02.03.2020 - 13:01 Uhr
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Bock auf Bockbier

Wissen wir: Bockbier hat nichts mit dem Geißbock zu tun. Der Name für das Starkbier ist eine Wortschöpfung, die jahrhundertelang überliefert wurde. Sei es drum - wir lieben dieses Wortspiel. Viel Bock auf Bockbier.

Na, habt ihr Bock auf Bockbier?
von Externer BeitragProfil

Linguistik und Bier: Das passt zusammen wie Stress und Gemütlichkeit. Trotzdem sollten alle Freunde der fünften Jahreszeit vor dem ersten Schluck Bockbier die kleine Lektion lernen, dass die bayerische Starkbier-Tradition tatsächlich niedersächsische Wurzeln hat. In der Hansestadt Einbeck – im Jahr 1000 eine norddeutsche Biermetropole – erfanden die Brauer ein wohlschmeckend-starkes Bier, das „Ainpöckisch“ genannt wurde. Die Bayern waren begeistert und ließen sich das Einbecker Bier nach München liefern. Viele Jahrhunderte und tausende Kutschenfahrten später, warb ein bayerischer Herzog

schließlich einen niedersächsischen Braumeister ab – und holte das starke Bier nach Bayern. Dort wurde aus dem „Ainpöck“ irgendwann das „Bockbier“. Heute stammt etwa ein Drittel des bundesdeutschen Starkbier-Ausstoßes „aus bayerischen Sudkesseln“, rechnet der Bayerische Brauerbund vor.

Stammwürze ist wichtig

Kein Genuss ohne Regeln: Die Bierverordnung schreibt eindeutig vor, dass alle Stark- und Bockbiere einen Stammwürzegehalt von mindestens 16 Prozent haben müssen. Beim Doppelbock gilt ein Mindestprozentsatz von 18. Nach Angaben der Bayerischen Brauer beschreibt die Stammwürze den Anteil gelöster Stoffe – Zucker, Eiweiß, Mineralien, Vitamine – in der Würze vor der Vergärung. Soweit die Theorie. In der Praxis sollten die Bockbier-Genießer eher den Alkoholgehalt im Auge behalten. In der Regel weist das Bockbier einen Alkoholgehalt von über 6 Prozent auf, ein Doppelbock über 7 Prozent. Zum Vergleich: Ein normales Vollbier pendelt sich bei einem Alkoholgehalt zwischen 4,5 und 5 Prozent ein.

Bockbier ist Wirtshauskultur

Bockbier schmeckt. Bockbier verbindet. Bockbier ist Wirtshauskultur in der kühleren Jahreszeit. Stammgäste haben den Bockbier-Anstich in ihrer Lieblingsbrauerei längst als festes Datum in den Kalender eingetragen. Die vielen Oberpfälzer Brauereien verwöhnen ihre Gäste nicht nur mit flüssigen Spezialitäten, sondern auch mit handfesten Brotzeiten, die eine gute Grundlage für das starke Bier bilden. Der Bockbier-Anstich als einer der Höhepunkte

des Bierjahres wird von Ort zu Ort und Brauerei zu Brauerei anders gefeiert. Manchmal als einfache Bierprobe mit Ausschank, häufig auch als gesellschaftliches Ereignis mit einem süffisanten Fastenprediger oder immer öfter auch als Party-Bockbier-Fest mit Partymusik und Partystimmung. Wer‘s traditioneller mag, besucht einen Bockbier-Anstich mit Wirtshausmusikanten und traditioneller Volksmusik.

Bock auf Bockbier:

Der Eisbock

Die Faulheit eines Gesellen hat der bayerischen Bierlandschaft ein neues Bier beschert. In einer bitterkalten Nacht in Kulmbach hatte ein übermüdeter Helfer keine Lust mehr, die schweren Bockbierfässer vom Hof in den Keller zu rollen. Der strenge Frost ließ das Bier zu Eis erstarren und die Fässer bersten. Der Brauer tobte. Er befahl dem Gesellen, das Eis aufzuhacken und die Restflüssigkeit, die sich in der Mitte gesammelt hatte, zu trinken. Diese vermeintliche Strafe war ein Geschenk: Im Inneren hatte sich ein malzig-süßes, schweres, aber süffiges Bier gesammelt – der Eisbock war geboren. Bis heute lehnt sich die Herstellung an jene kalte Winternacht an. Es entsteht ein Bier mit einem Stammwürzegehalt von über 20 Prozent und einem Alkoholgehalt von 8 bis 9 Prozent.

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