01.03.2020 - 15:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Blasmusik mit internationalem Flair

Was herauskommt, wenn 55 Musiker von über 30 Kapellen eine Woche lang üben, erlebt das Publikum beim Konzert des Bezirksorchesters in Oberviechtach. Der Auftritt wird zu einer faszinierenden musikalischen Weltreise.

von Georg LangProfil

Ein klanggewaltiges Konzert bescherten die 55 Musiker des Bezirksorchesters der Oberpfalz einem begeisterten Publikum in der voll besetzten Mehrzweckhalle. Zuvor hatten die Orchestermitglieder aus mehr als 30 Musikvereinen des Bezirks die Faschingswoche genutzt, um sich im Kloster Ensdorf auf diesen Auftritt vorzubereiten.

Das Programm bestimmten moderne Kompositionen und Höhepunkte der Blasorchesterliteratur. Die Zuhörerschaft genoss die thematische Vielfalt von Melodien der James-Bond-Filme über irische Folkmusik zu furiosen Tänzen auf Bali und Balkan-Rhythmen im Stile von LaBrassBanda, bevor in der Zugabe eine überraschende Version des klassischen Florentinermarsches beschert wurde.

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes, Peter Gaschler aus Wackersdorf, eröffnete den Konzertabend. Sein besonderer Dank galt der Stadtkapelle Oberviechtach mit dem Vorsitzenden Michael Niebauer. Dieser hatte mit seinem Team den Konzertabend vorbereitet und sorgte für einen reibungslosen Service für die zahlreichen Besucher, die angesichts der Zusammensetzung des Orchesters auch in großer Zahl von auswärts in die Eisenbarth-Stadt gekommen waren.

Die beiden Dirigenten Anton Lottner und Michael Schaefer, die sich am Dirigentenpult abwechselten, sorgten nicht nur für den musikalischen Schwung bei ihren Musikern, sondern stellten die einzelnen Stücke auch vor und servierten auf unterhaltsame Art aufschlussreiche Hintergrundinformationen. „Signature“ nannte Jan van der Roost das Werk, mit dem Anton Lottner den Darbietungsreigen eröffnete. Der zeitgenössische belgische Komponist fing in diesem Auftragswerk Höhen und Tiefen eines Zehnjahreszeitraums ein und setzte dann einen strahlenden Schlussakkord. Das moderne Stück „Harlequin“ von Franco Cesarini galt als eines der schwierigsten des Abends. „Der Kasperl hat uns bei der Vorbereitung ganz schön Nerven gekostet!“, meinte Dirigent Anton Lottner, als er darauf einging, wie Lustigkeit, aber auch Durchtriebenheit des Clowns musikalisch umzusetzen waren.

„Jalan Jalan“ entführte die Zuhörerschaft nach Indonesien. Die Motive Spaziergang auf Bali, das Treiben auf dem Markt und der „furiose Tanz der Männer im Fackelschein“ wurden musikalisch eindrucksvoll präsentiert. Den Kontrast dazu lieferte die Komposition „As the moon whispers“ von Benjamin Yeo. Unter dem Dirigat von Michael Schaefer baute das Orchester eine romantische Nachtstimmung mit faszinierenden Windgeräuschen auf. Schmissige irische Folkmusik, aber auch schwermütige Klänge bescherte „Lord Tullamore“ von Carl Wittrock, mit dem das Publikum in die Pause entlassen wurde. Danach ging es wieder mit Jan van der Roost (Ceremonial March) und einer Serenade von Derek Bourgeois weiter, bevor ein Potpourri von James-Bond-Melodien den neuen Film des "Agenten Ihrer Majestät" in den Fokus rückte.

„Der Balkan-Pop gefällt uns auch!“, bekannte Anton Lottner, als er auf den „Balkan Dance“ des französischen Komponisten Etienne Crausaz überleitete, der in seinem „rassigen Stück“ mit anspruchsvollen Solopassagen ein Höchstmaß an musikalischem Können einforderte. Hundert Jahre zurück in der Musikgeschichte ging es dann bei Stefan Schwalgins Arrangement über die „verrückte Charleston-Ära“. Auch mit den anschließenden Zugaben bescherte das Bezirksorchester einen musikalischen Hochgenuss. Der „Florentinermarsch“ war durchsetzt mit überraschenden musikalischen Gags, und die abschließende „Achterbahnfahrt“ bescherte dem Publikum das authentische Erlebnis einer rasanten Fahrt.

Das Orchester:

Das Bezirksorchester der Oberpfalz gibt es seit dem Jahr 2000. Es setzt sich aus Spitzenmusikern von den im Nordbayerischen Musikbund organisierten Kapellen der Oberpfalz zusammen, wobei die altersmäßige Bandbreite von der Jugend bis zu den Senioren reicht. Es ist zur Tradition geworden, dass sich die ausgewählten Musiker während der Faschingsferien zu einer Probenwoche treffen, um anschließend an wechselnden Orten ein großes Konzert zu geben. Der Schwandorfer Musiklehrer Anton Lottner, ein gebürtiger Neunburger, leitet als Bezirksdirigent das Orchester. Beim Konzert in Oberviechtach wechselte er sich im Dirigat mit Michael Schaefer ab, dessen berufliche Vita wie bei Anton Lottner einen höchst profilierten Verlauf aufweist. Das einstige Engagement als Trompeter beim Heeresmusikkorps 4 in Regensburg ist beiden gemeinsam. (lg)

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