13.10.2019 - 13:35 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Bienenfutter vor der Kirchentür

Die evangelische Kirchengemeinde und der Obst- und Gartenbauverein setzen ein Zeichen für den Naturschutz und bringen 12 000 Blumenzwiebel in den Boden. Auf der neuen Wildblumenwiese im Kirchgarten pausiert der Rasenmäher das ganze Jahr.

Mit der Pflanzmaschine wurden am Samstag die 12 000 Blumenzwiebeln vor der Auferstehungskirche unter die Erde gebracht.
von Udo WeißProfil
Initiatorin Gabi Gilch (Zweite von rechts) konnte beim Arbeitseinsatz auch auf den Gartenbauvereinsvorsitzenden Karl Ruhland, Fachfrau Melanie Hösl und Pfarrer Norbert Schlinke (von links) zählen.
Georg Birner sorgte dafür, dass die Wildblumensaat gut gewalzt wurde.

Wer freut sich im Frühjahr nicht über die ersten Krokusse, Schneeglöckchen und Narzissen, die auf den noch braunen Wiesenflächen blühen? Während diese für Menschen vor allem eine Augenweide sind, bieten sie für Bienen und andere Insekten eine wichtige erste Nahrungsquelle nach dem Winter.

"Naturschutz ist die Hauptmotivation für die Pflanzaktion der evangelischen Kirchengemeinde in Oberviechtach", erklärte Initiatorin und Kirchenvorsteherin Gabi Gilch am Samstag. "Um dem Insektensterben entgegen zu wirken, säen wir zu den frühblühenden Frühlingsblumen eine mehrjährige Wildblumen- und Kräutersaat an." Beides zusammen bildet die Grundlage für eine insektenfreundliche mehrjährige Stauden-und Blumenzwiebelwiese. Nachdem die Rasenfläche vor der Kirche mit einer Profi-Fräse aufgelockert worden war, brachte Gabi Gilch mit einer speziellen Pflanzmaschine mehr als 12 000 Blumenzwiebeln unter die Erde. Mitglieder der Gemeinde harkten die Fläche auf und Fachfrau Melanie Hösl säte zusätzlich zu den Blumenzwiebeln eine Wildblumenmischung, welche die Grundlage für eine insektenfreundliche mehrjährige Blühwiese ist.

Blickfang für Passanten

Auch der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Karl Ruhland, zeigte großes Interesse an der Aktion. Wie beim Arbeitseinsatz festgestellt wurde, soll die Fläche nicht nur eine wichtiger Beitrag als Nahrungsquelle für Insekten dienen, sondern auch ein Blickfang für Passanten und Kirchgänger sein. Das Wildblumenprojekt ist eine Gemeinschaftsaktion der evangelischen Kirchengemeinde und des Obst- und Gartenbauvereins Oberviechtach. Initiatorin Gabi Gilch sponserte die Zwiebeln und Karl Ruhland unterstützte mit technischem Know-how. Beratend zur Seite standen Prof. Werner Schuler, Ellen Deusser-Schuler und Kreisgartenfachberaterin Heidi Schmid, welche einen Teil der Saaten beisteuerte. Pfarrer Norbert Schlinke und das Dekanat stehen ebenfalls voll hinter dem Projekt.

Lebensraum schaffen

"Gepflegte Grünflächen sind nicht der Lebensraum, den viele Insekten, Vögel oder Kleintiere benötigen. Es ist an der Zeit, das Ruder herumzuwerfen", betonte Gabi Gilch. Um der Artenvielfalt in den Gärten eine Chance zu geben, benötige es nicht viel. Gilch zählte auf: "Blumenwiesen statt regelmäßig gemähtem Rasen, ein wenig Unordnung im Garten, heimische Pflanzen, Hecken und Gebüsch." Wenn alle der Natur nur etwas mehr Raum geben, dann wäre schon viel erreicht.

Blütenspektakel:

Wildblumenwiese 2020

Insgesamt sind rund 30 Pflanzenarten, vor allem Stauden, in der Mischung enthalten. Verwendet wurden verwildernde Zwiebelmischungen. Dies ergibt ein Zusammenspiel der ersten zarten Frühjahrsblüten (Schneeglöckchen, Krokusse, Blausternchen, Allium) bis in den April, wenn bbotanische Tulpen und schließlich die Dichternarzissen ihre Blütenköpfe öffnen, Prärielilien und Steppenkerzen setzen das Blütenspektakel fort. Im Anschluss zeigt sich dann durch die mehrjährige Blumensaat eine breite Farbpalette, unter anderem von Schafgarbe und Glockenblume, die am Ende der Saison dem Wiesensalbei und der Fetthenne Platz machen.

Da eine mehrjährige Blumensaat in der Regel erst im zweiten Standjahr ihre volle Blütenpracht entfalten kann, wird für das erste Jahr noch eine einjährige Blumenmischung unter anderem mit Goldmohn, Mohnblumen, Kornblumen, Flachs und Ringelblumen auf den Flächen ausgesät.

Vor allem Frühblüher dienen zu Vegetationsbeginn den Bienen und anderen Insekten als erste wichtige Nahrungsquelle. Völkerbildende Arten (Honigbienen und Hummeln) sind darauf angewiesen.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.