25.04.2019 - 16:58 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Antibiotika nur, wenn sie wirklich nötig sind

Keine übertriebene Angst vor Bakterien, empfehlen Chefarzt Christian Glöckner und Hygienefachkraft Reinhold Scharf

Dr. Christian Glöckner (links) und Reinhold Scharf.
von Externer BeitragProfil

Ein Erwachsener besitzt rund 10 Billionen Körperzellen, trägt aber 100 Billionen Bakterien am oder im Körper mit sich herum. Knapp 99 Prozent dieser Bakterien befinden sich im Darm, auf den Händen tummeln sich immerhin noch bis zu einer Billion Bakterien.

"Bakterien im Alltag - können sie uns nützen oder müssen wir uns schützen?" Antwort auf diese Frage gaben bei der Klinik-im-Dialog-Reihe im Vortragssaal der Asklepios-Klinik Oberviechtach Chefarzt Dr. Christian Glöckner und Hygienefachkraft Reinhold Scharf.

Dabei spannten der Ärztliche Direktor der Klinik und der Hygienefachmann einen weiten Bogen von den einzelnen Bakterienarten über die durch manche Bakterien verursachten Erkrankungen bis hin zu hilfreichen Tipps für einen hygienischen Haushalt und die Stärkung des eigenen Immunsystems. Anhand von einprägsamen Schaubildern und Fotografien, kombiniert mit einem sehr informativen und kurzweiligen Vortrag, gelang es den beiden Experten, die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer für ein wichtiges Thema zu sensibilisieren, denn: Man sieht sie nicht, aber Bakterien sind überall.

Eine besondere Rolle nehmen die über 500 verschiedenen Arten von Bakterien im Magen-Darm-Trakt eines Menschen ein. Der Verdauungsprozess wäre ohne sie nämlich gar nicht möglich; jedoch sollte man auch wissen, dass ein nützliches Darm-Bakterium andernorts auch Schaden anrichten kann.

Außerdem wurde von den beiden Experten klar unterstrichen, "dass wir mit unseren 'guten' Bakterien in Harmonie zusammenleben müssen. Unsere Darmflora muss im Gleichgewicht sein, damit die Verdauung richtig funktioniert", resümierte Dr. Glöckner.

Hände waschen

Nach einem Streifzug durch die bakteriellen Erkrankungen wie etwa Tuberkulose (pro Jahr gibt es in Deutschland etwa 5000 Neuinfektionen, Tendenz steigend), die allgegenwärtige Karies oder die durch Streptokokken hervorgerufene Wundrose, widmeten sich Scharf und Dr. Glöckner ausführlich dem Thema Hygiene und gaben hilfreiche Tipps, wie man sich mit entsprechenden Maßnahmen vor gefährlichen Bakterien schützt. Allen voran nannten sie das gründliche Waschen der Hände vor dem Kochen, vor dem Essen, nach Kontakt zu Tieren, vor dem Umgang mit Säuglingen oder kranken Menschen in der Familie. "Dadurch können bis zu 80 Prozent der Keime entfernt werden", versicherte Hygienefachmann Scharf.

Kein keimfreier Haushalt

Aber, so der Chefarzt weiter: "Einen keimfreien Haushalt gibt es nicht. Und wir Menschen brauchen Bakterien in unserem täglichen Umfeld, damit unser Immunsystem dadurch stimuliert und trainiert wird und im Bedarfsfall reagieren kann." Folglich sei es auch nicht nötig, zu Hause Flächen eigens zu desinfizieren, die Wäsche desinfizierend zu waschen oder antibakteriellen Mülltüten zu benutzen. "Lasst uns nichts übertreiben", mahnte Dr. Glöckner. Wichtiger sei es, sein Immunsystem zu stärken, was sehr gut gelinge durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, der Vermeidung von Stress - und Antibiotika nur, wenn sie wirklich nötig sind.

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