26.08.2019 - 19:05 Uhr
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Baby-Katzen-Invasion in den Oberpfälzer Tierheimen

Die Unmengen an jungen Katzen in den Oberpfälzer Tierheimen werden mehr und mehr zum Problem. Laut Tierschützern aus Amberg, Weiden, Tirschenreuth und Schwandorf gibt es nur eine Möglichkeit, der "Katzenschwemme" Herr zu werden.

Sie mögen süß sein, doch in vielen Oberpfälzer Tierheimen wird die Vielzahl von Katzen-Babys immer mehr zu Problem.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Tierheime in Bayern ächzen unter der Flut an Kätzchen, die die Einrichtungen überschwemmen. Auch viele Tierschützer in der Oberpfalz haben mit von jungen Katzen überfüllten Tierheimen zu kämpfen. Von den Vertretern der Tierheime in Amberg, Weiden sowie Schwandorf und Tirschenreuth kommt immer dieselbe Klage: "Wir arbeiten am Limit und sind vollkommen ausgelastet."

Laut Jutta Böhm, der Leiterin im Tierheim Weiden, sind derzeit 45 Katzen in der Tierschutz-Einrichtung untergebracht. "Vorwiegend haben wir junge und Baby-Katzen", sagt sie. Immer wieder geschehe es, dass Tierhalter mit dem ungeplanten Nachwuchs ihrer Haustiere überfordert seien und anschließend die Kitten, wie Kätzchen in Fachkreisen genannt werden, ins Tierheim brächten oder diese einfach aussetzten. Überdies sei es nach er Quarantäne-Zeit schwierig, die Tiere zu vermitteln. "Man bekommt Katzen an jeder Ecke. Da braucht man nicht extra ins Tierheim."

33 Baby-Katzen gefunden

Von einer regelrechten "Katzeninvasion" spricht Sabine Falk, die Vorsitzende des Tierschutzvereins für Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach. Sie sagt: "Wir wollen kein Tier zurücklassen." Wie viele Katzen derzeit im Tierheim sind, kann sie gar nicht mehr genau sagen. "Wir sind komplett ausgelastet." Deshalb setze der Tierschutzverein zusätzlich auf sogenannte Pflegeplätze.

Dabei nehmen Freiwillige trächtige Katzen oder Katzenmütter mir ihren Jungen bei sich zu Hause auf und kümmern sich um diese. Für die Futter- und Tierarztkosten kommt das Tierheim auf. "Wir sind permanent auf Menschen angewiesen, die sich dazu bereiterklären, eine der Katzen in Pflege zu nehmen." Zudem gebe es unermüdliche ehrenamtliche Mitarbeiter, die den Druck mit abfederten. Mehr hauptberufliches Personal sei keine Option: "Dafür ist schlichtweg kein Geld da." Vor Kurzem verständigte die Polizei den Tierschutzverein, dass in einer Straße viele Kitten umherliefen. Falk sagt: "In einem Carport haben wir 33 Baby-Katzen und ihre Mütter gefunden." Im Tierheim habe der Platz nicht gereicht, diese alle unterzubringen. In Zusammenarbeit mit dem Verein "Katzen-Hilfe-Vilstal" sei es möglich gewesen, einen Platz für die Tiere zu finden

Zwölf-Stunden-Arbeitstage

57 Katzen leben derzeit im Schwandorfer Tierheim. Birgit Hiltl vom dortigen Tierschutzverein ist für diese verantwortlich. "Damit ist das Heim mehr als voll." Sogar über 90 Katzen werden im Tirschenreuther Tierheim versorgt. Die Leiterin Daniela Riedl erklärt, die Tierschützer hätten heuer mit einer richtigen "Katzenschwemme" zu kämpfen.

"Das Problem ist, dass es immer wieder Leute gibt, die streunende Katzen anfüttern und sich nicht mal informieren, ob es Männchen oder ein Weibchen ist." Kämen die Katzen später mit Nachwuchs wieder, würden diese zunächst auch weiter mit gefüttert. Irgendwann aber würde es den Leuten zu viel. "Dann werden Katzen wieder Problem des Tierheims", sagt Riedl. Im Tierheim fehle es an Personal. Um den 90 vorwiegend jungen Katzen gerecht zu werden, seien Mehrarbeit und Überstunden an der Tagesordnung. Die Kitten seien extrem pflegeintensiv. "Die kleinen Katzen kommen teils in einem schlimmen Zustand bei uns an - mit Schnupfen und verklebten Augen", erzählt die Tierheimleiterin.

Kastration notwendig

Viele Katzen und Kater sind nicht kastriert und vermehren sich rasant in Bayern. Bis zu sieben Junge kann eine trächtige Katze auf einmal zur Welt bringen. Weil sich das Klima verändert und die Winter milder werden, sind Katzen früher rollig. So könnten die ersten Würfe bereits im Februar kommen. Das sei früher nicht so gewesen. Bis zu drei Würfe kann heute eine geschlechtsreife Katze in einem Jahr austragen.

Alle Tierheim-Vertreter sind sich einig: Nur wenn Katzenbesitzer ihre Tiere kastrieren lassen, können Tierschützer der Katzenflut Herr werden. "Die Leute müssen zur Vernunft kommen und auch ihre Kater kastrieren lassen. Die tragen zwar keine Jungtiere aus, setzen sie aber in die Welt", sagt Hiltl aus Schwandorf. Viele Halter wüssten nicht, dass ihre Tiere bereits mit vier Monaten geschlechtsreif sind. Hiltl: "So kann es sein, dass Katzen, die im Frühjahr auf die Welt gekommen sind, im Herbst selbst schon wieder werfen.

Auch Falk vom Amberger Tierheim würde die Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen begrüßen. "Anders geht es nicht. Ich weiß nicht, woran das momentan scheitert. Entweder es geht den Leuten ums Geld oder es fehlt die Einsicht."

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