10.08.2018 - 17:06 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Für die Würde, die Menschlichkeit und die Freiheit

"Ovigo" nimmt Stellung zu Reaktionen im Fall ihres Mitglieds Junaid Ahmad Bajauri

Das "Ovigo"-Theater setzt sich dafür ein, dass ihr Mitglied Junaid Ahmad Bajauri nicht in sein Geburtsland Pakistan zurückkehren muss.

(kö) Ende Juli erreichte den Verein "Ovigo"-Theater eine "niederschmetternde Nachricht" (wir berichteten). Ihr Mitglied Junaid Ahmad Bajauri muss in sein Geburtsland Pakistan zurückkehren. "Obwohl seine Heimat mittlerweile Deutschland bzw. Nabburg ist. Seine Heimat sind die verschiedenen Vereine geworden, in denen er tätig ist. Die Menschen, die ihn kennen gelernt haben und mit ihm zusammen ihre Freizeit verbringen möchten, haben ihm diese neue Heimat gestaltet", schreibt Florian Wein, der Vorsitzende von "Ovigo".

Junaid macht eine Ausbildung im sozialen Bereich. Er engagiert sich ehrenamtlich. Er war in Pakistan als Impfhelfer unterwegs und wird deshalb von den Taliban mit dem Tod bedroht. Kehrt er nach Pakistan zurück, muss er um sein Leben fürchten. Immer wieder fragen die Taliban bei seiner Familie nach, wo er sich denn aufhalte. Junaid und seine Anwältin haben mittlerweile Klage gegen die Abschiebung eingereicht.

Bei einem vom "Ovigo" organisierten Informationstreffen standen plötzlich 100 Menschen an seiner Seite, so Florian Wein. Der "Ovigo"-Vorsitzende weiter: "Auch unser Ovigo-Theater hat zahlreiche Rückmeldungen erhalten. Die meisten davon haben uns sehr gerührt. Es ist schön, zu erkennen, wie viele Bürger auch in unserer Region leben, denen Werte wie Menschlichkeit, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft wichtig ist. Wir bedanken uns für diese Reaktionen. Auch für die Unterschriften in der Petition für Junaids Verbleib, die wir auf unsere Website gestellt haben. Und natürlich auch für die Geldspenden, damit Junaid seine Anwältin auch bezahlen kann."

Florian Wein verhehlt aber auch nicht, dass es nicht nur positive Reaktionen gab. "Unserem Ovigo-Theater vorzuwerfen, wir würden gegen unsere Satzung handeln, ist schlicht absurd. Wir setzen uns für einen Menschen ein, der unsere Kultur fördert und sich als Teil dieser begreift. Junaid ist ein Mitglied unseres Vereins und nicht nur bei uns bestens integriert. Er möchte in einem Beruf arbeiten, in dem eh händeringend Personal gesucht wird. Sich dafür einzusetzen, dass Junaid in seiner (neuen) Heimat bleiben darf, ist nicht nur vertretbar - das ist unsere Pflicht".

"Ovigo" sei nicht nur ein Theaterverein, der sich ausschließlich auf Theateraufführungen beschränkt. Der Verein setze sich für generationsübergreifendes Spielen ein, für die Ausbildung von Kindern und auch Erwachsenen. Er ist Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst und möchte auch Asylbewerbern eine Chance geben, sich auf der Bühne zu verwirklichen. "Wie das Theater Junaids Leben bereichert hat und er damit auch unseres, kann z.B. am Rande der Peter- Pan-Vorstellungen (Junaid in der Rolle des Smee) oder bei unseren Workshops beobachtet werden", freut sich Florian Wein.

Ausdrücklich stellt er fest: "Das 'Ovigo'-Theater steht für Werte. Das ist unabdingbar, wenn man sich kulturell engagiert. Wir dürfen und müssen uns auch gesellschaftlich positionieren und dabei kritisch bleiben. Wir sind überparteilich und beziehen dennoch Stellung. Gerade dann, wenn es uns direkt betrifft - so wie im Falle von Junaid Ahmad Bajauri. Ich als Vorsitzender sehe unseren Verein als weltoffen und bunt. Werte wie Menschlichkeit und Nächstenliebe müssen für uns selbstverständlich sein. Wir achten die Würde des Menschen und seine Freiheit. Und auch sein Recht auf Asyl".

Diese Werte werden sich laut Wein künftig auch ausformuliert in der Satzung des Vereins finden. Die dafür nötige Mitgliederversammlung werde derzeit vorbereitet.

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