Während um diese Jahreszeit in vielen Weihnachtskrippen geschnitzte Schafsfiguren die Szenerie am Bethlehem-Stall bereichern, zieht der Wanderschäfer Paul Panko aus Hunderdorf bei Bogen mit seiner Schafherde von über 900 quicklebendigen Tieren durch die Oberpfalz seiner niederbayerische Heimat zu.
Zum Jahresende ließ er seine Herde bei Konatsried weiden und im mobilen Pferch am Waldrand von Seibertshof übernachten, bevor es dann im neuen Jahr in Richtung Süden weiterging. Die Herde besteht zum großen Teil aus trächtigen Mutterschafen, die im Frühjahr ihre Jungen zur Welt bringen. Damit der Zug über die Landschaft, aber auch über Wege und Straßen funktioniert, helfen sogenannte Lockschafe, die die Signale des Schäfers erfassen und von der Herde als Leittiere anerkannt sind. Noch mehr tragen aber die Hütehunde zum geordneten Ablauf des Weidebetriebes bei.
Seit 24 Jahren zieht der Wanderschäfer mit seinen Tieren durch die Oberpfalz und Niederbayern. "Ich kenne viele Winkel besser als manche Einheimische", erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln. Einige Bewohner aus den Dörfern, an denen er vorbeizieht, statten ihm einen Besuch ab, sobald sich seine Herde auf den Wiesen am Ortsrand niederlässt, während die Hütehunde Mara und Rudi darauf achten, dass die Tiere beisammen bleiben. Am Neujahrstag genossen diese den sonnenüberfluteten Hang südlich von Konatsried, wo bei mäßigen Minustemperaturen noch genug Nahrung abzuknabbern war. Frost macht den Schafen nichts aus, sofern sie noch geeignete Nahrungsflächen finden. Für Paul Pankos Herde führt der Zug nach Süden in den Raum Furth im Wald und Neukirchen beim Heiligen Blut am Fuße des Hohenbogens. Von hier geht es dann in die niederbayerische Heimat. Dort steht Ende Februar das Scheren an, das die Familie Panko aber nicht mehr selber macht. Bei über 900 Tieren wäre das auch gar nicht mehr zu bewerkstelligen. "Der Preis für Schafwolle ist jedoch völlig im Keller", klagt der Schäfer, der diesen Beruf in der dritten Generation ausübt. Die synthetischen Produkte sind eine arge Konkurrenz, dazu die Wollimporte aus Australien. "80 Cent pro Kilo decken nicht einmal die Produktionskosten", berichtet er und vergleicht diesen Betrag mit den Erlösen seines Vaters aus den sechsziger Jahren, als man mit der Schurwolle noch Spitzenpreise von acht Mark pro Kilo erzielte.
Der Beruf des Schäfers bedeutet aber für ihn trotzdem Erfüllung. Allerdings muss das Familienleben auf diesen speziellen Beruf abgestimmt werden. Die Zahl der Wanderschäfer ist rückläufig. In Bayern gibt es etwa noch 100 von ihnen.















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