22.04.2020 - 15:52 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Erkundungstour vom Gold zum Glas

Die beliebten Goldwanderungen in Oberviechtach finden wegen Corona aktuell zwar nicht statt, doch der Lehrpfad im Ortsteil Unterlangau bietet sich trotzdem als Ausflugsziel an. Reizvolle Strecken führen zu geschichtsträchtigen Plätzen.

von Udo WeißProfil

Auf einer Strecke von dreieinhalb Kilometern kann der Fußgänger tief in die Industriegeschichte der Region eintauchen und gleichzeitig schöne Natur erleben. Es geht durch 700 Jahre Goldbergbau, beiderseits des Wegs liegen geschichtsträchtige Örtlichkeiten und Naturplätze.

"Goldstück Bayerns" wird das Oberviechtacher Land genannt. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich in der Langau der älteste Goldbergbau der Oberpfalz befindet, der bereits 1318 urkundlich belegt war. Ostbayern und Böhmen waren damals vielbeachtete Zentren der Goldgewinnung. Der Raum Oberviechtach zählte zu den reichsten Goldlagern Mitteleuropas. In großer Zahl sind heute noch die Spuren des Goldabbaus im Gelände erkennbar.

Aber nicht nur der goldenen Vergangenheit kann nachgespürt werden: Die Spurensuche führt auch zu ehemaligen Glasschleifen. Die Menschen im Oberpfälzer Wald machten sich die Wasserkraft der Bäche und Flüssen zunutze, um Glasschleifen in der Region um Pirkhof und Plechhammer zu betreiben. Diese Betriebe waren im 19. Jahrhundert wichtig. In ihnen wurde das zunächst produzierte Flachglas durchsichtig gemacht. Filzteller kreisten über die Glasflächen, die mit Wasser und Poliermehl bearbeitet wurden. Eine veränderte Herstellung, die für transparentes Flachglas sorgte, brachte im 20. Jahrhundert das Ende der Glasschleifer.

Die Route entlang des Goldlehrpfads führt zu geschichtsträchtigen Orten: Bei Unterlangau liegt das eigentliche Zentrum des historischen Goldbergbaus im Raum Oberviechtach. In dem relativ kleinen Areal wurde Erz unter Tage gefördert, wovon das sogenannte "Güttingloch" zeugt.

Die dort heute noch deutlich erkennbaren Abbauspuren dürften Relikte der Goldgewinnung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sein. Bei diesem "mystischen" Ort, einem heute weitgehend zugewachsenen Sumpfloch, handelt es sich wahrscheinlich um die Überreste eines Abbau-Schachtes. Nach Tiefensondierungen in den 1980er Jahren durch Dr. Gerhard Lehrberger soll es etwa fünf Meter tief sein.

Idyllischer "Greiner-Weiher"

Seit 1318 belegt

Am Eingang zum Wald nahe Neumühle, wo sich die Murach an malerischen Ufern durch die Bäume schlängelt, kommen Spaziergänger und Wanderer an einem verlassenen Schleif- und Polierwerk vorbei - der "Greinerschleife". An über 30 Tischen wurde hier einst Flachglas verarbeitet, das von Nürnberg aus in die ganze Welt ging. Im Jahr 1931 wurde die Schleife vermutlich durch Brandstiftung zerstört. Das heute sichtbare Gebäude ist das wieder aufgebaute Werk von 1932. Bereits 1934/35 wurde der Betrieb aufgegeben. Ein Abstecher zum "Greiner-Weiher", der mit einer herrlichen Naturidylle aufwarten kann, ist lohnenswert.

In der Nähe liegt auch der Forellenbach, an dem sich die Teilnehmer der Goldwanderungen üblicherweise im Goldwaschen üben. Zahlreiche Schürfgruben und Abraumhalden sind übrig gebliebene Zeugnisse aus längst vergangener Goldgräberzeit.

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