„Oberviechtach ist jetzt Festspielstadt!“, freute sich im Jahr 2002 der damalige Bürgermeister Wilfried Neuber, als unter der Schirmherrschaft des Eisenbarth-Forschers Eike Pies die Premiere des Doktor-Eisenbarth-Festspiels über die Bühne ging. Initiativen für Festspielaufführungen in der Geburtsstadt des Doktor Eisenbarth hatte es immer wieder gegeben, aber jetzt stand ein eigens gegründeter Verein hinter dem ehrgeizigen Vorhaben.
Dieser war zwei Jahre zuvor, nämlich am 30. November 2000, im Gasthof zur Post aus der Taufe gehoben worden. Federführend waren Bürgermeister Wilfried Neuber, Ludwig Schießl (Vorsitzender Doktor-Eisenbarth Arbeitskreis International) und Karl-Heinz Foißner (Museumsleiter).
"Eine Sisyphusarbeit"
Zum ersten Vorsitzenden des Vereins wurde Manfred Beer gewählt. Er war im selben Jahr als Projektkoordinator bei Siemens in den Ruhestand gegangen und brachte erstklassige organisatorische Fähigkeiten mit, ein Festspiel auf die Beine zu stellen. „Es war eine Sisyphusarbeit“, erinnert sich der Gründungsvorsitzende, der mit diesem Vorstandsamt zugleich Festspielleiter wurde.
Zwei Faktoren kamen ihm bei dieser Aufgabe aber zugute. Mit Oberstudienrat Wolfgang Pöhlmann, der seit Jahrzehnten mit dem Ortenburg-Ensemble herausragende Inszenierungen auf die Bühne brachte, zum Beispiel „Faust“ und „Jedermann“, hatte er einen erfahrenen Regisseur an der Seite. Pöhlmann seinerseits hatte mit Werner Müller aus Nürnberg einen Autor an Land gezogen, dessen Volksstück nicht nur seine Zustimmung fand, sondern auch die der Oberviechtacher Eisenbarth-Forschung.
Werke über Doktor Eisenbarth gab es bereits zuhauf vom Volksstück über Romane und Balladen bis hin zur Oper. Sie eigneten sich aber nicht für eine Aufführung in der Geburtsstadt des berühmten Wanderarztes. Keineswegs durfte das Bild vom Kurpfuscher und Scharlatan transportiert werden. Ludwig Schießl rückte nachdrücklich die herausragenden medizinischen Leistungen von Johann Andreas Eisenbarth ins Blickfeld, denen im Volksstück Rechnung getragen werden musste.
Oberviechtach im Festspielfieber
Wilfried Neuber spricht im Rückblick von einer „faszinierenden Begeisterung“, die ab der Premiere 2002 das Festspiel trug. Bei den alljährlichen Aufführungen des barocken Spektakels mit 120 Mitwirkenden zum Ende der Pfingstferien brach regelrecht ein Festspielfieber aus. Auf dem Marktplatz wurde nach einem Entwurf von Architekt Christian Schönberger vor den Bühnen eine aufwendige Zuschauertribüne installiert.
Unter Mitwirkung von Vereinen, Feuerwehren und THW erlebte die Bevölkerung nicht nur das spannende Spiel, sondern alljährlich auch ein buntes barockes Treiben auf dem Marktplatz. Namhafte Schirmherrn wie Umweltminister Thomas Goppel oder der Medizinprofessor Michael Nerlich begleiteten jedes Jahr das feierliche Geschehen. „Oberviechtach erlebte eine fünfte Jahreszeit“, erinnert sich Peter Eckstein, der selbst in unterschiedlichen Rollen an Aufführungen mitwirkte.
An mehreren Schauplätzen
Im Laufe der Jahre wurde das Volksstück weiterentwickelt. Uwe Niederdräing, Michael Eckl, Martin Zimmermann und Florian Waldherr brachten als Regisseure oder Festspielleiter ihre Ideen ein. Mit dem neuen Format einer Wanderinszenierung an mehreren Orten der Altstadt beschritt der Festspielverein „Neuland“, wie es Festspielleiter Martin Zimmermann 2017 in einer Festschrift ausdrückte. Bei „Eisenbarth erleben“ begab sich das Publikum ganz nah an den Spielern auf eine Wanderschaft an mehrere Schauplätze. Stellenweise wurden die Zuschauer sogar in das Spielgeschehen einbezogen.
Bei der Besetzung der Hauptrolle des Doktor Eisenbarth hatten die Regisseure immer eine glückliche Hand. Vom Anfang bis in die Gegenwart verkörperten Florian Waldherr, Hans Hillburger, Tobias Ehrenfried und Andreas Fleischer Oberviechtachs berühmten Sohn. Letzterer spielte auch beim Nachfolgeformat in den letzten beiden Spielsaisonen die Hauptrolle neben Reiner Reisinger als Eisenbarths Geist. „Stadt.Spiel.Platz.“ bezog neben Doktor Eisenbarth auch andere Geschichtsereignisse oder Sagenstoffe Oberviechtachs in eigenen Spielszenen mit ein.
Der Festspielverein hielt bis in die Gegenwart auch an Auftritten in jenen Orten oder Regionen fest, wo Eisenbarth einst gewirkt hat. So besuchte das Ensemble jüngst zusammen mit dem Kolping-Spielmannszug das Barockfest im thüringischen Gotha, wo auch das von Florian Waldherr konzipierte Eisenbarth-Puppenspiel auf begeisterte Zuschauer traf. „Nächstes Jahr darf sich das Oberviechtacher Publikum wieder auf ,Eisenbarth erleben' freuen“, verriet Vorsitzende Bianca Reil als ein Ergebnis der vor kurzem abgehaltenen Jahresversammlung des Vereins. Nach wie vor bereichern die "Gaukler" des Ortenburg-Gymnasiums und der Kolping-Spielmannszug die Inszenierungen.
Der Festspiel-Verein
- 2000: Gründung des Doktor-Eisenbarth-Festspielvereins
- 2002: Premiere des Volksstücks von Werner Müller anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der
Stadterhebung Oberviechtachs - 2016:Neues Spielformat „Eisenbarth erleben“ als Wanderinszenierung zu Schauplätzen der Altstadt
- 2021: „Stadt.Spiel.Platz.“ als neues Darbietungsformat bedingt durch die Corona-Pandemie
- 2023: Rückkehr zu „Eisenbarth erleben“ am 3./4. Juni sowie am 9./10. Juni in der Planung













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