10.05.2022 - 11:45 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Absage an den bisherigen "Brotbaum Fichte"

Obwohl die Fichte derzeit auf dem Holzmarkt hohe Preise erzielt, wird diesem Baum keine Zukunft vorausgesagt. Bei der Versammlung der Waldbesitzervereinigung Neunburg-Oberviechtach wird deutlich, warum umgedacht werden muss.

von Georg LangProfil

„Ich würde hier keine Fichten mehr pflanzen“, riet der Revierförster Jörg Maderer den Waldbesitzern, die sehr zahlreich zu ihrer Jahresversammlung in das Emil-Kemmer-Haus gekommen waren. Sie signalisierten damit, dass auch in dieser seit längerem eingeschränkten gastronomischen Einrichtung eine neue Zeit angebrochen ist.

Zum Auftakt der Veranstaltung wurden die Waldbauern von der Waldbesitzervereinigung (WBV) zu einem Weißwurstessen eingeladen und in dieser entspannten Atmosphäre hörten sie sich die durchaus positiven Infos des WBV-Vorsitzenden Martin Prey und des Geschäftsführers Alfons Vogl an.

Preis auf dem Hochstand

Der Holzpreis für Fichte und Kiefer verzeichnet seit längerem einen Hochstand und die Bilanz der WBV glänzt mit stattlichen Zahlen. Weniger erfreulich waren die Warnungen von Förster Jörg Maderer, der nach Jahre langem Einsatz in Falkenstein jetzt in seinen Heimatbereich zurückgekehrt ist und das Revier Neunburg II übernommen hat. Der einstige „Brotbaum Fichte“ hat in Zeiten des Klimawandels seine Funktion verloren, weil er enorm den Stürmen und dem Borkenkäfer ausgesetzt ist, zwei Bedrohungen, die sich in den zurückliegenden Jahrzehnten enorm beschleunigt haben.

Jörg Maderer nennt für die Erderwärmung und die damit verbundene Trockenheit und Dürre Anzeichen: Zugvögel kehren eher zurück, die Apfelblüte setzt zwei Wochen früher ein und die Waldbrandgefahr nimmt zu.

Schädlinge vermehren sich

In dieser Situation vermehren sich die Schadinsekten Buchdrucker und Kupferstecher und setzen den Fichtenbeständen zu, die nach Aussage von Geschäftsführer Alfons Vogl bei der Sortenverteilung in den heimischen Waldbeständen noch 72 Prozent ausmachen, die Kiefer kommt auf 22 Prozent, das Laubholz auf sechs Prozent. „Mit der Kiefer werden wir eher weiterarbeiten können“, erklärt Förster Maderer beim Abchecken der baumartspezifischen Klimarisiken. Differenziert stellte er Lärche, Tanne, Douglasie, Buche und Eiche vor, gibt Hinweise auf deren Standortbedingungen und den zweckmäßigen Mischungsanteil und geht auch auf deren forstwirtschaftliches Potenzial ein.

Individuelle Beratung und Hilfen erhalten die Waldbesitzer von der Bayerischen Forstverwaltung und der WBV. Der Rechenschaftsbericht von deren Vorsitzendem Martin Prey ruft entsprechende Aktivitäten in Erinnerung: Waldumbau und naturnahe Forstwirtschaft, Durchforsten und Förderung der Naturverjüngung. Für all diese Maßnahmen sollte man die aktuell hohen Holzpreise selbst bei Fichtenschwachholz ins Kalkül ziehen.

Hintergrund:

Waldbesitzervereinigung Neunburg v.W./Oberviechtach

  • Mitgliederstand: 2226
  • Mitgliedsfläche in Hektar: 17 575
  • Vermarktende Mitglieder: 442
  • Holzvermarktung in Festmeter: 51 674

 
 

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