Bei der letzten Aufführung des Erfolgsmusicals Spamalot in Neunburg vorm Wald deuten die Ovigo-Musiker in einem Zwischenspiel kurz jene charakteristische Jazz-Passage an, nur um mit dem Satz unterbrochen zu werden: „Nein, doch erst im nächsten Jahr.“ Hier wird vielen klar: „Addams Family“ ist das neue Musical im Spielplan 2027, den das Ovigo-Theater am Mittwochabend in der Weidener Sünde vorstellen wird.
Eine der exzentrischsten und makabersten Familien der Film- und Theatergeschichte sucht damit ab Oktober 2027 die Theaterbühnen der Region heim. Zunächst sind im ersten Block 14 Aufführungen geplant, Premiere ist in Nabburg. „Wir haben länger überlegt, welches Musical wir als nächstes bringen, haben viele Vorlieben und Stückideen ausgetauscht“, erzählt Florian Wein. Den Ausschlag hat laut dem Ovigo-Chef neben der musikalischen und personellen Machbarkeit – wie gewohnt stehen bei Ovigo Ehrenamtliche auf der Bühne – die außergewöhnliche, skurrile Idee gegeben.
„Das Besondere an der Addams Family ist das Durchgeknallte“, freut sich der Intendant. „Der Humor passt sehr gut zu uns.“ Die Begeisterung im Ensemble für das ausgewählte Stück und seine Charaktere ist typisch für das Oberviechtacher Theater – und eine der Grundlagen des Erfolgs. Auch die Monty-Python-Groteske Spamalot war eigentlich nur auf ein Jahr ausgelegt. Am Ende lief die bis dato aufwendigste Inszenierung des Theaters doppelt so lange mit 29 Aufführungen vor fast 9000 Zuschauern. „Ich glaube, dass das neue Musical wieder gut laufen wird. Es könnte ein neues Spamalot werden“, meint Wein.
Von Rekordjahr zu Rekordjahr
Auch strukturell wird 2027 für das junge, wachsende Theater spannend. „Vor einigen Monaten haben wir in Workshops erarbeitet, wie wir uns weiter aufstellen wollen“, so Wein. Das Ergebnis: Mit der Förderung des Zweckverbandes „Neue Bühne Oberpfalz“ in Höhe von 134 000 Euro für die Spielzeit im Rücken hat sich Ovigo logistisch und organisatorisch deutlich weiterentwickelt. Seit wenigen Tagen ist laut Wein auch die neue Förderzusage wahrscheinlich in ähnlicher Höhe da.
Künftig kommen zu den beiden Vollzeitmitarbeitern mit Claudia Lohmann und Bianca Vollath eine 30- beziehungsweise 20-Stunden Kraft hinzu. „Für die Mitglieder des Vereins hat sich dadurch kaum etwas verändert. Nur dass wir noch etwas mehr in den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth spielen“, erzählt Florian Wein über die Entwicklung des Theaters.
Denn dem Rekordjahr 2026 wird ein weiteres folgen. 22 Stücke, darunter 9 Neuinszenierungen mit bisher 212 Auftritten (2026: 175) sind geplant. „Wir spielen in 10 bis 15 neuen Orten und dabei auch in vielen neuen Spielstätten.“
Eiskaltes Händchen
Auch mit „Addams Family“. Wer sich jetzt schon darauf freut, wie markante Figuren und Szenen wie das „Eiskalte Händchen“ oder der leidenschaftlich-coole Tango von Vater Gomez (Finn Ebenschwanger) und Mutter Morticia (Stefanie Meier) umgesetzt werden, wird aber noch länger auf die Folter gespannt. Bislang probt nur die Musical-Band, erste Leseproben gibt es frühestens Ende des Jahres. Verraten wird hier noch nichts.
Regisseurin Annika Nitsch, die aus dem Musiktheater kommt, werde sicher viel Kreativität einbringen, meint Wein, der den Stoff mag, und als Dramaturg die Produktion unterstützen wird. „Die klassische Serie und die Filme, die ich als Kind gesehen habe, sind gut gealtert. Ich war auch ein bisschen in Christina Ricci verliebt“, gesteht Wein. „Die Netflix-Serie Wednesday dagegen fand ich persönlich nicht so toll.“
Dennoch sorgt gerade diese für ein Comeback der bis in die 1930er Jahre zurückreichenden Sonderling-Motive von Charles Addams. Und hat auch eine neue Generation und junge Darsteller wie Katharina Mühln dem „Addams“-Universum und dieser speziellen Figur näher gebracht.
Traumrolle Wednesday
„Ich habe mich beim Casting für alle weiblichen Rollen beworben, aber insgeheim gehofft, dass ich die Wednesday spielen darf“, so die 30-Jährige. „Wednesday hat eine faszinierende innere Zerrissenheit und ist nach außen hin emotionslos. Als sie sich verliebt, ist es wunderbar, wie warme Gefühle in den Charakter einfließen.“
Mühln ist durch den „Kleinen Horrorladen“ auf den Theaterverein aufmerksam geworden und seit Ende 2022 bei Ovigo. In „Hamlet for you“ hatte sie ihre erste tragende Rolle und ihr erstes Gesangssolo. In Spamalot spielte Mühln unter anderem eine tanzende Nonne und eine Pestleiche. Zuletzt sogar mit Krücken und Rollator. Denn selbst ein Schienbeinbruch kann die Grafenwöhrerin nicht ausbremsen.
„Addams Family ist durch seine Broadwaysongs sehr herausfordernd und musikalisch ein Genuss“, sagt Mühln, die sich schon auf die Arbeit mit dem Ensemble und der Band freut. „Das besonders Schöne am Stück ist, dass es die Frage stellt ‚Was ist denn wirklich normal?‘ und zeigt, dass Liebe das Wichtigste ist.“ Positive Gefühle, die Ovigo im kommenden Jahr transportieren will.





















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