22.10.2020 - 12:48 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Verein "Hängematte": Gabi Fraunholz hört nach 19 Jahren Engagement auf

Kinder im Schulalter hat sie schon lange nicht mehr. Trotzdem engagiert sich Gabi Fraunholz seit vielen Jahren beim Verein "Hängematte" in der Nachmittagsbetreuung. Doch damit ist nun Schluss.

Nach 19 Jahren beendet Vorsitzende Gabi Fraunholz (rechts) ihr Engagement im Verein "Hängematte".
von EDOProfil

Seit 19 Jahren ist Gabi Fraunholz beim Verein "Hängematte" in der Nachmittagsbetreuung tätig, den Großteil davon als Vorsitzende. In der Jahreshauptversammlung zog sie nun einen Schlussstrich und dankte allen – darunter auch viele langjährigen – Mitarbeiterinnen.

Sichtlich nicht leicht fiel Gabi Fraunholz die Entscheidung, ihren Vorsitz beim Verein "Hängematte" abzugeben. Als ihr "mittlerweile erwachsen gewordenes Baby“ bezeichnete sie den 2001 von einer Gruppe von Müttern gegründeten Zusammenschluss gerne, mit dem für berufstätige Eltern eine große Entlastung geschaffen wurde: eine professionelle Mittagsbetreuung für die Mädchen und Buben an der damals noch als Grund- und Teilhauptschule Schlammersdorf bezeichneten Bildungseinrichtung.

Vor etwa 30 Besuchern, darunter Schulleiterin Barbara Beer sowie die Bürgermeister Alexander Goller und Johannes Schmid, blickte sie auf die spannende Entwicklung zurück. Gemeinsam mit Cornelia Regner habe sie damals aus dem Elternbeirat heraus eine Betreuung bis 14 Uhr ins Leben gerufen. „Obwohl das damals vom Kultusministerium gefordert wurde, hat es viele Gegner und Zweifler gegeben", erinnert sich Fraunholz.

Nach 8 Kindern im ersten Jahr waren es im zweiten bereits 15. 2002 wurde der Verein mit dem Sozialpreis des Landkreises ausgezeichnet, 2006 wurden erstmals zwei Gruppen angemeldet und die Betreuungszeit probeweise bis 16 Uhr verlängert. Diese Nachmittagsbetreuung wurde dann ab 2008 Standard. Großen Wert habe sie darauf gelegt, dass vor Ort – möglichst ökologisch – frisch gekocht wurde, was auch geschätzt werde, betonte die scheidende Vorsitzende.

Einen weiteren Meilenstein stellte das Schuljahr 2015/16 dar, als die Grundschule Oberbibrach als Pilotschule für die Offene Ganztagsschule (OGTS) ausgewählt wurde. Dies sei eigentlich ihr Ziel von Anfang an gewesen, erklärte Gabi Fraunholz und sagte augenzwinkernd, da die OGTS nun fester Bestandteil an der Grundschule Oberbibrach ist: „Ziel erreicht.“

Beruhigend könne sie ihre Ämter niederlegen, da der Betrieb unter einer engagierten Schulleitung vorbildlich laufe. Sie bat die künftige Führung darum, politische Möglichkeiten zu nutzen und die Einrichtung immer weiter zu entwickeln: "Macht was draus."

Weil sie auch Zahlen liebe, habe sie sich den Spaß gemacht und einmal alle seit 2001 generierten Fördermittel zusammengerechnet, merkte die langjährige Vorsitzende an: Inklusive Spenden und Elternbeiträge (bis zur Offenen Ganztagsschule) sowie Stiftungsgeldern belaufe sich die Summe auf fast eine halbe Million Euro.

„Möglich war das alles nur, weil sich alle Mitarbeiter voll reingehängt haben“, machte Fraunholz deutlich und sprach großen Dank an die mindestens 60 Mitarbeiter und 15 Vorstandsmitglieder in den vergangenen 19 Jahren aus. Ohne das Vertrauen der Eltern wäre das alles nicht möglich gewesen, hob sie hervor.

Kommentar:

Ein Vorzeigeprojekt, das Seinesgleichen sucht

Aus heutiger Sicht waren die Bestrebungen des damaligen Elternbeirats nach einer Nachmittagsbetreuung für Grundschüler an der Grundschule Oberbibrach im Jahr 2001 quasi eine avantgardistische Meisterleistung. Trotz oder gerade wegen Zweiflern und Gegnern, die mit Argumenten wie „Mütter sollen daheim bei den Kindern bleiben“ aufwarteten, gelang es Gabi Fraunholz und ihren Mitstreiterinnen, in dem kleinen Schulstandort ein Vorzeigeprojekt zu etablieren, das Seinesgleichen sucht.
Nicht zufällig wählte das Kultusministerium 2015 Oberbibrach als einen Standort für das Pilotprojekt Offene Ganztagsschule an Grundschulen aus. Das Angebot mit Hausaufgabenbetreuung und verschiedenen Fördermöglichkeiten, Sportarten, Musik- und- Kreativkursen geht weit über die Anforderung einer Offenen Ganztagsschule hinaus. Zudem legt man beim Essen seit vielen Jahren Wert auf Frische und Regionalität. Gekocht wird täglich vor Ort.
Viel Arbeit gibt es in der "Hängematte" aber auch bei der Organisation. Der Verein ist mittlerweile auch ein Wirtschaftsbetrieb. Mitarbeiter und Materialien müssen bezahlt, das Programm zusammengestellt und genügend Kinder gefunden werden, damit die Betreuung dank öffentlicher Förderungen für die Eltern weitgehend kostenlos bleibt.
Und Gabi Fraunholz hat Recht, wenn sie sagt: „Die Fördergelder müssen auch bei uns am Land ankommen und nicht nur in den Städten.“ Gerade in Corona-Zeiten wird die Bedeutung einer zuverlässigen Betreuungsmöglichkeit nochmals deutlich. Niemand muss sein Kind in der Offenen Ganztagsschule anmelden, aber es ist wichtig, dass man es kann – auch in kleinen Dörfern.

Von Dominik Eckert

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Oberbibrach bei Vorbach
Hintergrund:

Aikido, Forscher-Club und Musikunterricht

Bei ihrem Rückblick auf die vergangenen 19 Jahre erinnerte Gabi Fraunholz auch an einige besondere Höhepunkte. Besonderes Anliegen sei ihr immer gewesen, ein abwechslungsreiches und attraktives Programm mit den jeweiligen Teams auf die Beine zu stellen, das überdies die Anforderungen an eine Offene Ganztagesschule weit übersteige. Dazu zählte unter anderem die Förderung der Kinder mit Einstieg in die englische Sprache, Tanz, Sport, Kreativ-Club und Forscher-Club. Aber auch Reiten, Aikido, Becherstapeln, Bogenschießen oder die Qualifizierung zum „Haus der kleinen Forscher“ wurden ins Programm aufgenommen. Die Installierung eines qualifizierten Musikunterrichts seit 2013 erhöhte die Akzeptanz bei Elternschaft und Schulleitung. Auch außerhalb der Schulzeit war der Verein nicht untätig mit zwei mehrtägigen Biber-Übernachtungscamps, der Beteiligung an Ferienprogrammen der Gemeinden und schließlich der diesjährigen Ferienbetreuung.

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