31.01.2020 - 14:37 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Miteinander statt übereinander reden

Der Wunsch nach einem fairen Miteinander der Ortsteile prägt das Bürgergespräch des CSU-Ortsverbands im Oberbibracher Schlützenhaus. "Weg mit den Grabenkämpfen und mehr Zusammenarbeit", lautet die Forderung.

"Die Gemeinde Vorbach hat tolle CSU-Leute", findet Speinsharts Bürgermeister Albert Nickl (rechts) bei der Vorstellung der Kandidatenliste zur Kommunalwahl 2020 beim Bürgergespräch im Schützenhaus Oberbibrach. Bürgermeisterkandidat Alexander Goller hört das gerne.
von Robert DotzauerProfil

Gute Stimmung herrschte im Gastraum der Schützengesellschaft St. Sebastian. Circa 70 Zuhörer drängten sich auf Einladung des CSU-Ortsverbandes im Lokal, als Bürgermeisterkandidat Alexander Goller das Bürgergespräch eröffnete. Mit Blick auf die Kommunalwahlen begann auch in der Gemeinde Vorbach die heiße Wahlkampfphase. Doch von „Kampf“ konnte bei der Veranstaltung keine Rede sein: Die Teilnehmer, darunter auch Vertreter der Freien Wähler, übten sich in Sachlichkeit.

Es waren vier Schwerpunktthemen, die der CSU-Bürgermeisterkandidat unters Wahlvolk brachte: Alexander Goller setzte dabei Zeichen für Heimat, Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit. Zunächst ging es dem Kandidaten aber um ein gutes Verhältnis zwischen den Ortsteilen, das ein wichtiger Baustein für das Zusammenleben sei. Wenn er das Wort "Heimat" empor halte, sei das keine pathetische Floskel, sondern ein Lebenselixier für die Dörfer. Darin stecke viel Potenzial, um Ortschaften und Einwohner stärker zusammenzuführen.

Zu den Kernthemen gehörte die große Dorferneuerung in Oberbibrach, die für Goller hohe Priorität genießt. „Aber die Bürger müssen beteiligt werden“, forderte er. Eine intensive Begleitung des Projekts durch Workshops, Bürgergespräche und schließlich akzeptable staatliche Förderung auch für private Sanierungsmaßnahmen nannte er als Grundvoraussetzung für ein Gelingen. Der Bürgermeisterkandidat plädierte auch für die Beteiligung der Vereine und die Prämierung von guten Vorschlägen.

Auf der Agenda stand als zweites Schwerpunktthema eine Vorreiterrolle der Gemeinde für die Beförderung der Mädchen und Buben zum Kindergarten in Schlammersdorf. Im Gegensatz zu den bestehenden Gemeinderatsbeschlüssen sprach sich Goller für die Wiederbelebung der Kita-Fahrten aus und empfahl dafür den Einsatz eines Elektrobusses. Er versprach eine Finanzierung in Verbindung mit regionalen Unternehmen. Auch eine Ladestation werde zur Verfügung gestellt. Aus diesen Anfängen könne sich möglicherweise auch ein klimaneutraler Kindergarten entwickeln.

Zur Schulwegsicherheit äußerte der Redner den Wunsch nach einem vorrangigen Ausbau des bereits beschlossenen Radwegekonzepts zwischen Oberbibrach und Schlammersdorf. Eine baldige Einbindung in das Radwegenetz empfahl er auch für den sogenannten Marterlweg. Den Schulstandort festigen und die Schulsportanlagen attraktiver gestalten, hieß es beim nächsten Schwerpunktthema. Die Grundschule in Oberbibrach zu sichern und das Kooperationsprojekt mit der „Hängematte“ zu stärken, gehöre zu seinen Herzensangelegenheiten.

Der Verlagslektor und Universitätsdozent sah zudem viel Potenzial für die Unterstützung einer starken Vereinswelt. Abschließend versicherte er Gesprächsbereitschaft mit jedermann. Die berufliche Tätigkeit mit flexibler Zeiteinteilung ermögliche ihm ein Arbeiten von zu Hause aus, erklärte der Bürgermeisterkandidat. Umso mehr gelte für ihn der Anspruch, die zeitlichen Freiheiten für die Einwohner zu verwenden.

