22.01.2020 - 09:52 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Auch abseits der Matte ist viel geboten

Noch ehe sich in Deutschland ein Karate-Verband formiert, gründet sich 1973 der Verein "Genbukan" in Oberviechtach. Was die aktuell 135 Mitglieder zusammenhält, ist aber weit mehr als nur Kampfsport.

Beweglichkeit und Disziplin stellten die Karate-Sportler von "Genbukan" unter Beweis, als sie vergangenes Jahr beim Bürgerfest am Marktweiher ihr Können demonstrierten.
von Christof FröhlichProfil

Einen "sehr starken Zuwachs" beim Nachwuchs konnte Hans Ruml, Vorsitzender des Karatevereins, in der Jahreshauptversammlung vermelden. Von insgesamt 135 Mitgliedern seien 110 Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Kickboxer im Verein habe sich im Vorjahr von 14 auf mittlerweile 30 erhöht. Im Vorjahr noch war bei der Hauptversammlung von 120 Mitgliedern die Rede gewesen.

"Wir unternehmen sehr viel", erklärte der Vorsitzende auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien den Aufwärtstrend. Für Training und Ausbildung verfüge der Verein über geprüfte Übungsleiter. Die Aktivitäten beschränken sich aber nicht nur auf den Dojo und die Einheiten auf der Matte: Nachtwanderungen, Zoobesuche, Faschingspartys oder Übernachtungen in der vereinseigenen Hans-Ruml-Halle in Tressenried (Stadt Oberviechtach) stehen ebenfalls für den Nachwuchs im Kalender.

Dieses Angebot werde auch von den Eltern honoriert, die im Verein mit dazu helfen und beispielsweise Fahrdienste zu Meisterschaften übernehmen. "Wir sind eine große Familie, eine eingeschworene Clique", fasst es Hans Ruml zusammen. Damit sich auch die Väter und Mütter bei "Genbukan" fit halten können, gibt es von Weihnachten bis März für sie ein spezielles Gymnastik-Angebot.

Trotz des Aufwinds bei den Mitgliederzahlen – einen Trend bei Selbstverteidigung und Kampfsport sieht Hans Ruml nicht. "Karate ist vielmehr ein Sport, der sich auch im Alter ausüben lässt." Er bestehe zu 98 Prozent aus Gymnastik, der Rest sei Beweglichkeit. Das Kämpfen mache lediglich einen Anteil von 0,5 Prozent aus.

In der Hauptversammlung zählte der Vorsitzende, der selbst seit 50 Jahren Karate macht, zahlreiche Aktivitäten des Vereins auf. Diese reichten von Schnupperkursen und der erfolgreichen Teilnahme von Oberviechtacher Karate-Sportlern an verschiedenen Meisterschaften bis hin zur Kamprichterschulung des Stützpunktes Süd, die in der Eisenbarthstadt ausgerichtet wurden.

Karate ist zu 98 Prozent Gymnastik, der Rest ist Beweglichkeit. Und gerade mal 0,5 Prozent sind Kampf.

Hans Ruml, Vorsitzender des Karatevereins Genbukan

Hans Ruml, Vorsitzender des Karatevereins Genbukan

Auch herausragende Erfolge wurden in der Jahresbilanz erwähnt: Bei der Bayerischen Meisterschaft holte Simon Kaiser einen zweiten Platz in der Disziplin Kata, Diego Bruner wurde Dritter im Kumite und Vierter beim Kata. Ebenfalls Diego Bruner verbuchte einen zweiten und dritten Platz bei den Schwäbischen Meisterschaften. Anna Schönberger und Hannah Elsner waren hier ebenfalls mit zweiten und dritten Plätzen erfolgreich. In der Öffentlichkeit haben sich die Karatesportler unter anderem mit Vorführungen beim Bürgerfest in Oberviechtach präsentiert.

Hans Ruml nutzte die Gelegenheit, um dem Landkreis, der Stadt Oberviechtach und dem Ortenburg-Gymnasium zu danken, die bei Bedarf ihre Sportanlagen zur Verfügung stellen und damit überörtliche Veranstaltungen ermöglichen. Er würdigte auch den Einsatz aller Mitglieder, die sich in die Gestaltung des Vereinsjahres eingebracht haben.

Im neuen Vereinsjahr steht für die Karate-Sportler unter anderem die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Bochum auf dem Programm. Schon demnächst – am 22. Februar – geht es zu den schwäbischen Meisterschaften nach Füssen. Auch bei Wettkämpfen auf bayerischer und süddeutscher Ebene werden Kämpfer die Farben von "Genbukan" hochhalten.

Und was macht für Hans Ruml die Besonderheit des Karate-Sports aus? "Ich schätze den Respekt, den man sich gegenseitig darbringt, und das gute Verhältnis untereinander", sagt der 64-Jährige, der auch als Bundesprüfer und Kampfrichter tätig ist. Für ihn sei der Sport außerdem ein Rezept, um gesund zu bleiben. "Ich brauch' heute noch keine Tabletten", sagt der 64-Jährige. Gleichaltrige hätten dagegen häufig mit Bluthochdruck zu kämpfen.

Hintergrund:

Laut Hans Ruml zählt "Genbukan" Oberviechtach zu den ältesten Karatevereinen in Deutschland. 1973 wurde er gegründet, drei Jahre vor dem Deutschen Karate-Verband, der 1976 ins Leben gerufen wurde.

Wie auf der Homepage des Vereins zu lesen ist, liegt der Ursprung der Kampfkunst Karate auf der japanischen Insel Okinawa. Das Wort "Karate" bedeutet wörtlich übersetzt "leere Hand". Charakteristisch für Karate sind waffenlose Techniken, vor allem Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfeger, Hebel und Würfe. Von dem japanischen Großmeister Oyama Masutatsu ist das Zitat überliefert: "Karate ist zur Hälfte eine körperliche, zur anderen Hälfte eine spirituelle Disziplin". (frd)

Weitere Informationen zum Karateverein "Genbukan" gibt es hier

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