Beim Frauenfrühstück informierten Enikö Nagy, die Leiterin des Frauenhauses Weiden, und ihre Mitarbeiterin Astrid Baierl über Gewaltsituationen in den eigenen vier Wänden und über die Möglichkeiten, Frauen und Kinder dauerhaft aus diesen Horrorszenarien zu befreien. "An einem Ort, wo man sich eigentlich sicher fühlen sollte, ist die Gewalt oft Realität": Nagy berichtete von geschätzt 139 000 Menschen in Deutschland allein 2018 - mit 82 Prozent ganz überwiegend Frauen - die von Partnerschaftsgewalt in ihrem Zuhause betroffen seien. Niemand wisse ganz genau, was in den Wohnungen passiere. Und man müsse mit einer hohen Dunkelziffer rechnen, sagte die Sozialpädagogin.

Dass Frauen Schutz brauchen und dass endlich mit der Familienromantik Schluss sein müsse, davon handelte der Kurzvortrag der beiden Expertinnen. Der Erfahrungsschatz aus Lebensgeschichten zahlreicher Frauen ist hoch, wie sich im Laufe des Referats herausstellen sollte. Doch vorher waren die Frühstücksgäste des Katholischen Frauenbundes gefordert, durch Gesten ein Täter-Opfer-Verhältnis zu demonstrieren. Ein Kurzfilm mit dem Leitgedanken „Himmel versprochen – Hölle erlebt“ bereicherte die Informationen.

Anschließend beschrieb Astrid Baierl typische Fallbeispiele der Partnerschaftskonflikte mit einem geschätzten Gewaltpotenzial in den Familien von 25 Prozent. Es brauche für die Betroffenen aus Angst vor einer ungewissen Zukunft oft einer langen Findungsphase, um diesen Gewaltkreislauf zu durchbrechen und sich an das Frauenhaus zu wenden. „Wer dann kommt, findet Ruhe und Erholung, hat in einer zwanglosen Wohngemeinschaft Zeit, sich für einen Neuanfang in Freiheit und ohne Angst vorzubereiten“, versicherte die Referentin.

Die Frauenhaus-Mitarbeiterin schilderte die Betreuung beginnend mit einer Krisenintervention, erläuterte die Unterstützungsmöglichkeiten bei der Vergangenheitsbewältigung und zeigte die Möglichkeiten zur Erarbeitung neuer Lebensperspektiven auf. Meist gehe es allerdings erst darum, den Frauen den Leidensdruck nach einer oft lange währenden psychischen und physischen Gewalt zu nehmen. Eine psychosoziale Begleitung mit vermittelnden Informationen zu Trennungsthemen sowie dem Sorge- und Umgangsrecht sei dabei ebenso hilfreich wie die Ermunterung zur Hilfe zur Selbsthilfe.

„Eine Entscheidung, wie es weiter gehen soll, muss die Frau selber treffen“, betonte Baierl. Trotzdem warnte sie in dieser Findungsphase vor verdächtig reumütigen Partnern: „Plötzlich zeigen sich die verlassenen Männer von ihrer besten Seite und beeindrucken durch wunderbare Veränderungen.“ Dieses Szenario an Versprechungen sei jedoch oft die pure Heuchelei und führe mit dem Gedankengang „kein Mensch ist nur schlecht“ zu Irritationen bei den leidtragenden Frauen. In diesem Zusammenhang hielt die Referentin auch eine Männer-Beratung für förderlich.

Tragisch nannte die Sozialarbeiterin die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf den Nachwuchs: „Kinder sind immer betroffen.“ Deshalb stehe im Frauenhaus ein eigener Ansprechpartner für Kinder bereit. Fatalerweise wiederholten sich oft in der Generationenfolge belastende Kindheitserlebnisse, machte Baierl deutlich. Diesen Zyklus zu durchbrechen, sei ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Frauenhauses.

Abschließend ermunterte sie ihre Zuhörerinnen, bei zu beobachtenden Verdachtsfällen häuslicher Gewalt nicht wegzusehen und wegzuhören, sondern die Polizei oder das Jugendamt zu verständigen. Auch ein persönliches Gespräch mit Familienangehörigen ohne gleich den Verdacht auf Einmischung zu erwecken, sei manchmal dem Frieden förderlich. Abschließende Hinweise galten der Förderung des Frauenhauses durch den Freistaat, die Kommunen und das Diakonische Werk.

Dickes Lob ernteten die ehrenamtlichen Kräfte. „Ohne die Bereitschaft vieler ehrenamtlicher Helfer wäre das Frauenhaus nicht finanzbar“, erklärte Leiterin Enikö Nagy. Deshalb freue sich das Diakonische Werk als Träger der Einrichtung über jede Spende. Gesagt, getan: Frauenbund-Sprecherin Irmi Bauer überreichte zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Gisela Ruder und Christa Schmidt 300 Euro.

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