Breiten Raum nahm die persönliche Vorstellung der 24 CSU-Gemeinderats- und 3 -Kreistagskandidaten ein. Alexander Goller bescheinigte dem Team nicht nur mit Blick auf das Alter eine gute Mischung mit viel beruflicher und ehrenamtlicher Kompetenz. Auch in den Vorschlägen und Wünschen der Kandidaten spiegelte sich diese Vielfalt wieder. Wünsche nach einer gerechteren Behandlung aller Ortsteile ergänzten sich mit Forderungen, die unterschiedlichen Meinungen zum Wohl der Gemeinde zusammenzuführen, den geforderten Kita-Elektrobus auch als Transportservice für Arztbesuche zu nutzen, das Vorbacher Ferienprogramm um Angebote von "Learning Campus" zu ergänzen, die Grabenkämpfe zwischen Vorbach und Oberbibrach zu beenden, die Anstrengungen zur Digitalisierung der Grundschule zu verstärken und den Nahrungsmittel-Kreislauf in der Region zu fördern.

In diesem Zusammenhang ließ Gemeinderat Martin Wiesend aufhorchen. Der Oberbibracher forderte, den liebgewonnenen Dorfladen in Vorbach aus dem Defizit zu führen: „40 000 Euro Minus, und das jedes Jahr, sind für die Gemeinde ein untragbarer Zustand.“ Zur Minimierung der Verluste schlug er ein Trägerkonzept in neuer nichtöffentlicher Rechtsform vor. Zudem empfahl er allen Bürgern, die Angebote des Dorfladens stärker zu nutzen: „Der Laden braucht mehr Akzeptanz.“

In der kurzen Diskussion verwies Josef Busch auf den zunehmenden Bürokratieaufwand, der den Vereinen auferlegt werde. Ohne Rechtsschutz gehe fast nichts mehr. „Da macht ehrenamtliche Vereinsarbeit keinen Spaß“, erklärte Busch. Zudem verwies er auf die Geldverschwendungen des Staates in den Großstädten. Dort zahle die öffentliche Hand Riesensummen für alle möglichen Theater, während auf dem Land das ehrenamtliche Engagement das kulturelle und gesellschaftliche Leben garantiere.

Auch zum Dorfladen gab es Wortmeldungen. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass sich der Laden zu keinem Gewinngeschäft entwickeln werde: „Aber er kommt der Allgemeinheit zugute.“ Als Rezept zur Verlustminimierung schlug Alexander Goller vor, mehr ehrenamtliche Kräfte zur Mithilfe zu bewegen und und auch regionale Produkte ohne Verpflichtungen gegenüber Einkaufsgenossenschaften anzubieten. Gemeinderätin Marga Kreutzer bedauerte das Defizit ebenfalls. „Aber jetzt es er nun einmal da“, sagte sie und appellierte an alle, „die einmal Feuer und Flamme für den Dorfladen waren“, nicht auswärts einzukaufen.

Ratsmitglied Sebastian Pittner verwies bei Wiedereinführung des Kindergartenbusses auf Folgekosten von jährlich mindestens 25 000 Euro unter anderem für die Bezahlung der Busfahrer und den Unterhalt des Fahrzeugs. Für den CSU-Bürgermeisterkandidaten ist dies aber kein Ausschlussgrund, weil es sich um eine gute Investition und um eine kommunale Aufgabe handele.

Im Blickpunkt:

Starkes Ehrenamtsbewusstsein prägt die Dörfer

In einem kurzweiligen Statement würdigte Gastredner Albert Nickl den Einsatz der Bürger für eine starke Region. Dieses Engagement spiegele sich auch in der Bereitschaft vieler Menschen wieder, kommunale Verantwortung zu übernehmen. Als positives Zeichen wertete der stellvertretende Landrat das zunehmende Bestreben junger Leute, in die Region zurückzukehren. „Der Lebensstandard nimmt besonders auf dem Land zu“, hob er hervor.

Bei der Kandidatenvorstellung staunte Nickl über die vielen guten Ideen und stellte fest: „Alexander Goller und seine Mannschaft können es.“ Auf die Erfolge des Landkreises eingehend bescheinigte der Speinsharter Bürgermeister Landrat Andreas Meier eine souveräne Leistung. Verlässlich, nachhaltig und erfolgreich seien die vergangenen Regierungsjahre gewesen. Auf die CSU sei eben Verlass.

Als Beispiel blickte Nickl auf die Kreisfinanzen. Die CSU-Mandatsträger seien mit dem Geld der öffentlichen Hand genauso sorgsam umgegangen wie mit dem eigenen Portemonnaie. Sein Ausblick auf künftige Investitionen des Landkreises beinhaltete unter anderem eine digitale Aufrüstung der Schulen und die Generalsanierung des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Eschenbach.

Aus langjährigen Erfahrungen mit den Segnungen der Dorferneuerung empfahl der Speinsharter Bürgermeister den Oberbibrachern, dieses Instrument zur Dorferneuerung und Entwicklung intensiv zu nutzen: „Die Dorferneuerung ist ein Lebenselixier für den ländlichen Raum und für Oberbibrach eine Zukunftschance.“ Es gebe für das Land nichts Besseres, schwärmte der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende. (do)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.