12.11.2019 - 14:52 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Eine "Offenbarung" auf dem Cello

Die Hörer lauschen dem funkelnden und strahlenden Klang des Instruments: Die "erste Geige" spielt diesmal das Cello. Zum Thema "Offenbarung" gut gewählt ist auch der Veranstaltungsort: die Oberbibracher Kirche St. Johannes Evangelist.

Christoph Heinlein demonstriert bei seinem Konzert in der Expositurkirche in Oberbibrach delikate Cello-Kunst. Gleichzeitig überrascht er mit Blick auf das Konzertthema "Offenbarung" mit lyrischen Zwischenbemerkungen.
von Robert DotzauerProfil
Mit einem Alleinstellungsmerkmal kann die Kirche in Oberbibrach glänzen: Das riesige Deckenfresko zeigt Szenen der Apokalypse nach den Worten des Kirchenpatrons, des Evangelisten Johannes.

Katastrophen und Kriege nehmen weltweit zu und immer mehr Menschen bemerken einen zunehmenden Niedergang der Zivilisation: Mit Blick auf die Entwicklung des Klimas und der Wirtschaft, auf den Frieden oder die Flüchtlingsströme auf dem Planeten Erde werden auch die Stimmen mehr, die von der „Endzeit“ sprechen.

Aus diesem Grund steigt auch das Interesse an dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, einer Apokalypse, die eben von dieser Endzeit handelt: ein großes Wort, so groß, dass es am Ende der Bibel steht. Dieser „Geheimen Offenbarung“ geht am Sonntagnachmittag der Cellist Christoph Heinlein in seiner „Offenbarung“, so der Titel seines Konzerts, in Oberbibrach nach.

Der Künstler betrachtete diese Endzeit-Prophetie musikalisch und berief sich dabei auf die Komponisten-Größen Johann Sebastian Bach, Max Reger und Mieczyslaw Weinberg. Er gestaltete die Veranstaltung aber schon fast als einen musikalisch-literarischen Nachmittag: Mit seinen Zwischentexten erreichte er eine Symbiose aus Lyrik und Musik.

Zum Klingen brachte Heinlein sein überwiegend aus Suiten und Präludien bestehendes Programm in einem Andachtsraum, in dem die Darstellung der Offenbarung im Mittelpunkt steht. In der Expositurkirche St. Johannes Evangelist, einem der prachtvollsten Rokoko-Schätze in der nördlichen Oberpfalz, bildet das große Deckenfresko mit den Szenen aus der Apokalypse des Johannes den Höhepunkt der Ausmalungen.

Sein Kernthema - und Ausgangs- und Endpunkt der Bilderzählung - ist die endzeitliche Vernichtung des Bösen nach einer vorhergehenden Zeit des sittlichen Verfalls. Gleichzeitig wird mit dem Prolog „Et Verbum Caro Factum Est" („Und das Wort ist Fleisch geworden“) auf den Beginn der Erlösung verwiesen.

In dieser bemerkenswerten Atmosphäre brachte Christoph Heinlein sein Instrument zum „Glühen“. Innig an sein Cello geschmiegt lauschte der Künstler in seine Tonmalereien hinein und schwelgte im singenden Klang „seines Werkzeugs“. Der international bekannte Musiker wählte zum Thema "Offenbarung" das Faszinierendste im Repertoire dieses Streichinstruments.

Im Vordergrund stand besonders die musikalische Cello-Sprache von Johann Sebastian Bach. Leidenschaftlich vertiefte sich Heinlein in diese Welt. Er verzückte mit Kostproben aus der Suite „Violoncello solo senza basso“. Auch in den „Präludien für Violoncello solo“ von Mieczyslaw Weinberg ließ er sein Instrument jubeln, singen und - die Offenbarung immer im Blick - weinen und klagen.

Kraftvolle Passagen von intensiver Spannung und lyrische Momente beeindruckten die Hörer auch bei Kompositionen von Max Reger. Der Künstler ergänzte die manchmal puristische Strenge Bach'scher Musik mit den nuancierten Klängen aus Regers „Suite für Violoncello allein“: eine technische Herausforderung und gleichzeitig eine Reminiszenz an die Oberpfälzer.

Christoph Heinleins „Offenbarung“ ähnelte zudem einem charmanten „Gesprächskonzert“. Seine Wortspiele erinnerten an Endzeitstimmung, etwa mit der "Elegie von Abschied und Wiederkehr" von Carl Zuckmayer: „Ich weiß, ich werde alles wiedersehn. Und es wird alles ganz verwandelt sein. Ich werde durch erloschne Städte gehen, darin kein Stein mehr auf dem anderen Stein stehn“.

Heinlein „offenbarte“ sich schließlich mit dem Werk der Lyrikerin Rose Ausländer: „Noch bist du da. Wirf deine Angst in die Luft.“ Der intime Charakter des Konzerts und die Intensität des Programmes wurden zum beeindruckenden Erlebnis.

Im Blickpunkt:

Der Künstler

Christoph Heinlein begann im Alter von erst vier Jahren mit dem Violinspiel. Doch manchmal muss es ein oder zwei Nummern größer sein. Und so kam er schon mit sechs Jahren zum Cello und schaffte später den Sprung an die Hochschule für Musik in Würzburg. Sein dortiges Cello-Studium beendete er mit der künstlerischen Diplomprüfung und dem Staatsexamen für Schulmusik an Gymnasien. Außerdem besuchte er Meisterkurse und Workshops.

Bei seiner Konzerttätigkeit legt er stets Wert darauf, dem Publikum Hintergründe zu Werk und Interpretation auf anschauliche und unterhaltsame Art näher zu bringen. Christoph Heinlein unterrichtet am Gymnasium in Wendelstein.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.