20.10.2019 - 14:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Digitalisierung fördert "gute Medizin"

Wie in anderen Lebensbereichen so gewinnt die Vernetzung auch in der Gesundheitsversorgung an Bedeutung. Professor Clemens Bulitta blickte in die Zukunft.

Professor Dr. med. Clemens Bulitta von der OTH Amberg-Weiden zeigte die Vorzüge einer vernetzten Gesundheitsversorgung auf.
von Georg LangProfil

Bei der technologischen Entwicklung befindet sich die Menschheit heute im Status 4.0. Vorausgegangen sind Mechanisierung (1.0) im 18. Jahrhundert, die Elektrifizierung (2.0) im 19. Jahrhundert, die Automatisierung (3.0) im 20. Jahrhundert und jetzt, im 21. Jahrhundert, die Vernetzung der Systeme. Vor dieser Entwicklung hat auch die Medizin nicht Halt gemacht.

Professor Clemens Bulitta, Dekan und Leiter des Instituts für Medizintechnik an der OTH Amberg-Weiden, plädierte bei seinem populärwissenschaftlichen Vortrag am Ortenburg-Gymnasium für die Nutzung der Digitalisierung bei der Gesundheitsversorgung. Anlässlich der Reihe "25 Vorträge an 25 Orten" kam Bulitta an die Oberviechtacher Kooperationsschule, die seit über zehn Jahren eine privilegierte Partnerschaft zur OTH Amberg-Weiden unterhält. Schulleiter Ludwig Pfeiffer freute sich, dass er zu der unterhaltsam aufgezogenen Vortragsveranstaltung in der Aula mehr als 150 Zuhörer begrüßen konnte, unter ihnen auch einige Ärzte aus der Schulregion.

Zu Zeiten Eisenbarths

"Was ist gute Medizin?" war die Ausgangsfrage des Referenten, der mit anschaulichen Bildern deutlich machte, dass die Antwort von der Geschichte abhängig ist. Die gezeigten Operationsbestecke der Römer sicherten in ihrer Zeit eine "gute Versorgung". Dasselbe gelte für Hildegard von Bingen im Mittelalter oder in der Barockzeit für Doktor Eisenbarth, auf den Schulleiter Ludwig Pfeiffer aufmerksam machte. Die beispielhaften Stationen der Medizingeschichte endete in der Gegenwart mit der ambivalenten Einstufung der Apparatemedizin und der Besprechungsmedizin. "Im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden des Menschen!" Daran ließ Professor Bulitta keinen Zweifel und stellte klar, dass auch die Digitalisierung am Wohl des Patienten auszurichten sei.

Wenn digitale Daten verfügbar und kombinierbar sind, so steigere das bei der Behandlung die Effizienz und die Geschwindigkeit. "Personalisierte therapeutische Konzepte" ermöglichten auch die Beteiligung des Patienten bei Entscheidungsprozessen. Auch die Möglichkeiten der Telemedizin wurden beleuchtet, gerade angesichts der ärztlichen Unterversorgung auf dem Land. "Der Computer wird nicht müde!",lautete das Statement zum Stichwort "Künstliche Intelligenz". Er sei in der Lage große Datenmengen verlässlich und effizient zu nutzen. Hilfreich seien "digitale Helfer" auch bei Ärzten und Pflegern, wenn es um die Bewältigung der umfangreichen Dokumentationsaufgaben gehe, die in der Medizin wertvolle Zeit beanspruchten.

Auch Nachteile

"Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind trotz Digitalisierung durch nichts zu ersetzen", stellte der Referent auch klar heraus. Vertrauen zu den Ärzten sei hierfür eine zwingende Grundlage. Die Vernetzung könne dem Patienten auch zum Nachteil gereichen, war ein Tenor in der Schlussdiskussion, etwa wenn beim "gläsernen Patienten" dessen Gesundheitsvorsorge via App auf den Prüfstand der Krankenkassen komme.

Professor Dr. med. Clemens Bulitta von der OTH Amberg-Weiden zeigte die Vorzüge einer vernetzten Gesundheitsversorgung auf.

Der Computer wird nicht müde.

Professor Clemens Bulitta zur Künstlichen Intelligenz in der Medizin

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