09.07.2018 - 09:24 Uhr
Oberlind bei VohenstraußOberpfalz

Ein sympathischer Apostel

Oberlinder feiern das Patrozinium der Filialkirche St. Thomas. Der ungläubige Thomas kann als Prototyp des modernen Christen bezeichnet werden.

Mit den Fahnenabordnungen ziehen die Ministranten mit Dekan Alexander Hösl über das Friedhofsportal zur St.-Thomas-Kirche, um das Patrozinium zu feiern.
von Elisabeth DobmayerProfil

Der ungläubige Thomas, Patron Indiens und Kirchenpatron der Filialkirche St. Thomas im Vohenstraußer Ortsteil ist vielen Menschen heute sympathisch und könnte Prototyp des modernen Christen sein. Am Freitag feierte die Gemeinde mit Gästen diesen großen Patronatstag ihres Gotteshauses, in dem Mesner Helmut Braun nach altem Brauch die zwölf Apostelleuchter entzündet hatte. Dekan Alexander Hösl versammelte sich zusammen mit den Ministranten und den Fahnenabordnungen von Feuerwehr, Schützenverein St. Thomas, Marianischer Männercongregation (MMC) und Katholischer Landjugend (KLJB) sowie den Vertretern der kirchlichen Gremien zum gemeinsamen Einzug am alten Dorfbaum.

„Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege“, heißt es in einem der wohl ehrlichsten Liedern aus dem Gotteslob, das an diesem Abend gesungen wurde, weil es nicht nur von der Liedesinbrunst und tiefen Glaubensüberzeugung spricht sondern von den offenen Fragen angesichts ernüchternder Erfahrungen im Laufe der Zeit. “Von Zweifeln ist mein Leben übermannt“, geht es weiter. Wer könnte das nicht von sich selber sagen, wer hätte nicht schon auch einmal gezweifelt von manchen Aussagen der Heiligen Schrift und des Evangeliums, so der Geistliche. Es müssen nicht immer Krankheit und Tod sein, die für uns Menschen Anlass zu Glaubenszweifeln sind. Manchmal sind es ganz andere Dinge. „Ein Blick in den Sternenhimmel kann uns da vielleicht helfen, wo wir die Größe des Weltalls erahnen und merken, wie klein doch der Mensch im ganzen Universum ist“.

Thomas soll nach der Überlieferung 52 nach Christus in Südindien missioniert haben. „Uns ist dieser ungläubige Thomas bekannt als ein sehr kritischer Mensch, der Fragen zum Ostergeschehen hatte und auch den Mut diese zu stellen. “ Verunsicherung im Glauben ist ein Phänomen unserer modernen Zeit, führte der Stadtpfarrer aus. Hoffen wir darauf, dass uns Christus nicht allein lässt, wenn auch wir manchmal seine Auferstehung anzweifeln. Willi Kellner brachte sich als Lektor mit Lesung, Fürbitten und Meditation in den Gottesdienst ein.

Das Evangelium berichtete von der Bibelstelle, in der Thomas erst glaubt, als er die Finger in die Wunde von Jesu Seite legen konnte. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Thomas ist uns Christen als Urtyp des Zweiflers bekannt, erinnerte der Geistliche. Erscheint er doch ganz modern in seinem Bestreben, Beweise zu fordern. Dieser Thomas will es ganz handgreiflich erspüren und Jesus berühren. Er will gleichsam etwas in der Hand haben, damit er glauben und zu diesem Osterglauben finden kann. Thomas, so könnte man heute sagen, ist erst einmal ein Vernunftmensch. Auch als guter Christ dürfe man Zweifeln. Vom einfachen Kind bis hinauf zum Papst wird irgendwann im Leben einmal ein Punkt kommen, an dem man ein Fragezeichen im Glauben setzt. Der Zweifel ist meist ehrlicher als ein fragloses Übernehmen von Glaubensinhalten. Man kann aus dem Zweifel zu einer tiefen Glaubensüberzeugung gelangen und Thomas ist dafür das beste Beispiel, versicherte Stadtpfarrer Hösl. „Unser Gott ist ein Gott der sich berühren lässt, der den Menschen auch immer wieder seine Wunden hinhält, sie uns zeigt und uns auffordert diese zu berühren.“ Die sei ein faszinierendes Gottesbild was uns das Evangelium heute vor Augen stellt.

Nach dem Gottesdienst luden die Mitglieder des Pfarrgemeinderats alle Kirchenbesucher zu einem Umtrunk am Kirchenportal und zum Verweilen an diesem herrlichen Sommerabend ein.



Man kann aus dem Zweifel zu einer tiefen Glaubensüberzeugung gelangen und Thomas ist dafür das beste Beispiel, vernehmen die Gläubigen beim Kirchenpatrozinium mit Dekan Alexander Hösl am Freitagabend.

 

 

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